Unrühmliche Tradition

Klosterhof: Junge Grimm-Generation distanziert sich vom rechten Spuk

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In der Kritik: Der Klosterhausverlag existierte viele Jahre Im Klosterhaus in Lippoldsberg, wo Hans Grimm vor gut 90 Jahren seinen umstrittenen Roman Volk ohne Raum (im Bild eine frühe Ausgabe) schrieb. Heute distanziert sich seine Familie von den Wertken.

Lippoldsberg. Der Klosterhof in Lippoldsberg hat eine jahrzehntelange unrühmliche Tradition. Bereits zu Lebzeiten Hans Grimms und auch nach seinem Tod im Jahr 1959 entwickelte sich das Anwesen alljährlich zu einem Treffpunkt nationalsozialistisch gesinnter Kreise.

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Bis in die 80er Jahre hinein fanden dort die von Holle Grimm fortgeführten „Lippoldsberger Dichtertreffen“ statt. Bei diesen Veranstaltungen sei Hans Grimm und der Nazi-Ideologie gehuldigt worden, erinnert sich Iris Resch-Grimm, deren Ehemann Bernd ein Enkel von Hans Grimm ist.

Lebensunterhalt verdient

Die junge Generation der Grimms habe nichts gegen dieses Treiben von Holle Grimm unternehmen können, sagt Iris Resch-Grimm. Zum einen, weil es die Tochter Hans Grimms auch nach dem Krieg nicht geschafft habe, „umzusteuern“ und sich vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat loszusagen. Zum anderen, weil die alte Frau mit Verlag und Buchhandel ihren Lebensunterhalt verdiente.

Doch als Holle Grimm 2008 mit einer Demenz ins Altersheim gekommen war, „hat für die junge Grimm-Generation der große Kehraus begonnen“. Buchladen und Verlag wurden aufgelöst. Und als Holle Grimm 2009 verstarb, sei die Beisetzung heimlich und ohne Trauerfeier abgehalten worden. „Ein Erscheinen der rechtsradikalen Szene wollten wir unter allen Umständen vermeiden“, sagt Iris Resch-Grimm. „Wir gingen davon aus, dass der rechte Spuk endgültig vorbei war.“

Doch es sei anders gekommen. Denn Margret Nickel, die zwei Jahrzehnte Sekretärin von Holle gewesen sei, habe im anderen Flügel des Klosterhofes Verlag und Buchhandel weitergeführt.

Leckerbissen Kundenliste

Margret Nickel

Nickel fühle sich offenbar dazu berufen, dort als einzige - „entgegen der undankbaren jungen Grimm-Generation“ - das Andenken Hans Grimms hochzuhalten und seine Werke weiter anzubieten. Iris Resch-Grimm ist sicher, dass „die Kundenliste der Buchhandlung ein Leckerbissen für den Verfassungsschutz sein dürfte“. Für die heutige Familie Grimm, einige Mitglieder wohnen noch im Klosterhof - sei die Tatsache, dass „das braune Treiben dort weitergeht“, eine große Belastung.

Die Ehefrau des Grimm-Enkels empört zudem, „wie der Bürgermeister sich verhält“. Dass sich im Rathaus und auch im Ort kein Widerstand gegen diese Buchhandlung rührt, sei ein Skandal, sagt Iris Resch-Grimm.

Von Gerd Henke

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