300 Zuhörer kamen zu Veranstaltung der Freien Wähler

Windkraftdebatte in Trendelburg: Die Gegner blieben unter sich

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Das erste Windrad am Deiselberg ist in Betrieb, weitere werden gebaut.

Trendelburg. Das Interesse an Windkraft ist groß in Trendelburg. Wer sich von einer Informationsveranstaltung der Freien Wähler aber eine ausgewogene Darstellung erhofft hatte, der wurde enttäuscht.

„Das war aufschlussreich, aber einseitig“, war eines der ersten Zuschauerstatements nach den beiden Vorträgen in der Trendelburger Kulturhalle. Die Freie Wahlgemeinschaft Trendelburg hatte am Freitag zu einer Informationsveranstaltung über Windkraft im Reinhardswald eingeladen und zählte 300 Gäste, denen dieses Thema wichtig ist.

Die Vorträge von Dr. Nikolai Ziegler und Dr. Detlef Ahlborn, die sich teilweise überschnitten, kamen zu dem Fazit, dass Wind- und Solarenergie wenig zum Strombedarf beitragen, durch ihre starken Schwankungen die Netzstabilität gefährden, die Umwelt durch ihren Flächenverbrauch belasten und auch nicht vor Atomstrahlung schützen, da unsere Nachbarn weiter Kernkraftwerke betreiben.

Von der Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR), dem Zusammenschluss von derzeit sieben Kommunen, die die Windkraft selbst entwickeln wollen, riet Ahlborn wie bereits vor zwei Jahren in Gottsbüren ab: Sie werde tiefrote Zahlen schreiben. Insgesamt mischten die Vorträge wissenschaftliche Argumentationen mit politisch-ideologischer Polemik und klaren Feindbildern der Redner aus den Reihen der Bundesinitiative Vernunftkraft.

Volles Haus: 300 Interessierte verfolgten die Veranstaltung der Freien Wähler in der Trendelburger Kulturhalle.

Auch in der anschließenden Podiumsrunde gab es neben den Positionen der FWG und etwas Bundestagswahlkampf des FDP-Kandidaten Jochen Rube wenig Greifbares. Zu Fragen nach dem richtigen Weg in der Energieversorgung ergriffen Ziegler und Ahlborn nicht das Wort. Siegfried Pflum, Stadtplaner der Stadt Hann. Münden, sieht Chancen in der Energieeinsparung und einer dezentralen Versorgung.

Fragen nur gestreift

Die zentralen Fragen für die Menschen vor Ort, mit denen sich auch die Kommunalpolitiker derzeit in den Stadtparlamenten auseinandersetzen müssen, wurden nur am Rande gestreift: Welche Auswirkungen haben Windenergieanlagen auf den Reinhardswald? Wie könnte man sie noch verhindern? Und wie stellen sich die finanziellen Chancen und Risiken der Energiegenossenschaft Reinhardswald derzeit dar?

Um sich diesen Fragen sachlich und von verschiedenen Seiten zu nähern, hätte es aber eines anderen Podiums bedurft – etwa mit Vertretern der Kommunalpolitik, der EGR und der Bürgerinitiativen vor Ort. „Wir hätten gerne Vertreter der anderen Fraktionen, der EGR und die Bürgermeister hier gehabt. Eingeladen waren sie, leider haben alle abgesagt“, erklärte Gerhard Niemeyer, Fraktionschef der FWG Trendelburg.

Einseitiges Podium

Der Trendelburger Bürgermeister und EGR-Vorstand Kai-Georg Bachmann begründete seine Absage mit der Unausgewogenheit der Veranstaltung: „Hier sollte einseitig den Positionen von Energiewendekritikern und Windkraftgegnern eine Plattform gegeben werden. Dafür stehe ich als neutraler Vertreter der Stadt nicht zur Verfügung.“ Derzeit, so Bachmann, würden Veranstaltungen der EGR vorbereitet, zu denen auch Bürgerinitiativen und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eingeladen seien. „Es geht uns nicht darum, Kritiker nicht zu Wort kommen zu lassen.“ (zlö)

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