Hilfe im Mittelmeer

Trendelburger Flüchtlingsretter: "Kein Boot war intakt"

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Suche auf Sicht: Reinhard Schmitz patrouillierte mit seiner Crew vor der libyschen Küste, um Flüchtlinge in Not zu retten.

Trendelburg/Lampedusa. Der zweiwöchige Einsatz auf der MS Sea-Watch im Mittelmeer hat bei Reinhard Schmitz aus Trendelburg tiefe Spuren hinterlassen.

„Während der Rettungen spulten die Crew und ich einfach unser Programm ab und ließen Gefühle außen vor. Anders ging es auch gar nicht“, sagt Schmitz. „Als dann der Einsatz beendet war, bin ich innerlich regelrecht zusammengebrochen.“

Besonders schwer zu sehen war für Schmitz und die anderen ehrenamtlichen Aktivisten auf der MS Sea-Watch, welche Panik und Todesangst zum Teil auf den Flüchtlingsbooten herrschte. „Viele haben gar nicht realisiert, dass Rettung da ist.“ Manche Menschen seien schwer verletzt gewesen, hätten offene Brüche gehabt. „Die Schwierigkeit ist, erst einmal Vertrauen zu den Menschen in Seenot aufzubauen“, erklärt Schmitz. Dabei geholfen habe der Crew unter anderem eine Deutschlandfahne, die an einem Schnellboot befestigt war. Mit diesem Boot konnten die Retter näher an die Flüchtlinge heranfahren. „Wenn Flüchtlinge die Deutschlandfahne erkannten, fassten sie Vertrauen und riefen ‘Germany’ - das berührte schon sehr“, sagt Schmitz.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flüchtlingsboot in Lampedusa ankommt, sei gleich null. „Diese Boote sind billigste chinesische Produktion und auf keinen Fall für eine Fahrt auf dem Meer ausgelegt, sagt Schmitz. „Sie verlieren innerhalb kürzester Zeit Luft und die Außenborder gehen schnell kaputt. Wir haben kein einziges Flüchtlingsboot gesehen, dass noch intakt war.“ Zu den Problemen mit der Beschaffenheit der Boote kommt die Navigation. Die Menschen hätten zwar einen Kompass dabei, „aber ob der richtig anzeigt, weiß kein Mensch“, sagt Schmitz. Die Insel Lampedusa zu treffen, sei aussichtslos. „Die ist wie eine Nadel im Heuhaufen.“

Deshalb versucht die private Organisation Sea-Watch, die Flüchtlingsboote nahe der libyschen Küste zu finden und die Menschen darauf vor dem sicheren Ertrinken zu retten. „Mir geht es dabei nicht um die politische Arbeit“, erklärt Schmitz. „Mir geht es um eine humanitäre Angelegenheit.“

Etwa 120 Menschen befänden sich im Durchschnitt jeweils auf den Flüchtlingsbooten. „Einen Platz auf solch einem schwimmenden Sarg müssen sich die Menschen hart verdienen.“ Die Flüchtlinge bezahlen dafür etwa 1000 Dollar an einen Schlepper. „Es gehen oft zehn Boote auf einmal auf die Reise, das ist ein riesiges Geschäft.“ Jagd auf Schlepper könne die Organisation nicht machen, weil sie sich dann in libysche Hoheitsgewässer begeben müssten.

Schmitz will sich weiter für Sea-Watch einsetzen und im nächsten Jahr wieder bei Rettungseinsätzen mitmachen. „Bei meiner ganzen Lebenserfahrung und allem, was ich beruflich schon gemacht habe, fühle ich mich jetzt erst richtig angekommen.“

Trendelburger half bei Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

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