Naturfreunde sorgen sich um das Brutpaar

Tragödie am Nest in Sielen: Storch Karl verlor ein Bein

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Schrecken am Storchenhorst: .Der verletzte Storchenmann Karl hat nur noch ein Bein. Wegen seiner schweren Verletzung kann er seiner Rosi auch nicht beim Bebrüten der Eier helfen. Foto:  Yvonne Berger

Tragödie am Storchenhorst in Sielen: Das Storchenmännchen, das die Beobachter Karl getauft hatten, hat offenbar einen Unfall gehabt. Der linke Fuß und ein Teil des Unterschenkels wurden abgetrennt.

Der Unterschenkel hängt nur noch an einer Sehne, berichten Yvonne Berger und Hans-Jürgen Schwabe vom Naturschutzbund Hofgeismar (Nabu). Wo und wie der Unfall passiert ist, wissen die Naturschützer trotz intensiver Beobachtung nicht.

Storch Karl kann noch fliegen, aber nicht mehr gehen. Damit wird es für ihn ganz schwierig, Nahrung zu finden und Wasser zu trinken. Am Donnerstag beobachteten Anwohner des Horstes am Sielener Sportplatz, dass Karl in Richtung Diemel flog. Hans-Jürgen Schwabe vermutet, dass der Vogel dort trinken und Nahrung suchen wollte.

Das zweite große Problem: Der Storch kann sich im Horst nicht mehr hinsetzen und seine Partnerin Rosi beim Brüten ablösen. Rosi muss aber regelmäßig Nahrung suchen. In dieser Zeit kühlen die Eier aus. „Die Brut wird absterben“, befürchtet Nabu-Vorsitzender Schwabe.

Noch ist der Vogel mobil und fliegt. Gut genährte Störche können auch mal problemlos eine Woche ohne Nahrung auskommen. „Ihn jetzt zu fangen, würde den Vogel massiv stressen“, erklärt Schwabe. Dies hätte möglicherweise weitere Verletzungen des Tieres zur Folge.

Die Naturschützer erwarten nun, dass das verletzte Tier infolge von Nahrungs- und Wassermangel in den nächsten Tagen immer schwächer werden wird. Dann könnte es möglich werden, den geschwächten Vogel am Boden zu fangen. Schwabe schließt aber auch nicht aus, dass Karl sterben könnte.

Auch bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises beobachtet man den Fall. Behörde und Naturschutzbund stehen in engem Kontakt, sagte gestern Kreissprecher Harald Kühlborn.

Die Naturschutzbehörde sieht wegen der Verletzungsgefahr derzeit ebenfalls keine Möglichkeit, sich dem Tier zu nähern, um ihm zu helfen. Kreis und Nabu hätten bereits Kontakt zu Pflegestationen, die Karl aufnehmen könnten.

Vierte Brut in Sielen

Das Storchenpaar Rosi und Karl brütet jetzt im vierten Sommer im Trendelburger Stadtteil Sielen. 2015 und 2016 haben die beiden Vögel zusammen fünf Jungstörche großgezogen. Im vergangenen Jahr haben sie ihre Brut verloren, möglicherwiese war Nahrungsmangel die Ursache, berichtete Hans-Jürgen Schwabe. Da Störche eher mit dem Horstplatz verbunden sind als mit dem Partner, könnte möglicherweise Rosi im nächsten Jahr mit einem anderen Partner eine neue Storchenfamilie gründen. Zur Ursache der Verletzung des Storchenmännchens gibt es derzeit weder Hinweise noch Beobachtungen. Störche könnten sich bei Kämpfen mit Artgenossen verletzen, was öfters vorkommt, erklärte Hans-Jürgen Schwabe.

In Sielen beobachten und verfolgen Anwohner des Horstes das Schicksal Karls jetzt mit besonderer Aufmerksamkeit, sagte Schwabe. Sie hätten am Mittwoch beobachtet, wie Karl versuchte, seine Rosi beim Brüten abzulösen. Wegen seiner Verletzung konnte er sich jedoch nicht auf die Eier setzen.

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