1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Trendelburg

„Verbleib von Trendelburg in der EGR ist sinnvoll“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Gerd Henke

Kommentare

Das Bild zeigt eine Windkraftanlage im Wald.
Windkraftanlage am Mittelberg zwischen Trendelburg und Bühne Manrode an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. © Thomas Thiele

Trendelburg ist die Stadt, die vom Bau des ersten Windparks im Reinhardswald am meisten betroffen wäre. Insbesondere Gottsbüren grenzt an die geplanten Anlagen auf dem Langenberg.

Trendelburg – In der Stadt gibt es zahlreiche Gegner des Projekts, an dem die Energiegenossenschaft EGR beteiligt ist. In der Stadtverordnetenversammlung bezieht die FWG-Fraktion Stellung dagegen. SPD und CDU sind seit Anbeginn dafür. Die Haltung von Bürgermeister Martin Lange hat sich im Laufe seiner Amtszeit gewandelt.

Sie haben schon als Bürgermeisterkandidat die Pläne für Windkraft im Reinhardswald kritisch gesehen. Hat sich an dieser Position etwas geändert?

Martin Lange: Die Errichtung von Windkraftanlagen in zusammenhängenden, intakten Waldgebieten sehe ich nach wie vor kritisch. Besonders Standorte wie der Reinhardswald sollten nur dann genutzt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten wirklich ausgeschöpft sind. Einige der Bedenken, die ich vor fünf Jahren noch hatte, wie beispielsweise eine Gefährdung unseres Trinkwassers, sind inzwischen aber ausgeräumt.

Mittlerweile treten Sie für den Verbleib der Stadt Trendelburg in der Energiegenossenschaft Reinhardswald ein. Warum?

Ein Austritt aus der Genossenschaft hat jetzt keinen Einfluss mehr darauf, ob die Anlagen gebaut werden oder nicht. Es ist aus meiner Sicht kein Widerspruch, sich zunächst aktiv gegen einen Windpark auszusprechen, ab einem bestimmten Punkt aber – zum Beispiel nach der Genehmigung – dann wenigstens im Sinne unserer Stadt und ihren Bürgerinnen und Bürger das wirtschaftlich Sinnvollste zu tun. Und das ist aus meiner Sicht eben der Verbleib in der EGR.

Trendelburgs Bürgermeister Martin Lange.
Trendelburgs Bürgermeister Martin Lange spricht sich für einen Verbleib in der EGR aus. © Nela Müller

Sind die Wirtschaftlichkeitsberechnungen für den Windpark so belastbar, dass für die finanzielle Beteiligung Trendelburgs jegliches Risiko ausgeschlossen werden kann?

Aus einer sehr kritischen Haltung heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die vorhandenen Risiken in einem gut vertretbaren Verhältnis zu den Chancen für Trendelburg stehen. Im schlechtesten denkbaren Fall wird die Stadt Trendelburg tatsächlich eine Menge Geld verlieren. Im Verhältnis zu den bestehenden Schulden handelt es sich jedoch nicht um existenzbedrohende Dimensionen. Demgegenüber stehen aber mögliche Einnahmen, die wahrscheinlich über zwei Jahrzehnte einen erheblichen Beitrag zum Erhalt unserer Dörfer leisten könnten.

Die Berechnungen wurden durch ein von mir selbst vorgeschlagenes, unabhängiges Wirtschaftsprüfungsbüro angestellt, das aus wirtschaftlichen Gründen eine Beteiligung an dem Projekt empfiehlt. Ich halte das Unternehmen für kompetent und in der Lage, den Sachverhalt gut zu beurteilen. Letztlich verbleibt aber immer ein Restrisiko, da selbst die beste Prognose eben nur auf Rechenmodellen und Annahmen basiert.

Die zahlreichen Kritiker von Windkraft im Wald haben die Hoffnung, dass das Reinhardswald-Projekt noch gestoppt werden kann. Teilen Sie diese Hoffnung?

Die Frage, ob und wie viele Windkraftanlagen im Reinhardswald entstehen werden, wird nun letztendlich von den Gerichten entschieden. Es ist aber ein klares Signal der Behörde, dass alle beantragten 18 Anlagen genehmigt worden sind – ein Rückschlag für alle, die sich in den vergangenen Jahren für einen Reinhardswald ohne Windräder engagiert haben. Durch den Krieg in der Ukraine ist deutlich geworden, dass Deutschland nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch aus Gründen der Unabhängigkeit von ausländischen Energielieferungen bei der Energiewende Tempo zulegen muss. Wir müssen uns also jetzt damit auseinandersetzen, dass eine nennenswerte Anzahl an Windkraftanlagen entstehen wird. (Gerd Henke)

Auch interessant

Kommentare