Gefährdete Tierart

Verstecke für die Natter: Kalksteinhaufen im Naturschutzgebiet Deisel sollen helfen

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Gut getarnt: Diese seltene, ausgewachsene Schlingnatter liegt auf von der Sonne aufgewärmten Steinen. Sie ist scheu und ungefährlich.

Trendelburg. Im Naturschutzgebiet bei Deisel läuft seit dem 22. November ein Schutzprojekt für Schlingnattern. Federführend ist die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen. (AGAR).

13 große Kalksteinhaufen sind auf dem Gelände des aufgelassenen Steinbruchs gegenüber dem Deiseler Burgberg im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Kassel (RP) gezielt platziert worden.

Die nach der Roten Liste gefährdete Tierart Schlingnatter kommt am Deiseler Burgberg noch vor. Das sind beste Voraussetzungen dafür, um ihre Ausbreitung in diesem Lebensraum zu fördern. Die Steinhaufen speichern Wärme und bieten gleichzeitig Unterschlupfmöglichkeiten. Ihre bevorzugten Beutetiere, die Zauneidechsen und Blindschleichen, mögen ebenso Steinspalten. Die Erfahrung zeigte, dass die Besiedelung nur erfolgt, wenn Buschwerk an die aufgeschütteten Steine grenzt

Yvonne und Burghardt Berger aus Langenthal betreuen das Schutzgebiet. In ihrer Freizeit verbinden sie den Hundespaziergang mit der Aufgabe, das Gebiet im Sinne des Naturschutzes im Auge zu behalten. So wird das Ausmaß der Orchideenblüte von Jahr zu Jahr verglichen. Sie kontrollieren aber auch, ob es illegale Ablagerungen gibt. Reinhard Rust vom RP Kassel wünscht sich solches Engagement.

Jeder Interessierte könne sich bei den Naturschutzverbänden einbringen, betont er. Wichtig ist ihm die Akzeptanz der Bürger für den Naturschutz. So seien Beobachtungen seltener Tierarten, die von Frewilligen kartiert werden, von grundlegender Bedeutung. Darauf basierten Erkenntnisse, die Projekte wie das in Deisel ermöglichen. Diese flössen als Grundlage in den Bewirtschaftungsplan für die Schlingnatter und Zauneidechse ein, sagt Detlef Schmidt (53, Fritzlar), der Mitautor ist.

Hintergrund

Naturschutz für die Schlingnatter: Die scheue ungiftige aber wehrhafte Schlange kann bis 80 cm lang werden. Sie beißt, umschlingt und verschlingen ihre Opfer. Ihre Pupillen sind rund. Die Jungen werden lebend geboren. Wegen ihrer Rückenzeichnung wird sie mit der Kreuzotter verwechselt. Diese kommt weit weg am Meißner vor. Gefahren drohen durch Greifvögel, Füchse und Marder. Ihr Lebensraum ist durch den Menschen stark eingeschränkt, so dass Naturschutzmaßnahmen erforderlich sind. Die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen beabsichtigt weitere Steinhaufen für die Schlingnatter in der Region anzulegen.

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