Orgel- und Klaviermusik

In Gottsbüren und Bad Karlshafen gab es warme Klänge auf die Ohren

Peer Schlechta: Der Orgel- und Glockensachverständige erforscht die Geschichte und die Instrumente der Orgelbauerdynastie Kohlen/Herren/Kuhlmann/Euler aus Gottsbüren und Hofgeismar. Regelmäßig spielt er unter anderem in der Wallfahrtskirche.
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Peer Schlechta: Der Orgel- und Glockensachverständige erforscht die Geschichte und die Instrumente der Orgelbauerdynastie Kohlen/Herren/Kuhlmann/Euler aus Gottsbüren und Hofgeismar. Regelmäßig spielt er unter anderem in der Wallfahrtskirche.

Zu Jahresbeginn konnten Fans von klassischer Musik zwei Vorstellungen besuchen. In Gottsbüren wurde Orgelmusik präsentiert. In Bad Karlshafen gab es ein Klavierkonzert.

Gottsbüren/Bad Karlshafen – Musikalische Erlebnisse konnten sich Besucher am Wochenende unter Corona-Auflagen in Gottsbüren und Bad Karlshafen abholen. Die Orgelkonzerte in der Wallfahrtskirche Gottsbüren haben eine lange Tradition. Mit dem 167. Konzert lud Organist Peer Schlechta zum Neujahrskonzert. Das Kulturjahr in Bad Karlshafen startete mit russischer Klaviermusik.

Kultur scheint also auch in diesen anstrengenden Zeiten möglich zu sein.

Gottsbüren: Per Schlechta mit Orgelmusik

Gerade einmal eine Woche alt ist das neue Jahr und schon scheint es wieder zum Alltag geworden zu sein. Das Neujahrskonzert in Gottsbüren bot eine willkommene Gelegenheit, noch einmal innezuhalten, sich zu besinnen und Kräfte zu sammeln für das, was die kommenden 358 Tage bringen mögen.

Die rund 35 Gäste des Konzertes waren der Einladung in die Wallfahrtskirche daher nur zu gerne gefolgt. In die Musik vertieft, oft mit geschlossenen Augen lauschend, genossen sie den Musikgenuss, den Peer Schlechta auf der Heeren-Euler-Orgel schuf.

Auf dem Programm standen mit Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) und Léon Boëllmann (1862 - 1897) zwei bekannte Komponisten. Das wohl bekannteste Werk Bachs, die Toccata con Fuga in d, BWV 565, bildete den imposanten Auftakt des Konzertes, aber auch die besinnlichere Aria aus der Orchestersuite in D passte in das vielseitige Repertoire.

Obwohl Leon Boëllmann 200 Jahre nach Bach lebte, knüpfte seine Suite Gothiquie, op 25, problemlos an die Werke des Barockmusikers an, ergänzte sie stimmig. Seine Toccata bot den fulminanten Abschluss des Orgelfeuerwerks.

In der Einladung zum Konzert wurde wegen der begrenzten Heizmöglichkeiten warme Kleidung empfohlen. Auch wenn sich die rund 35 Gäste mit warmer Kleidung, Decken und sogar Wärmflaschen auf die etwas kühlere Kirche eingestellt hatte, wurden vom Veranstalter bereitgestellter heißer Punsch und Glühwein dankend angenommen.

Aufgrund der großen Wallfahrtskirche war es kein Problem, den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten. Besucher wie Veranstalter waren vielmehr dankbar, dass man das Konzert überhaupt genießen durfte.

Bad Karlshafen: E-Hyun Hüttermann am Klavier

Mit 40 Gästen war der Landgrafensaal in Bad Karlshafen unter den aktuellen Bedingungen voll belegt. „So eine große Besucherzahl ist für uns schon fast ungewohnt“, zeigte sich Musikschulleiter Markus Löschner erfreut und wagte einen Blick auf die kommenden Monate: „Wir werden auch in Zukunft versuchen, weiterzuspielen, aber es muss immer mit den Künstlern abgestimmt werden. Bitte informieren Sie sich aktuell.“

Die Pianistin E-Hyun Hüttermann hatte zu der Matinee bekannte Werke der russischen Komponisten Tschaikowsky und Mussorgsky mitgebracht. „Die vier Jahreszeiten von Tschaikowsky bestehen eigentlich aus zwölf Stücken, den zwölf Monaten entsprechend“, erklärte die aus Südkorea stammende Künstlerin, „ich werde vier davon spielen.“

Mit der von ihr in Bad Karlshafen gewohnten Brillanz und Leichtigkeit spielte sie die Stücke, die Tschaikowsky als Auftragsarbeit für einen Musikverleger geschrieben hatte.

Sehr gut besucht: Der historische Landgrafensaal war zum Neujahrskonzert unter den gegebenen Bedingungen voll besetzt.

Obwohl „Die Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky nahezu zeitgleich mit den „Vier Jahreszeiten“ entstanden sind, wirken sie deutlich moderner, so die Düsseldorfer Pianistin. Musikalisch gibt Mussorgsky darin seinen Eindruck von den Gemälden und Zeichnungen wieder, die von seinem Freund Viktor Hartmann erstellt worden waren.

Reich an Klangfarben, gewaltig, aber auch mit leisen Tönen versehen, führte E-Hyun Hüttermann durch die Ausstellung und veranschaulichte, wie unterschiedlich das Werk der von ihr vorgestellten Komponisten ist.

Als Zugabe hatte sie noch eine leichtere Melodie gewählt und lud das Publikum zum Tanzen ein: „Weil in den Vier Jahreszeiten der Frühling nicht dabei war, spiele ich noch den Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauß“. Obwohl leider niemand der Einladung folgte, zeigten sich die Gäste von ihrer musikalischen Darbietung begeistert.

„Das war ein toller Auftakt für ein neues Konzertjahr“, fasste es Markus Löschner zusammen.“ Die Resonanz und die große Zuschauerzahl hätten gezeigt, dass sich die Menschen nach Kulturveranstaltungen sehnen und diese auch gerne mit Maske und Abstand wahrnehmen würden. (Gitta Hoffmann)

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