Umweltattacken auf Region verhindern

Bürgerversammlung in Gieselwerder diskutierte über Windenergie

Vision: Roland Henne vor einer Visualisierung von Reinhardswald-Windrädern über Gieselwerder. Fotos: Löschner

Gieselwerder. In einer Bürgerversammlung haben sich in Gieselwerder Bürger und Verantwortliche gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Reinhardswald in Stellung gebracht.

Anlass ist die zweite Offenlegung und Anhörung des Teilregionalplans Energie Nordhessen. „Anstatt auf die Gestaltung des Gemeinwesens müssen wir leider derzeit unsere Energie auf die Abwehr von Umweltattacken auf unsere Region verwenden“, sagte Bürgermeister Rüdiger Henne. Die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Hildegard Gunkel-Becker, forderte die Besucher im voll besetzten Haus des Gastes dazu auf, von der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Verfahrens Gebrauch zu machen. Eingaben könnten bis zum 29. Mai 2015 per Internet oder Post beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden, die Bürger hätten aber auch die Möglichkeit, sich an die Bürgerinitiativen vor Ort oder an die Gemeinde zu wenden. „Die Erfahrungen aus dem ersten Verfahren haben gezeigt, dass Änderungen durchaus möglich sind“, sagte Gunkel-Becker.

Für viele Besucher der Bürgerversammlung in Gieselwerder ein Horrorszenario, wenige Kilometer weserabwärts Alltag: Windenergieanlagen beim Beverunger Ortsteils Haarbrück. Sie sind nur halb so hoch wie die im Reinhardswald geplanten Windräder.

Im Zentrum der Versammlung stand ein Vortrag des ehemaligen Oberweserer Bürgermeisters Roland Henne, der für den Heimat- und Verkehrsverein Gieselwerder auf unterschiedliche Aspekte einging, die aus seiner Sicht gegen die geplanten mehrere Hundert Meter hohen Windkraftanlagen im Reinhardswald sprechen. So beispielsweise die Bedeutung des Reinhardswaldes als Bodendenkmal - die Region ist übersät mit historischen Wölbäckern, zudem existieren ehemalige Siedlungen und bis zu 3500 Jahre alte Hügelgräber.

Von Anlagen umstellt

Die Auswirkungen des Baus und Betriebes der Anlagen auf den Wald und das Landschaftsbild zeigte Henne mit Visualisierungen und Fotos. Horste von Greifvögeln und möglicherweise dem Schwarzstorch hat er gemeinsam mit Prof. Gerd Rohmann dokumentiert. Hennes Analyse möglicher Standorte mit ihren Sichtachsen zeige, dass Gieselwerder weitgehend von den Anlagen umstellt werde und auch den Abstand zur Wohnbebauung von einem Kilometer hält der Heimatverein für zu gering: Erfahrungsberichte aus Arenborn zeigten, dass die Anlagen auch aus dieser Entfernung teils störend hörbar seien.

„Es fehlt die äquivalente Abwägung vom Nutzen der Windkraft gegenüber der Natur, Kultur, Landschaft, dem Lebensraum und dem Tourismus“, so das Fazit des Vortrages. Die Forderung: keine Windenergieanlagen auf Waldflächen und ein Mindestabstand zu Wohnhäusern von 2.000 Metern. Bürgermeister Rüdiger Henne kündigte an, dass die Stellungnahme der Gemeinde die Punkte Mindestabstand, Erholungsfunktion der Wälder, Tourismus, Vogelschutz, Boden- und Kulturdenkmale, Trinkwasserschutz sowie die „Umzingelung“ aufgreifen werde. (zlö)

Online-Beteiligungsverfahren des RP Kassel

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