Windparks im Reinhardswald: Trendelburg macht auch mit

Trendelburg. Es war eine lange und intensiv geführte Debatte mit emotionalen Momenten. Aber am Ende stand das erwartbare Ergebnis: Die Trendelburger Stadtverordneten stimmten mehrheitlich der Gründung einer Projektgesellschaft zur Entwicklung von zwei Windparks im Reinhardswald zu.

Bürgermeister Kai Georg Bachmann sagte, „wir wollen nun über die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) Einfluss nehmen und mitbestimmen“. Das Land Hessen habe den Auftrag an den Landesbetrieb Hessen Forst gegeben, die windhöffigen Flächen im Reinhardswald zu nutzen. „Wir können stolz darauf sein, dass wir diese Flächen in der Region halten“, so Bachmann.

Die EGR, an der die Stadt beteiligt ist, hat im Januar den Zuschlag für die Flächen Langenberg/Hahneberg und Farrenplatz erhalten.

Ganz anders sieht dies die FWG-Fraktion. Vorsitzender Gerhard Niemeyer zitierte Reinhold Messner: Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was ich eigentlich durch sie bewahren will: die Natur“. Niemeyer warnte davor, „unseren Wald einem System zu opfern, das von Fachgremien als riesige Baustelle bezeichnet wird“. Er warb dafür, dem Wald noch etwas mehr Zeit zu geben. Das Geld der Bürger könne bei der derzeitig unsicheren Datenlage nicht guten Gewissens ausgegeben werden.

Niemeyers Fraktionskollege Klaus-Rüdiger Herrmann sagte, mit Bereitstellung von 110 000 Euro, „investieren wir Geld, das wir nicht haben“. Damit handele die Stadt nicht im Auftrag ihrer Bürger. Die ablehnenden Stellungnahmen des Parlaments gegen den Teilregionalplan Energie „waren das Produkt der ablehnenden Haltung unserer Bürger.“

An den Bürgermeister gerichtet fragte Bettina Bönning, „was hat die Stadt eigentlich getan, um Windkraft im Wald zu verhindern?“ Sie hätte sich gewünscht, dass alle in der EGR versammelten Bürgermeister eindeutig Stellung gegen Windkraft im Reinhardswald bezogen hätten.

Diana Hartgen, Fraktionsvorsitzende der SPD, hielt dagegen. Es sei gut, dass die EGR den Zuschlag für Langenberg und Farrenplatz erhalten habe, andernfalls hätte sie jeder andere Investor bekommen können. Dann bliebe die Wertschöpfung nicht in der Region. Um von Atom und Kohle wegzukommen, seien Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig.

Die CDU schloss sich der SPD an. In von der FWG beantragten namentlicher Abstimmung votierten beide Fraktionen für die Projektgesellschaft unter Beteiligung der SPD. Die FWG war geschlossen dagegen.

Hintergrund:  Die Energiegenossenschaft Reinhardswald

Die Stadt Trendelburg ist neben sechs weiteren Kommunen und einer Privatperson an der Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) beteiligt. Über diese Mitgliedschaft wird sie mittelbar auch an der noch zu gründenden Projektgesellschaft Windpark Reinhardswald GmbH & Co. KG beteiligt sein. An dieser Gesellschaft wird die EGR mit 51 Prozent, die EAM mit 20, die Städtischen Werke Kassel mit 20,5 und die Stadtwerke Eschwege mit 8,5 Prozent beteiligt sein. Um die Windparks zu entwickeln, benötigt die Projektentwicklungsgesellschaft etwa zwei Millionen Euro, der Anteil der EGR beträgt etwa eine Million. Zur Absicherung dieses EGR-Anteils übernimmt die Stadt Trendelburg - wie alle anderen Genossenschaftsmitglieder - eine Ausfallbürgschaft von 110.000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.