Aktionsbündnis rechnet mit Hindernissen

Pläne für Windkraft im Reinhardswald: Pro Märchenland fordert Akteneinsicht

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Windräder in Waldgebieten werden vielerorts kontrovers diskutiert (hier ein Bild aus Rheinland-Pfalz). Das gilt auch für die Region Reinhardswald.

2021 Baubeginn, 2022 Inbetriebnahme: So lautet die Einschätzung der Windpark Reinhardswald GmbH für ihre geplanten Anlagen in dem Waldgebiet.

Das Aktionsbündnis Pro Märchenland, das die Anlagen verhindern will, erwartet dagegen heftigen Gegenwind für die Pläne. Hier die wichtigsten Eckpunkte dazu:

Die Unterlagen

Das Aktionsbündnis fordert die Windpark GmbH auf, alle Planungsunterlagen sofort öffentlich zu machen. Die GmbH hatte angekündigt, sämtliche Unterlagen für die Genehmigung ins Internet zu stellen, sobald das Regierungspräsidium Kassel erklärt hat, dass diese vollständig sind und die 30-tägige Beteiligung der Öffentlichkeit beginnt. Dabei kann sich jeder die Planungen ansehen. Pro Märchenland ruft dazu auf, davon „in großem Umfang Gebrauch zu machen und Einwände vorzubringen“. Dafür sehe das Genehmigungsverfahren weitere 30 Tage vor. Eigene Infos hat das Bündnis unter rettet-den-reinhardswald.de zusammengestellt.

Die Hindernisse

„Das vorläufige Aus für zwei der vorgesehenen 20 Windanlagenstandorte durch die Flugsicherung wird für die Windpark GmbH aus unserer Sicht nur einer von vielen Stolpersteinen werden“, schreibt Pro Märchenland weiter. Von einer schnellen Genehmigung und zügigem Baubeginn dürfe aus Sicht des Bündnisses nicht ausgegangen werden, „wenngleich das in verschiedenen Veröffentlichungen wiederholt suggeriert wurde“. Zudem seien es nicht nur Bürgerinitiativen, Vereine und Einzelpersonen, sondern nach wie vor die Bürgermeister und Parlamente der überwiegenden Zahl der Kommunen am Reinhardswald, die sich gegen jegliche Bebauungsplanungen des Reinhardswaldes aussprechen. „Selbst wenn es zu Genehmigungen kommen sollte, werden sich die Projektierer mit diesem entschlossenen Widerstand auseinanderzusetzen haben, der auch Klagen einschließen wird“, betont Pro Märchenland.

Die Öffentlichkeit

Es gebe ein wachsendes deutschlandweites, auch mediales, Interesse an den Bebauungsplanungen für den wegen seiner Besonderheiten überregional bekannten Reinhardswald, schreibt Pro Märchenland. Das werde nicht nur in der noch laufenden Petition der weltweit agierenden Organisation Rettet den Regenwald e.V. deutlich. „All das sollte die Windpark-Geschäftsführung unter den eigenen Mitgesellschaftern verantwortlich kommunizieren.“ Neben Partnern wie den Städtischen Werken Kassel und der EAM Natur sind auch die Kommunen Grebenstein, Immenhausen, Trendelburg und Fuldatal Teilhaber der GmbH. Den Entscheidern der jeweiligen Parlamente seien „nach unserer Kenntnis wohl bis heute keine nachvollziehbaren, detaillierten Berechnungsgrundlagen ausgehändigt worden“, so lautet die Aussage von Pro Märchenland.

Der Klimaschutz

Die Windpark Reinhardswald GmbH hat mit Blick auf ihre Pläne mehrfach erklärt, dass Windkraft einen Beitrag zum Klimaschutz leiste. Und gerade der Reinhardswald habe zuletzt unter den Folgen des Klimawandels wie Sturm und Dürre gelitten. Pro Märchenland argumentiert dagegen, dass der Beitrag der Region zu Klimaschutz und alternativer Energiegewinnung längst schon erheblich sei.

Allein auf dem Gebiet der Gemeinde Trendelburg würden 40 Windanlagen rein rechnerisch bereits die mehr als siebenfache Menge des eigenen Energiebedarfes der Kommune erzeugen – und das ohne die Einspeisung aus privaten Solaranlagen, sagt das Aktionsbündnis und weist auf eine Studie der CDW-Stiftung hin. Demnach lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Landkreis Kassel – wieder rein rechnerisch – bereits 2018 bei 93,3 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 33,2 Prozent. Daten dazu unter:cdw-stiftung.de/projekte/dokumentation-energiewende-nordhessen/

„Der Reinhardswald darf also keinesfalls, einem Acker an der Autobahn gleich, zur reinen Energiegewinnungsfläche degradiert werden“, formuliert Pro Märchenland. Er bringe bereits durch sein Dasein einen erheblichen regionalen Beitrag zum Klimaschutz – genauso zu Arten- und Trinkwasserschutz. „Wir brauchen den unbebauten Reinhardswald daher jetzt mehr denn je.“

20 Anlagen geplant

Wie berichtet plant die Windpark Reinhardswald GmbH den Bau von 20 Windkraftanlagen im Reinhardswald. Im Sommer 2019 hatte die Gesellschaft dafür einen Genehmigungsantrag beim Regierungspräsidium Kassel gestellt. Zwischenzeitlich mussten die Unterlagen dafür teilweise überarbeitet werden – unter anderem deshalb, weil rund ein Drittel des Fichtenbestands in Hessens größtem zusammenhängenden Waldgebiet vom Forst nach Dürre, Stürmen und Borkenkäferbefall abgeräumt werden mussten. 

In dieser Woche hatte Ralf Paschold, einer der GmbH-Geschäftsführer zudem erklärt, dass man für zwei Standorte bei Gottsbüren. Alternativen suche. Der Hintergrund: Die Bundeswehr hat wegen der Windkraftanlage im Reinhardswald Bedenken, dass diese das Nato-Radar im westfälischen Auenhausen beeinträchtigen könnten. Derzeit geht Paschold von einem Baubeginn 2021 aus. Im Jahr darauf könnten die Anlagen aus seiner Sicht dann in Betrieb genommen werden – die Genehmigung vorausgesetzt.

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