Windkraft im Wald: „RP schützt die Störche nicht“

Wiederholt sind in den vergangenen Wochen Schwarzstörche in den Diemelwiesen bei Wülmersen beochtet worden. Die Obere Naturschutzbehörde ignoriere dieses vorkommen, sagt Karl-Heinz Dworak, der dieses Foto geschossen hat. Foto: Dworak/nh

Trendelburg/Kassel. Die Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald erhebt Vorwürfe gegen die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. 

Bei der Genehmigung von Windkraftanlagen im Reinhardswald lasse die Behörde das Vorkommen des Schwarzstorchs außer Acht.

Das Vorkommen des streng geschützten Schwarzstorches im Reinhardswald ist den vergangenen Monaten mehrfach nachgewiesen worden. Das berichtet die Bürgerinitiative Oberweser-Bramweld. Die beiden Kartierer der BI, Karl-Heinz Dworak und Jürgen Bunk, hätten Schwarzstörche wiederholt in den Diemelwiesen bei Wülmersen beobachtet.

Diese Sichtungen seien mit entsprechenden Fotobelegen wiederholt der Oberen Naturschutzbehörde (ONB) beim Regierungspräsidium in Kassel gemeldet worden, teilt die Bürgerinititative mit. Dabei sei auf die hohe Relevanz für laufende Genehmigungsverfahren geplanter Windkraftanlagen im näheren Umfeld hingewiesen worden. Das gelte insbesondere für die Errichtung des Windparks Wotan zwischen Bad Karlshafen und Trendelburg.

„Leider wurden alle entsprechenden Hinweise von der ONB ignoriert“, erklärt Karl-Heinz Dworak. In den von den Antragstellern vorgelegten artenschutzrechtlichen Unterlagen sei auf die Untersuchung von Schwarzstorchvorkommen sogar vollständig verzichtet worden. „Aus unserer Sicht ein massiver fachlicher Mangel. Bei den der Oberen Naturschutzbehörde vorliegenden Nachweisen von Schwarzstörchen im unmittelbaren Umfeld der geplanten Windkraftanlagen, hätte die Behörde entsprechend reagieren müssen“, kommentiert Jürgen Bunk das Verhalten der Behörde.

Gemeinsam mit Weißstörchen

In der vergangenen Woche sei es Dworak und Bunk zudem gelungen, den Nachweis für eine erfolgreiche Brut zu dokumentieren. Wiederholt hätten sie zwei Jungstörche in den Diemelwiesen, gemeinsam mit zwei Altvögeln beobachten können. Dort hätten sie sich gemeinsam mit den flügge gewordenen jungen Weißstörchen aus dem Deiseler Horst am reich gedeckten Tisch der Wasserflächen in den Senken der Diemelwiesen gestärkt.

Die erfolgreiche Brut des Schwarzstorchpaares, dessen Horst in näherer Umgebung des Nahrungshabitates sein müsse, sei ebenfalls unverzüglich der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel gemeldet worden.

Raum für Spekulationen

Wenn die Obere Naturschutzbehörde, die explizit für den Schutz der Natur verantwortlich ist, keine Untersuchung der Schwarzstorchvorkommen im Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen von den Antragstellern einfordere, lasse dies Raum für Spekulationen, heißt es in der Pressemitteilung der BI.

„Wir sehen hierin vor allem eine Missachtung des Bundesnaturschutzgesetzes sowie derzeit geltender Rechtssprechungen von Oberverwaltungsgerichten. Und dies durch eine Behörde“, erklärt Gabriele Niehaus-Uebel, Vorsitzende der BI.

Es werde somit Aufgabe von Bürgern bleiben, die Vorkommen seltener Vogelarten gerichtsfest zu dokumentieren und sich für deren Schutz einzusetzen, auch wenn hierfür eigentlich die Obere Naturschutzbehörde zuständig wäre. „Wir werden alles tun, um den Lebensraum des in den Reinhardswald zurückgekehrten Schwarzstorch zu schützen“, so Niehaus-Uebel.

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