Kunstprojekt von Ton Matton ist abgeschlossen

Gottsbüren. Mit offenen Armen haben die Gottsbürener ihre Gäste nicht unbedingt empfangen. Zu arrogant seien der Linzer Professor Ton Matton und seine Studenten bei ihrer Ankunft aufgetreten. So war die Meinung vieler zu Beginn des Projekts „The Production of Well-being“.

Mit der Zeit erkannten die Menschen im kleinen Trendelburger Stadtteil jedoch, dass ihre Gäste es wohl nur gut mit ihnen meinten, öffneten sich, um letztlich zur eingeschworenen Gemeinschaft zusammenzuwachsen. So zumindest schien es am Wochenende während des Abschlussfestes, als alle gemeinsam erste Ergebnisse des außergewöhnlichen Projektes präsentierten, das Kunst mit nicht alltäglichen Zukunftsvisionen verknüpft. Das Ziel: Neue Bewohner anziehen, den Ort beleben, Leerstände sinnvoll beseitigen. Die Mittel, die Matton und seine jungen Unterstützer dafür wählten, reichten von Bühnen aus Europaletten bis hin zu Bewohnerporträts sowie skurriler Kunst in leeren Häusern, und sorgten bis zuletzt für Kritik.

„Noch am Samstag bin ich von einem Paar angegangen worden, das mich mit Pippi Landstrumpf verglich, weil ich mache, was mir gefällt“, so Matton. Es sei als Kritik gemeint gewesen, für ihn aber sei dies der einzig sinnvolle Weg: „Warum sollten wir die Welt, in der wir leben, nicht so gestalten, dass sie für uns funktioniert? Wir haben die Gottsbürener Welt nicht anders gemacht, sondern nur neu erdacht.“

Malte nicht nur Aquarell-Porträts Gottsbürener Bürger, sondern gab den Abstimmungsergebnissen beim Song-Contest auch Farbe: Künstler Paul Kitzmüller.

Mit der Energie, die das Projekt in den Ort gebracht hat, soll es nun weiter gehen. Gemeinsam mit den Gottsbürenern will sich Matton in einem nächsten Schritt einem der leerstehenden Gebäude, dem gelben Haus, annehmen. „Was wir dort machen, steht noch nicht fest, auf jeden Fall wollen wir die positive Energie nutzen, etwas Neues entstehen zu lassen.“ Das freut auch Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann: „Dieser andere Blick auf die Situation Gottsbürens mit dem gesamten akademischen Potenzial der Gruppe hat uns auf jeden Fall gut getan und uns viele neue Denkansätze geliefert, die wir bislang vielleicht einfach nicht gesehen haben.“ Diesen Schwung nun mitzunehmen, sei die große Aufgabe.

Kunstprojekt von Ton Matton in Gottsbüren

Dabei hilft vielleicht auch die eigene Hymne, die die Gottsbürener im Rahmen des Projekts gemeinsam mit der Berliner Künstlerin Bernadette la Hengst geschrieben und am Sonntag in der Wallfahrtskirche uraufgeführt haben. Sie soll den positiven Blick auf die Heimat lebendig halten, zumindest, bis Professor Ton Matton und seine Studenten zurückkehren und dann sicher von Anfang an mit offenen Armen empfangen werden. (zsf)

Lesen Sie dazu auch:

- Geheimnisvolles Projekt: Positive Energie vom Dorf nach Kassel leiten

- Kunstprojekt will Gottsbüren in Potemkinsches Dorf verwandeln

- Tellerwerfen gegen Wut: Streitgespräch über die Lage in Gottsbüren

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.