In Kairo festgehalten

Problem Visum: EU-Bürger wartet auf Familie

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Ana Maria Tonigold und Sohn Sami Manuel Hegazi.

Sami Hegazi wohnt seit 2017 in Eberschütz, besitzt ein Wohnhaus und er hat einen festen Arbeitsplatz - Seine Familie kann dennoch nicht bei ihm sein. Sie wartet auf ein Visum.

Die der bitteren Not im Gazastreifen entkommenen Palästinenser harren seit über einem Jahr in Kairo aus und warten darauf, endlich als Familie wieder zusammenzusein. Bislang vergeblich.

Dass die Familie rechtlich einen Anspruch auf Familienzusammenführung hat, daran gibt es keinen Zweifel. Denn ebenso wie Sami Hegazi als portugiesischer Staatsbürger Freizügigkeit in jedem Land der Europäischen Union genießt, sind auch seine Angehörigen „freizügigkeitsberechtigt“.

Die Hürde Visum

Doch wer von außerhalb in die EU einreisen will, benötigt ein Visum. Das zu beschaffen, kann mit großem Aufwand verbunden sein. Das zeigt der Fall Hegazi. Nach monatelanger Wartezeit bekam Samis Ehefrau Hala für Ende Oktober endlich einen Termin zugeteilt. Doch als sie mit ihren Kindern vor der Deutschen Botschaft erschien, wurde nur sie eingelassen. 

Ihren Kindern, das jüngste ist vier Jahre alt, wurde der Zutritt verwehrt, sie mussten auf der Straße warten. Begründung: Für jeden Antragsteller, also auch für Kinder, müsse ein separater Termin beantragt werden. Das könne sieben Monate dauern, wurde Hala Hegazi mitgeteilt.

Dass sich in dem Verfahren solche Hürden aufbauen, kann Norbert Strauch, Leiter der Ausländerbehörde von Stadt und Kreis Kassel, nicht nachvollziehen. „Ich verstehe nicht, wo das Problem in der Deutschen Botschaft in Kairo liegt“, sagt Strauch.

"Können Glück kaum fassen"

Doch nun ist doch noch Bewegung in den Fall gekommen. Auslöser war eine Anfrage unserer Zeitung vom 15. Januar an das Auswärtige Amt in Berlin. Wir wollten wissen, welche konkreten Hürden sich in Kairo auftun. 

Wenige Tage später wurde Hala Hegazi eingeladen, am 5. März mit ihren Kindern in die Botschaft zu kommen. Damit nicht genug: Diese Woche wurde der Termin sogar vorverlegt: Nun können die Visaanträge bereits am 31. Januar gestellt werden. „Wir können unser Glück kaum fassen“, sagt Ana Tonigold, die in Hümme wohnende Mutter von Sami Hegazi. Und sie schiebt hinterher: „Vielen Dank HNA für Ihre Hilfe.“ 

Hintergrund: Vertrauliche Info

In unsere Recherche zum Fall Hegazi hatten wir auch die Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher eingeweiht. So erhielt Dilcher auch eine Kopie der HNA-Anfrage an das Auswärtige Amt, in der wir baten, uns die Vorgänge in der Deutschen Botschaft in Kairo zu erhellen. 

Wie das Büro Dilcher erhielten auch wir eine Antwort. Das Auswärtige Antwort bittet allerdings darum, die Antwort als Hintergrundinformation „unter drei“ vertraulich zu behandeln.

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