Gottsbüren: Werben für das Landleben

Im Gespräch bei einer Tasse Tee: Unter der Linde am Meckes Platz diskutierte Ton Matton (rechts) am Dienstagnachmittag sein Projekt mit Gottsbürener Bürgern. Foto:  Henke

Gottsbüren. Forscher der Kunstuniversität Linz wollen in Gottsbüren auf die positiven Seiten des Dorf- und Landlebens aufmerksam machen und dies in Beziehung zum Stadtleben setzen.

Weltweit leben mittlerweile mehr Menschen in den Städten als auf dem Land. Was treibt sie aus den Dörfern? Was könnte sie festhalten? Solchen Fragen geht Ton Matton, niederländischer Professor für Raum und Designstrategien an der Kunsthochschule im österreichischen Linz, nach.

Im Trendelburger Stadtteil Gottsbüren hat er Anfang März das Projekt „The Production of Wellbeing“ (das Schaffen von Wohlbefinden) gestartet. Zusammen mit seinen Studenten will Matton sich auf die Suche nach einem besseren, glücklicheren Leben auf dem Lande begeben. Doch bei seinem Arbeitsbesuch in Gottsbüren am Dienstag und einer kleinen Diskussionsrunde mit Bürgern unter der Linde am Meckes Platz machten ihm mehrere Gesprächsteilnehmer klar, dass sie so unglücklich, wie von einigen vermutet, im Dorfe offenbar nicht leben und das Wohnen auf dem Lande dem in der Stadt vorziehen. Doch Matton sieht auf der anderen Seite den Leerstand von Wohngebäuden, registriert den Verlust von Infrastruktur und die Notwendigkeit, dass die Menschen zum Arbeiten auspendeln müssen.

Anders als bei einigen Zugezogenen sieht Matton bei den Älteren die Sorge um die Zukunft des Dorfes. „Es gibt schon einige Probleme, die zu lösen sind“, stellt der Professor fest. „An der Uni dürfen wir Probleme denken“, sagt Matton. Das unterscheide die Forscher von Politikern, die stets Lösungen anbieten müssten. Die Kunst könne indes helfen, Situationen aus „unerwarteten Perspektiven zu betrachten und dabei neue Ideen zu kreieren“.

Solche Prozesse sollen ab 22. Juni in Gottsbüren vor Ort vorangetrieben werden. Dann kommen 30 Studenten aus Linz und wollen mit den Dorfbewohnern leer stehende Häuser „bespielen“ und am 26. Juni eine Ausstellung eröffnen.

Die Hochschul-Gruppe wird vier Wochen in Gottsbüren bleiben. In dieser Zeit sollen auch in der Großstadt Kassel Menschen mit unterschiedlichen Aktionen neugierig auf das Landleben gemacht werden. „Dorf - Stadt - Zukunft“ überschreibt Matton sein Projekt.

Die Ergebnisse von Wellbeing sollen dann in einer großen Abschlussveranstaltung am Sonntag, 19. Juli, der gesamten Region präsentiert werden. Eine Woche davor kommt eine Musikerin, um zusammen mit den Musikern des Ortes ein Lied für Gottsbüren zu komponieren. Dieses soll ebenfalls am 19. Juli präsentiert werden.

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