Künstler Diethart Rindermann ist verliebt in Trendelburg

Fühlt sich in Trendelburg nach Jahren der inneren Suche angekommen: Diethart Rindermann in seiner Heubodengalerie. Foto: zhf

Trendelburg. Fast ein wenig pittoresk wirkt sein Lebensmittelpunkt. Romantisch, hübsch und mit „ein wenig französischem Flair", so beschreibt Diethart Rindermann Trendelburg.

Seit acht Jahren lebt der Fotokünstler gemeinsam mit seiner Frau in der kleinen Stadt am Fluss, in die sich der ehemalige Lehrer vor einigen Jahren während eines Fotostreifzuges auf Anhieb verliebt hat.

Zwar sei sein früheres Leben in Kassel auch schön gewesen, nicht aber vollkommen. „Wir sind, so oft es ging, raus ins Grüne geflüchtet, haben uns ein wenig wie Nomaden gefühlt, stets auf einer Art innerer Suche.“

Was er damals gesucht hat, habe er lange Zeit nicht gewusst, bis er nach Trendelburg kam. „Ankommen bedeutet für mich, die Umgebung, in der ich lebe, aktiv mitgestalten zu können.“ Das sei in Kassel nicht möglich gewesen.

„Die Wohnung war fertig, aber nie richtig meine, das ist mit dem 120 Jahre alten Haus in Trendelburg nun anders.“ 2007 gekauft, sollte es noch sechs Wochen dauern, bis der 65-jährige sein heutiges Kreativzentrum entdeckte. Stockdunkel, die Tür mit Hanfseil zugebunden, schlummerte da seine heutige Heubodengalerie einen Dornröschenschlaf. „Beim ersten Leuchten mit der Taschenlampe war mir sofort klar: Das muss ein Kunstraum werden.“ Noch heute funkeln seine Augen, wenn er in der mittlerweile fertigen Galerie erzählerisch eintaucht in seine ganz persönliche Kunstwelt. Sonnenstrahlen bahnen sich da ihren Weg durch die kleinen Sprossenfenster und lassen die Weite des Raumes beinahe greifbar werden. Das alte Fachwerk an den Wänden fasziniert den leidenschaftlichen Fotografen.

Jedes Fach hat eine andere Struktur, teilweise mit Lehmputz, teilweise mit Backsteinen, die von der Geschichte des alten Gemäuers erzählen. Rindermann hat sie zur Basis seines nicht alltäglichen Ausstellungskonzeptes gemacht. „Ich finde es gerade spannend, dass die Kunstwerke sich nicht - wie sonst üblich - von einer weißen Wand abheben, sondern hier mit dem Hintergrund verschmelzen, eine Einheit bilden und mitten im Leben stecken.“ Dass viele seiner Kollegen das anders sehen, stört ihn nicht. „Es gibt einfach verschiedene Formen von Kunst, vieles hat mittlerweile nur noch mit Vermarktung zu tun, genau das will ich nicht.“ Der Ursprung von Kunst sei für ihn ein ganz anderer: „Mir geht es um Bilder, die auf den Punkt gebracht das wiedergeben, was ich empfinde.“

Dem Mitbegründer der Trendelburger Kunstinitiative „Kunst säen und sehen“ selbst gelingt das am besten bei Landschaftsaufnahmen. Das kann ein Mohnblumenfeld sein oder auch ein romantisch gelegenes Gewässer, wo es ihm vor allem die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche angetan haben. „Das ist eine faszinierende Mystik, denn steckt hinter der Realität nicht vielleicht noch viel mehr, als wir auf den ersten Blick wahrnehmen können?“

Hintergrund

Die Heubodengalerie von Diethart Rindermann in Trendelburg (Altes Tor 36) wurde inzwischen um einen zweiten Raum erweitert, in dem zu den Tagen des offenen Ateliers jeweils eine Auswahl seines fotografischen Schaffens sowie ein „Best of“ seiner aktuellsten Arbeiten zu sehen ist, zu denen mittlerweile auch Porträtaufnahmen zählen. Diethart Rindermann freut sich über interessierte Besucher.

Kontakt: Telefonnummer 0 56 75/72 19 14, www.heubodengalerie.de.

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