Wettbewerb: Trendelburger haben 99 Stunden Zeit für 99-Sekundenfilm

Trendelburg/Kassel. 99 Stunden Zeit für einen 99-sekündigen Kurzfilm haben Nils Schäfer aus Trendelburg, Robin Trachternach, Jens Ledderhose und Tobias Eßer.

Sie sind beim siebten 99-Fire-Films-Award in Berlin mit dabei. Die vier Jungs stehen auf dem Friedrichsplatz mitten in der Innenstadt von Kassel; packen Kamera, Stativ und Mikrofon aus und legen los.

Das Motto 2015 lautet: „Was ich schon immer tun wollte“. 99 Stunden vor Abgabe des Films wurde das Thema bekannt gegeben. Die Jungs sind erstmals mit dabei. Eigentlich wollten sie schon im vergangenen Jahr mitmachen, doch das klappte aus organisatorischen Gründen nicht. Die Film-Ausrüstung liehen sie sich von einem Kollegen aus.

Aktualisiert um 18.20 Uhr

Robin Trachternach ist gelernter Mediendesigner, was die Arbeit des Teams erleichtert. Alle sind Hobbyfilmer, fühlen sich aber dem anspruchsvollen Film verbunden. Mit ihrem Beitrag möchten sie nicht an der Oberfläche kratzen, sondern eine Botschaft übermitteln. „Der Film soll tiefgründig sein und eine Aussage haben“, sagt Schäfer. Die Zusammenarbeit funktionierte auf Anhieb. Sie hatten viele kreative Ideen. „Schwierig ist, alles in 99 Sekunden umzusetzen und das Wort „Hashtag“ einzubauen, was Vorgabe des Wettbewerbs ist“, erläutert Schäfer. Letztlich einigten sich alle auf folgendes Konzept: Ein Obdachloser, der nichts hat, außer dem, was er am Leib trägt und der Gitarre, mit der er auf der Straße musiziert. Auf der einen Seite finden sich die hellen Lichter der Stadt vor großer Kulisse, schönen Gebäuden, wie dem Fridericianum. Auf der anderen Seite befindet sich der Obdachlose, der kein Dach über dem Kopf hat und am Straßenrand die Ausgrenzung der Gesellschaft zu spüren bekommt. Tobias Eßer stellt den Obdachlosen dar.

So ist es auch ein Appell an die Toleranz der Gesellschaft. Der Obdachlose streift durch die Stadt. Im Film legt er sich irgendwann hin, schläft ein und träumt davon, wie er seinen Weg zurück ins Leben findet und eine Familie hat. Dort fühlt er sich sicher und geborgen. Als er aufwacht, passiert ein persönliches Wunder. Sein zweites Ich sitzt neben ihm und sagt: „Du musst was an deinem Leben ändern.“ Das ist der erste Schritt in ein neues Leben, in das, was er sich erträumte. Nun hofft die junge Filmcrew, dass auch ihr Traum wahr wird und sie nach Berlin zum 99-Fire-Films-Award eingeladen werden. Während der Dreharbeiten kamen Leute auch auf sie zu, erzählt Nils Schäfer. Sie interessierten sich für ihr Projekt und stellten Fragen. „Das freut uns natürlich sehr“, sagt auch Robin Trachternach. Nach den Dreharbeiten setzten sie sich hin, wählten Filmsequenzen aus und machten den Filmschnitt fertig. Die Macher der 99 besten Einsendungen fahren nach Berlin. Das wird sich Anfang nächster Woche entscheiden. „Ich denke, es ist ein sehr gutes Video geworden“, sagt Nils Schäfer nach Einsendeschluss. „Jetzt heißt es abwarten.“

Von Marie-Therese Gewert

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