Entwickler widersprechen Befürchtungen der FWG Trendelburg

Windparkplaner: „Keine negativen Folgen für Trinkwasser“

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Windkraft im Wald: Dieses Bild aus dem Schwarzwald zeigt, wie ein Windpark in solchen Gebieten aussehen kann. Auch für den Reinhardswald gibt es dafür Pläne – und Widerstand in der Region.

Der Bau von Windkraftanlagen im Reinhardswald könne sich womöglich auf das Trinkwasser auswirken: Diese Befürchtungen hat die FWG Trendelburg geäußert. Projektplaner widersprechen.

Sie führen Untersuchungen ins Feld. Fragen und Antworten dazu:

Worum geht es bei dem Projekt?

Um 20 Anlagen im Reinhardswald, für die das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Kassel läuft. Sie sollen, wie mehrfach berichtet, durch die Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG errichtet werden. An dieser sind Grebenstein, Trendelburg, Immenhausen und Fuldabrück über die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) beteiligt. In diesen Kommunen stehen Parlamentsentscheidungen zum Projekt an.

Wie lautet die Kritik der FWG Trendelburg?

Die FWG-Fraktion befürchtet mögliche Verunreinigungen des Wassers aus dem Reinhardswald durch den Bau der Anlagen sowie eine Blockade oder Umleitungen von Zuläufen durch die Fundamente.

Was sagen die Entwickler des Windparks?

Trinkwasserschutz sei verständlicherweise ein sehr sensibles Thema, sagt Ralf Paschold, einer der drei Geschäftsführer der Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG. Daher habe es bei der Planung hohe Priorität. Man habe umfangreiche Untersuchungen zur Hydrogeologie – also den Trinkwasservorkommen – im nördlichen Reinhardswald erstellen lassen, zuletzt nochmals vertiefend.

Was wurde für die Gutachten untersucht?

Unter anderem, aus welchen Grundwasserleitern sich Vorkommen speisen und wie alt das Wasser sei: für die Brunnen in Gottsbüren zwischen 100 bis 130 Jahre, für die Quelle Gottsbüren 25 Jahre, für das Trinkwasser aus dem Tiefbrunnen Gieselwerder 300 Jahren, für den Tiefbrunnen Gottstreu rund 100 Jahre. Das jüngste Wasser habe mit 20 Jahren die Quelle Gieselwerder.

Und was ist mit den Kritikpunkten der FWG?

Zu den Bedenken, dass Wasseradern durchschnitten würden, oder dass es sonstige, negative Folgen auf die Trinkwasserversorgung durch den Betrieb der Windkraftanlagen geben würde, verweist Pascholds Geschäftsführerkollege Lars Rotzsche auf die Ergebnisse der Gutachten: Diese würden die Bedenken als nachweislich unbegründet darstellen, sagt er. Laut Paschold kommen die Gutachten, die von der Betreibergesellschaft für das Genehmigungsverfahren beauftragt wurden, zu dem Ergebnis: „Mit Blick auf die für die heutige Trinkwasserversorgung genutzten Trinkwassergewinnungsanlagen (TwGa) wird ein direkter Einfluss der Erdarbeiten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Auch Einflüsse auf alle anderen TwGa im weiteren Umfeld und in den tieferen Grundwasserstockwerken können zweifelsfrei ausgeschlossen werden.“

Liegen geplante Anlagen in Wasserschutzgebieten?

Ja, heißt es von der Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG. „Unsere Anlagen liegen in der Schutzzone III“, erklärt Ralf Paschold dazu auf Anfrage. Andere, strenger bewertete Schutzzonen, seien aber nicht betroffen.

Darf man Windräder in solchen Zonen bauen?

Ja, aber nicht überall. Vereinfacht gesagt, sind Wasserschutzgebiete in die Schutzzonenkategorien I bis III unterteilt, wobei I den strengsten Schutz bedeutet. „In Hessen werden Windenergieanlagen in Wasserschutzgebieten nur in der Schutzzone III genehmigt, nicht aber in den Schutzzonen I + II“, heißt es dazu in einer Faktensammlung des Umweltministeriums. Zur Genehmigung einer Anlage in der Schutzzone III werde im Einzelfall geprüft, ob diese gefahrlos gebaut und betrieben werden könne.

Wie bewerten die Planer insgesamt das Risiko?

Die verweisen auf das Gutachten: Allein in Nordhessen würden 150 Windkraftanlagen in Wasserschutzgebieten der Zone 3 „völlig unproblematisch“ betrieben, heiße es darin. Vor diesem Hintergrund ließen sich „keine Risikopotenziale auf das Trinkwasser und den Trinkwasserschutz in Zusammenhang mit der Windenergie auch im Reinhardswald erkennen.

Welche Betriebsstoffe gibt es in den Anlagen?

Für den Windpark Reinhardswald sind Anlagen vom Typ Vestas V150-5,6 MW geplant (Gesamthöhe 241 Meter).Dafür sind nach Unterlagen von Vestas je Anlage rund 5,5 Tonnen an Betriebsstoffen vorgesehen, darunter 900 Liter Getriebeöl. Die meisten Stoffe werden laut Hersteller der Wassergefährdungsklasse 1 von drei Klassen (schwach wassergefährdend) zugeordnet – mit Ausnahme von zehn Kilo Schmierfett (Kl.2, deutlich wassergefährdend). Es gibt in den Anlagen Schutzvorrichtungen zum Auffang von Betriebsstoffen, etwa im Fall einer Havarie.

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