Nach Facebook-Kommentaren

Gab es rassistische Beleidigungen? Trendelburg distanziert sich vom Dragonheart-Lauf

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Die erste Herausforderung mit Schlamm und Klettereinlagen erwartete die Dragonhearts im vergangenen Jahr im Steinbruch Wülmersen.

Hofgeismar. Der Dragonheartbattle war in den vergangenen zwei Jahren der sportliche Höhepunkt der Region im November. Als Austragungsort wurde Trendelburg mit dem Lauf in der Szene der Hindernisläufer bundesweit bekannt.

Doch nun distanziert sich die Stadt vom Veranstalter PAS Team Ltd. Der Grund sind fragwürdige Äußerungen auf Facebook von Joachim von Hippel, dem Chef von PAS Team.

Auch eine Mitarbeiterin des PAS-Teams soll in einem Facebook-Post farbige Menschen in grober rassistischer Manier beleidigt haben. Ein Leser hatte daraufhin die Stadt Trendelburg informiert und Anzeige erstattet. Bürgermeister Kai Georg Bachmann ging daraufhin der Sache nach und fand die Vorhaltungen bestätigt. Unter anderem liegt ein Screenshot des Facebook-Posts vor. Inzwischen ist der inkriminierte Post auf Facebook nicht mehr zu finden.

„Solche Äußerungen sind vollkommen inakzeptabel und nicht zu tolerieren“, sagt Bachmann, „davon distanzieren wir uns als Stadt mit aller Entschiedenheit.“ Mit seiner Verwaltung und Stadtverordnetenvorsteher Dieter Uffelmann, der als „Ritter Dietrich“ den Startschuss für die dritte Auflage des Dragonheartbattles am Samstag, 18. November, geben soll, habe man überlegt, ob die Veranstaltung abgesagt werden müsse. „Doch im Interesse der mehr als 600 Läufer, die sich seit Monaten auf dieses Event vorbereitet haben, wollen wir den Lauf stattfinden lassen“, sagt Bachmann. Das sei die Stadt den Sportlern gegenüber, die gerne nach Trendelburg kommen, schuldig. 2018 aber werde man nicht mehr mit PAS Team zusammenarbeiten, stellt der Bürgermeister klar. Dann werde man einen anderen Veranstalter suchen.

Joachim von Hippel erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass seine Firma nichts mit dem Facebook-Post zu tun habe. „Das ist private Sache einer Mitarbeiterin“.

Stadt, Landkreis Kassel und Hilfsorganisationen machen nur noch einmal mit

Keine Frage, der Trendelburger Dragonheartbattle erwies sich in den vergangenen beiden Jahren als Gewinn für Trendelburg. „Das ist eine tolle Werbung für die Stadt“, sagte Bürgermeister Kai Georg Bachmann noch im Mai dieses Jahres. Am Wochenende des Laufes seien jedesmal die Übernachtungskapazitäten voll ausgebucht. Und so mancher, der als Läufer das Diemeltal im November entdecke, komme später als Tourist wieder. 

Der Bürgermeister lässt keinen Zweifel daran, dass daher die Stadt auch weiterhin ein Interesse hat, „ein solches Event bei uns stattfinden zu lassen“. Aber eben nicht mit dem PAS-Team von Joachim von Hippel als Veranstalter. „Die Stadt ist aufgrund aktuell bekannt gewordener Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Veranstalters nicht länger bereit, die Veranstaltung auf dem Stadtgebiet Trendelburg zu unterstützen. Mit den mutmaßlich rassistischen und diskriminierenden Äußerungen von einer Mitarbeiterin des PAS-Teams in einem Facebook-Chat, an dem sich auch Firmenchef Joachim von Hippel beteiligt habe, „sind Grenzen überschritten worden“, sagt Bachmann. 

Die Überlegungen seien soweit gegangen, den Lauf seitens der Stadt zu untersagen. Doch weil man wisse, dass 600 Starter voller Vorfreude seien, sollten die Sportler nicht die Leidtragenden einer Absage sein. Daher werde die Stadt den Dragonheartbattle am 18. November erlauben. Doch das Trendelburger Freibad, das diesmal ein spektakuläres Hindernis für den Lauf hätte abgeben sollen, „stellen wir nun nicht mehr zur Verfügung“, sagt Bachmann.

Auch beim Landkreis Kassel hält man die Äußerungen auf Facebook für „nicht zu tolerieren“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Doch ebenso wie die Stadt Trendelburg, wolle auch der Kreis nicht die Sportler für die Entgleisungen von Mitarbeitern des PAS-Teams bestrafen und das Wasserschloss Wülmersen als zentralen Veranstaltungsort für den Dragonheartbattle freigeben. Voraussetzung sei allerdings, dass der Veranstalter die Nutzungsbedingungen erfülle. Die besagten unter anderem, dass PAS-Team bis Montag, 13. November, die Kaution von 5000 Euro und die Miete von 600 Euro zu hinterlegen habe. 

Auch der Arbeiter Samariter Bund (ASB) werde die Sportler nicht im Stich lassen und „in gewohnter Weise die Sanitätsbetreuung übernehmen“, sagt Geschäftsführer Michael Görner. „Gleichzeitig distanzieren wir uns von den bekanntgewordenen Äußerungen.“ 

Dasselbe gilt für die Trendelburger Feuerwehr. „Wir werden zehn bis zwölf Kräfte zur Verfügung stellen“, sagt Stadtbrandinspektorin Christina Gräbe. Die Mannschaft hoffe, dass „Herr von Hippel diesmal zu seiner Zusage steht und unsere Leute mit Imbiss und Getränken versorgt.“ Das sei in der Vergangenheit nämlich nicht der Fall gewesen.

Hintergrund: Schon über 600 Anmeldungen

Der Dragonheartbattle fand 2015 das erste Mal statt. Trendelburger Hindernisläufer hatten das PAS Team aus Bad Kissingen überzeugt, auch im Diemeltal einen solchen Lauf zu veranstalten. Die Firma war in der Szene bereits als Organisator des Braveheartbattles in Bischofsheim (Rhön), des Limes Run im bayrischen Bad Gögging und des Cherokee Run bei Kitzingen bekannt. Bei der Wiederholung 2016 waren bereits über 500 Teilnehmer am Start in Wülmersen. Nach Auskunft des PAS Teams liegen für die dritte Auflage am 18. November bereits über 600 Online-Anmeldungen vor. Die Startgebühr beträgt 70 Euro. Die Strecke führt von Wülmersen aus nach Trendelburg und wieder zurück. Die 24 Kilometer sind gespickt mit zahlreichen Hindernissen. (geh)

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