70 Jahre Schutzgemeinschaft

Umweltschützer kämpfen für Erhalt des Reinhardswaldes

Der Friedwald Reinhardswald: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Reinharswald durch Abholzungen schwer geschädigt. Heute kann man sich unter altehrwürdigen Baumriesen im sogenannten Friedwald bestatten lassen. Archivfoto: Andreas Fischer/epd

Damals wie heute führt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) einen ähnlichen Kampf: Ging es schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg um den Erhalt des Reinhardswaldes, so streiten die Umweltschützer jetzt wieder für das besondere Naturreich.

Die Umweltschutzorganisation feierte vergangenes Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Anlass, mit dem Vorstand der SDW von Stadt und Landkreis Kassel ins Gespräch zu kommen.

1948 war es, als der damalige Forstamtsleiter von Gieselwerder, Dr. Helmut Gusowius, davon Wind bekommen haben soll, dass die Amerikaner den Reinhardwald großflächig abholzen wollten. „Wegen der Reparationszahlungen wollte man von Fuldatal aus vor allem alte Eichen und Buchen fällen“, sagt Hans Peter Giebing, stellvertretender SDW-Kreisverbandsvorsitzender von Stadt und Landkreis Kassel.

150 Waldretter

So mobilisierte der Förster aus Oberweser damals weitere Revierleiter aus dem Kreis, um etwas gegen diesen Naturfrevel zu tun. Da die Sache sich schnell herumsprach, schlossen sich weitere Menschen der Gruppe an, die allesamt den Lebensraum Reinhardswald retten wollten. „Ein Aufbegehren in der Region begann – gleich einem Flächenbrand“, kommentierte Giebing den Beginn der Bewegung. Als man im Kreis Hofgeismar schließlich mitbekam, dass die Amerikaner mit schwerem Gerät die Abholzung vorbereiteten, machte man sich auf den Weg zur Kaserne nach Fuldatal. Dort wurden die Bulldozer und Ausgänge blockiert. 150 Menschen sollen dabei gewesen sein, die durch ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen Hessens größtes Waldgebiet retteten.

„Da Frankreich im Saarland abholzen wollte, die Engländer in der Lüneburger Heide und die Russen schon vorher hunderte von Bäumen dem Grunewald entnommen hatten, wurde bundesweit unsere Schutzgemeinschaft gegründet“, erklärte der 68-jährige Hans Peter Giebing aus Espenau.

Machen sich für den Wald stark: Hans Peter Giebing (links) und Bernhard Klug von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wollen keine Windräder im Reinhardswald haben. Dafür machen sie sich mit ihrer Gemeinschaft stark. Foto: Tanja Temme

Aktuelles Problem: Windräder

Heute sind es vor allem die Windräder, die den Naturfreunden große Sorge bereiten. Auch wenn der Wald nicht komplett in Gefahr sei, so wäre dies ein massiver Eingriff, den sie mit allen Mitteln versuchen wollen zu verhindern, sagt der stellvertretende SDW-Vorsitzende.

Derzeit kämpfe man nur auf juristischem Weg gegen das Vorhaben, 40 Windräder im Wald zu bauen. Doch es sei auch denkbar, die Bevölkerung zu aktivieren, ähnlich wie es damals Förster Gusowius getan habe. Was für Auswirkungen die Windräder etwa auf die Trinkwasserversorgung hätten, wolle man den Bürgern im Frühjahr bei einer Exkursion im Wald näherbringen.

Wie viele ehrenamtliche Vereinigungen, ist auch die SDW von Nachwuchsmangel geplagt. So gibt es im Hofgeismarer Raum nur noch in Gieselwerder und Hofgeismar eine Waldjugendgruppe. Bekannt ist die Gemeinschaft vor allem durch ihre Baumpflanzaktionen, spendet sie im Kreis doch jährlich vielen Organisationen den Baum des Jahres, der 2019 die Flatterulme ist. Vom runden SDW-Geburtstag profitiert auch der Tierpark Sababurg, der nämlich 70 Eichen von der Organisation geschenkt bekam. Als Gegenleistung wird dafür künftig im Eingangsbereich ein Schild auf die Schutzgemeinschaft hinweisen. Auch ein Arboretum ist über die Jahre durch den Baum des Jahres im Tierpark entstanden.

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