Juli auf dem Schiff verbracht

Mission auf dem Meer: Trendelburger prangert Flüchtlingskatastrophe an

Gerettet: Flüchtlinge, die Kapitän Reinhard Schmitz mit der Organisation Sea-Watch aus dem Mittelmeer holen konnte.

Trendelburg. Eine humanitäre Katastrophe ungeheuren Ausmaßes spielt sich zurzeit im Mittelmeer ab. Das prangert der Trendelburger Flüchtlingsretter Reinhard Schmitz (64) an.

Kaum beachtet von der Weltöffentlichkeit versuchen weiter Tausende Flüchtlinge übers Mittelmeer zu kommen, viele ertrinken.

Schmitz hat den kompletten Monat Juli auf einem Schiff verbracht und mit der Rettungsorganisation „Sea-Watch - Seenotrettung für Geflüchtete im Mittelmeer“ dabei geholfen, insgesamt 17 500 Flüchtlinge vorm Ertrinken zu retten. Sie waren in Schlauchbooten auf dem Weg von der libyschen Küste zur italienischen Insel Lampedusa. Schmitz war bereits zum dritten Mal als Kapitän auf Rettungsmission im Mittelmeer unterwegs.

„Mein Einsatz ist vor kurzem zu Ende gegangen. Ich bin noch völlig aufgewühlt von der von Europa ignorierten humanitären Katastrophe“, sagt Schmitz. Er kritisiert die „Ignoranz von Deutschland und Europa“. „Was ich inden libyschen Gewässern an Not und Verzweiflung erlebt habe, kann einen nur noch schreien lassen.“

Reinhard Schmitz war mit insgesamt 15 Leuten an Bord, darunter Mediziner, Schnellbootfahrer, ein Koch und der Einsatzleiter. Alle arbeiten ehrenamtlich. Die meisten hatten ihren Urlaub eingesetzt.

Sie alle sind während der Rettungsaktionen nicht nur mit einer Vielzahl von verängstigten und verletzten Menschen konfrontiert worden, sondern auch mit dem Tod. „Eine junge Frau ist in den Armen unserer Ärztin gestorben. Wir konnten nichts mehr für sie tun“, sagt Schmitz. Sein nächster Einsatz ist für November geplant.

In den Medien ist dagegen zurzeit vor allem ein Thema: Wenn der Flüchtlingspakt mit der Türkei scheitert, könnten sich erneut sehr viele Menschen auf den Weg Richtung EU machen, so die Befürchtung. Offenbar ist dies auf dem Seeweg bereits der Fall.

„Die Apokalypse ist noch steigerungsfähig“ schreibt Reinhard Schmitz aus Trendelburg in einer E-Mail an einen Freund während seines vierwöchigen Rettungseinsatz im Mittelmeer. Und weiter: „26 Schlauchboote und wir sind fast alleine. Es ist der Wahnsinn. Gerade kam die libysche Küstenwache auf uns zu und ein europäisches Kriegsschiff hat uns Schutz gegeben. Ein Militär-Hubschrauber steht über uns und bewacht, während wir Menschen aus den Booten zerren.“

Große Katastrophe Dieser Bericht aus dem Alltag auf dem Schiff MS Sea-Watch zeigt die große Katastrophe, die sich immer noch im Mittelmeer abspielt. Schmitz will helfen und hat sich im vergangenenJahr dafür entschieden, mit der Organisation „ Sea-Watch – Seenotrettung für Geflüchtete im Mittelmeer“ Menschen in Not vor dem Ertrinken zu retten. Seitdem ist er in unregelmäßigen Abständen unterwegs und patrouilliert mit weiteren ehrenamtlichen Helfern vor der libyschen Küste. Wenn die Crew auf ein Flüchtlingsboot trifft, gibt sie Rettungswesten und Trinkwasser aus und behandelt Verletzte. Deshalb sind auch immer Ärzte bei den Einsätzen dabei.

Wenn ein Boot zu kentern droht, kommen Flüchtlinge auch mit an Bord der Sea-Watch. Grundsätzlich werden aber andere Hilfsorganisationen kontaktiert, die sich mit größeren Schiffen in der Nähe befinden. Diese holen die Menschen in Not ab. „Als Ersthelfer haben wir leider keinen Einfluss und vorab auch keine Kenntnis darüber, wohin die Geretteten gebracht und wie sie dann weiter versorgt werden“, heißt es auf der Internetseite von Sea-Watch.

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