Liebe auf den zweiten Blick

Marion und Lorenzo Iorillo aus Langenthal feiern diamantene Hochzeit

Zufriedenes Paar: „Wir sind glücklich, dass wir uns noch haben“, sagen Marion und Lorenzo Iorillo. Sie feiern heute ihre diamantene Hochzeit.
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Zufriedenes Paar: „Wir sind glücklich, dass wir uns noch haben“, sagen Marion und Lorenzo Iorillo. Sie feiern heute ihre diamantene Hochzeit.

Manchmal wachsen Paare bereits zusammen auf, kennen sich quasi aus dem Sandkasten. Das ist im Falle von Marion und Lorenzo Iorillo nun gar nicht der Fall.

Langenthal - Das deutsch-italienische Ehepaar feiert heute seinen diamantenen Hochzeitstag. Marion Iorillo, geborene Lerch, wuchs in Altenessen im Ruhrgebiet auf. Dort hatte ihre Familie italienische Nachbarn. Die bekamen ab und zu Besuch von einem netten jungen Mann, ebenfalls einem Italiener. Lorenzo Iorillo war damals als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und arbeitete zunächst für einige Zeit in der Landwirtschaft, ehe eine Stellung als Bergmann bekam und unter Tage arbeitete. „Ich habe sie auf dem Fahrrad fahren sehen und mich sofort in sie verliebt“, erinnert sich der heute 84-Jährige.

Doch das Interesse stieß bei der damals 19-Jährigen nicht sofort auf Gegenliebe: „Ich war nicht so begeistert“, gibt sie zu und schmunzelt, „erst meine Eltern haben mich überredet, doch mal mit ihm auszugehen.“

Im Sommer 1959 lud er sie dann zum Baden ein. Das hatte einen ganz praktischen Grund, wie sich Lorenzo Iorillo lächelnd erinnert: „Ich wollte ihre Figur im Badeanzug sehen, ich kaufe doch nicht die Katze im Sack!“ Was er sah, gefiel dem jungen Mann und auch bei der gelernten Elektromechanikerin flatterten mittlerweile Schmetterlinge im Bauch.

Zwei Jahre später heiratete das Paar in Altenessen, was zu dieser Zeit nicht bei allen Menschen Anklang fand. „Wir mussten uns ganz schön was anhören“, erinnert sich die Seniorin, aber ihr Mann wiegelt ab und sagt, dass er eigentlich sehr gut in Deutschland aufgenommen wurde.

Hochzeit in Altenessen: Brautpaar nach der standesamtlichen Trauung.

Man sei neugierig gewesen, so der gelernte Fliesenfertiger, wollte ihn damals sogar mit einer anderen verkuppeln. Doch erst mit seiner Marion hätte er die Frau fürs Leben gefunden. Mit ihr gründete er schon bald eine Familie, zu der mittlerweile neben den drei Kindern auch neun Enkel und 14 Urenkel zählen, der jüngste Nachwuchs ist erst wenige Tage alt.

Als es im Bergbau keine Arbeit mehr für ihn gab, zog die Familie nach Nordhessen und fand schließlich in Langenthal eine neue Heimat. Iorillo arbeitete unter anderem im AKW Würgassen, dann bei Löber in Hofgeismar und schließlich bis zur Rente als Lkw-Fahrer bei Henke Möbel in Helmarshausen.

360 Stunden im Monat habe er durchaus gearbeitet, sei europaweit unterwegs gewesen, während seine Frau ab 1973 als Stationshilfe auf der Intensivstation der Klinik in Helmarshausen gearbeitet habe. „Ich hatte zunächst keinen Führerschein und bin oft nach Hause gelaufen“, erinnert sich Marion Iorillo,

Im Urlaub ging es zu den Schwiegereltern nach Sant’Arcangelo Trimonte ins 2400 Kilometer entfernte Kampanien, oft auch allein mit den Kindern. „Ich konnte kein Italienisch, die Familia kein Wort Deutsch – aber das hat gar nichts ausgemacht“,. sagt die Ehefrau.

Ein Stückchen Italien hat sich Lorenzo Iorillo nach Deutschland geholt. Im Garten baute er Paprika und Wein an und kelterte diesen selbst: „Hat gut geschmeckt!“

Gegenseitiges Vertrauen und Verständnis seien ihr Geheimnis für eine lange Ehe, sagen die Iorillos. Und ohne einen Gute Nacht- und einen Guten Morgen-Kuss geht seit 60 Jahren gar nichts. (Gitta Hoffmann)

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