DHL-Bote hat nicht geklingelt

Verpflegungspaket für Corona-Infizierten kam nur dank privater Hilfe an

Sie hatten ein Verpflegungspaket mit vielen Lebensmitteln gepackt: Daniela Hohmeyer-Hecker und ihr Sohn Emil wollten damit Lucas Hecker eine Freude machen.
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Sie hatten ein Verpflegungspaket mit vielen Lebensmitteln gepackt: Daniela Hohmeyer-Hecker und ihr Sohn Emil wollten damit Lucas Hecker eine Freude machen.

In Corona-Quarantäne darf die eigene Wohnung nicht verlassen werden. Das kann schnell zum Verhängnis werden: Wie dieser Fall zeigt. 

Trendelburg/Kassel - Es sollte eine Überraschung werden. So hatte sich das Daniela Hohmeyer-Hecker zumindest gedacht, als sie für ihren Sohn Lucas ein Carepaket zusammenstellte. Dass der Karton mit dem Proviant allerdings nicht den direkten Weg zum Adressaten finden würde, ahnte die Trendelburgerin nicht.

Lebensmittel-Paket für Corona-Quarantäne: Junger Mann positiv auf Corona getestet

„Mein Sohn ist Soldat und lebt in Kassel. Wegen der Corona-Pandemie wurde er nach Berlin abgeordnet, um dort beim Gesundheitsamt zu helfen“, erzählt Hohmeyer-Hecker. Vor seiner Rückreise nach Nordhessen wurde der 23-Jährige noch in der Hauptstadt auf das Virus getestet. „Als ich in Kassel war, erfuhr ich dann, dass der Test positiv ausgefallen war“, berichtet Lucas Hecker auf Nachfrage.

Die Konsequenz: zehn Tage häusliche Quarantäne. Somit war der Lebensmitteleinkauf für den jungen Mann erst einmal nicht möglich. Für die Mutter war klar, dass sie zumindest mit einem „Carepaket“ den Alltag in der Isolation etwas erleichtern wollte. Den Karton hatte sie schnell gepackt. „Kaffee, Nudeln, Kekse, Fertigküchlein – ich hab’ alles reingetan, was auf dem Postweg nach Kassel nicht schlecht werden kann“, sagt sie. Mit dem großen Paket ging es dann schließlich zur Postfiliale.

Corona-Quarantäne: Also wie an das Lebensmittel-Paket kommen?

Irgendwann wunderte sie sich jedoch, weshalb von Sohn Lucas keine Rückmeldung kam. „Ich hab die Sendungsverfolgung aufgerufen und da stand: ,Paket nicht zustellbar. Es wird in eine Filiale geliefert.’“, erzählt Hohmeyer-Hecker, die sich bei der Meldung fragte, wie das sein könne. Ihr Sohn sei doch wegen der Quarantäne zuhause.

„Ich habe an dem besagten Tag kein Klingeln gehört“, sagt Lucas Hecker. „Vielleicht hatte der Bote keine Lust, das sechs Kilo schwere Päckchen bis in den dritten Stock zu tragen“, fügt Daniela Hohmeyer-Hecker hinzu.

Den Benachrichtigungszettel, dass man ihn nicht angetroffen habe, hatte der DHL-Bote an die Haustür geklebt. Für den 23-jährigen Lucas Hecker stellte sich nun die Frage, wie er an den Zettel und an das Paket kommen sollte, ohne die Wohnung zu verlassen.

Mit Idee an Corona-Care-Paket: DHL hatte keinen Ansprechpartner

Die rettende Idee hatte schließlich seine Mutter: „Ich habe eine Tante in Kassel. Sie hat sich auf den Weg zu Lucas Wohnung gemacht, den Zettel genommen, sich von ihm eine Vollmacht ausstellen lassen und ist dann zur Postfiliale gelaufen.“ Dass ihre Tante ihnen diesen Freundschaftsdienst erwiesen hätte, rechnen ihr alle hoch an.

„Sie ist mit über 60 Jahren schließlich auch nicht mehr die Jüngste und das Carepaket war mit sechs Kilo Gewicht auch nicht gerade leicht“, sagt Hohmeyer-Hecker.

Natürlich habe sie auch auf der Internetseite der DHL geschaut, ob es einen Ansprechpartner für solche Situationen gebe. Sie sei allerdings nicht fündig geworden. Dass es so lange dauern würde, bis das Paket ankomme, das würde man auf dem Dorf, wie bei ihr in Sielen, so nicht kennen, beschreibt sie. „In Städten kommt es wohl häufiger vor.“ Diese Erfahrung hätte zumindest auch ihre Tante schon gemacht. (Nela Müler)

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