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Trotz Energiekrise wollen Kritiker keine Windkraft im Reinhardswald

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Von: Tanja Temme

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Mann hält Schild ins Bild. Daneben sein Hund
Wälder nicht für Strom opfern: Gerd Rohmann aus Gieselwerder mit Hund Aida. © Tanja Temme

Im Rahmen der Protestaktion gegen Windkraft im Reinhardswald haben wir Teilnehmer gefragt, inwieweit sich ihre Einstellung durch die aktuellen Entwicklungen verändert haben.

Gottsbüren – Im Zuge des Ukraine-Konfliktes schnellen die Energiepreise in die Höhe. Nicht wenige fordern inzwischen sogar einen Importstopp von Öl und Gas aus Russland. Bei der Protestaktion gegen Windkraft im Reinhardswald kamen wir mit einigen Teilnehmern ins Gespräch, fragten nach, ob die aktuelle Entwicklung einen Einfluss auf ihre Haltung nehmen könnte.

Siemon Wiegel aus Gottsbüren
Siemon Wiegel aus Gottsbüren © Tanja Temme

Eher bestätigt in seiner Einstellung fühlt sich Siemon Wiegel, ist er doch der Meinung, dass „Wald wichtiger als Strom ist“. „Deshalb müssen wir Waldgebiete schützen und unseren Verbrauch anpassen, also massiv sparen“, erklärt der Gottsbürer. Ein weiter so wie bisher nur mit Wind anstatt Kohle, Öl und Atom halte er für nicht naturverträglich. „Bis vor 150 Jahren sind Menschen ohne Strom ausgekommen, es ist ein Luxusgut“, gibt er zu bedenken. Im Allgemeinen ist der ehemalige Greenpeace-Aktivist nicht gegen Windkraft, möchte sie allerdings nur in ausgesuchten Bereichen aufgestellt sehen. Gerade mal 400 Kilowattstunden verbraucht der 35-Jährige an Strom in seinem Haus, wo er mit Frau und Baby lebt.

Gerd Rohmanns Haltung zur Energieversorgung hat der aktuelle Krieg kaum beeinflusst: Wälder für Stromgewinnung zu opfern, kommt für ihn nach wie vor nicht in Frage – in Bereichen, wo die Natur sowieso schon zerstört sei, wäre das etwas anderes: „Beispielsweise entlang der Autobahnen könnte man Windräder aufbauen“. Außerdem ist der Wesertaler ein großer Befürworter von Energiegewinnung durch Wasserkraft: „Allein bei uns an der Weser fließen jede Minute 2000 Tonnen durch, was einem Güterzug entspricht.“ In diesem Zusammenhang äußerte er sich auch zum Klimawandel: „Der Mensch hat zwar Einfluss darauf, aber nur einen geringen – Wärme- und Eiszeiten hat es schon immer gegeben.“

Cengiz Mutlu aus Bad Karlshafen
Cengiz Mutlu aus Bad Karlshafen © Tanja Temme

„Ich bin grundsätzlich gegen Windkraft – und zwar nicht nur in unseren Wäldern“, sagt Cengiz Mutlu. Vielen sei gar nicht bewusst, wie zerstörerisch diese Industrieanlagen seien, ergänzt der Karlshäfer. Gehe es nach dem 29-Jährigen, würden topmoderne Kohlekraftanlagen gebaut. „Denn Kohle ist nichts anderes als versteinerte Bäume, diese Kohle setzt nach der Verbrennung CO2 frei, das wiederum die Bäume brauchen und dafür Sauerstoff produzieren.“ Die Lösung wäre also einfach: „Bäume pflanzen und gute Kohlekraftwerke bauen.“ Gas- und Öllieferungen aus Russland künftig abstellen wollen, begrüßt er zudem nicht: „Wenn wir auf LNG, also Flüssiggas aus den USA umsteigen, werden die Preise explodieren – zudem gibt es davon nicht ausreichend.“ Im Weiteren berichtet er von einer recht aktuellen Auswirkung auf Windanlagen des Krieges wegen: Wegen der Störung eines Sattelitennetzwerkes habe man 5800 der Anlagen nicht steuern können, was zeige, wie instabil diese Energieform sei.

Albert Kauffeld aus Reinhardshagen
Albert Kauffeld aus Reinhardshagen © Tanja Temme

Windkraft im Wald kommt für Albert Kauffeld aus Reinhardshagen jetzt nicht in Frage. „An Industriestandorten etwa könnten Windräder stehen, aber Wald dafür opfern, geht nicht.“ Grundsätzlich befürwortet der stellvertretende Vorsitzender der FWG im Kreistag die Energiewende, meint aber, dass man dafür einen „vernünftigen Zeitraum braucht, dieses nicht übers Knie brechen kann“. Dass Deutschland sich bei der Energieversorgung stark von Russland abhängig gemacht hat, bewertet er als Fehler. (Tanja Temme)

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