Unfall vorgetäuscht

Versicherungsbetrug: 32-jähriger Hofgeismarer muss 3000 Euro zahlen

Hofgeismar/Kassel. Das große Geld hatten andere verdient, der Angeklagte hatte für das Mitmachen lediglich 1000 Euro erhalten. Nach dem Urteil des Amtsgerichts Kassel wird nun nicht nur dieser Betrag von ihm eingezogen, der Hofgeismarer muss außerdem 3000 Euro Strafe zahlen.

Er hatte zugegeben, durch falsche Angaben, seine Kfz-Haftpflichtversicherung zur Erstattung von gut 35 000 Euro gebracht zu haben. Dabei war der Schaden am gegnerischen Wagen durch einen gestellten Unfall zustande gekommen. Das Urteil lautete auf gemeinschaftlichen Betrug.

Trotzdem saß der 32-jährige Mann allein auf der Anklagebank. Die Haupttäter, zwei Brüder aus Kassel, waren bereits im Frühjahr vor dem Landgericht zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten insgesamt neun fingierte Unfälle gestanden, bei denen die Versicherungswirtschaft um insgesamt 220 000 Euro betrogen worden war.

Auch die Versicherung des Hofgeismarers hatte arglos gezahlt. Denn dessen Angaben hatten zunächst glaubwürdig geklungen.

Danach war er im Februar 2006 nachts auf der Autobahn 44 bei Kassel unterwegs gewesen. Als er auf die linke Spur wechseln wollte, übersah er einen anderen Wagen, es kam zum Zusammenstoß. Doch diese Version stimmte nicht. Tatsächlich hatte einer der Haupttäter die beiden für den Unfall vorgesehenen Fahrzeuge auf einem Parkplatz und dann noch einmal auf der Autobahn ineinander fahren lassen.

Bei diesen absichtlichen Kollisionen war der Hofgeismarer nach eigenen Angaben nicht dabei. „Im Endeffekt habe ich nichts gemacht, außer meine Versicherung herzugeben“, pochte er vor Gericht.

Das wollte Staatsanwalt Frank Lohr so nicht gelten lassen. „Sie waren im Getriebe ein ganz wichtiges Zahnrad, ohne das der Betrug nicht funktioniert hätte“, hielt er dem Mann vor. Verteidiger Bernd Stein sprach dagegen von seinem Mandanten als einem „verschwindend kleinen Rädchen“. Es sei an der Zeit, „die Großen“ zur Verantwortung zu ziehen. Wen er damit meinte, daran ließ Stein keinen Zweifel: Ein Rechtsanwalt und ein Kfz-Sachverständiger aus Kassel seien an der Abrechnung der fingierten Unfälle „unter sehr merkwürdigen Umständen beteiligt“ gewesen und hätten kräftig mitverdient, sagte Stein.

Zu Beginn der Verhandlung hatten sich die Beteiligten für den Fall eines Geständnisses auf eine Strafobergrenze von 120 Tagessätzen zu 25 Euro verständigt. Diese schöpfte das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft voll aus, auch weil der Angeklagte schon einmal, wenn auch wegen einer anders gelagerten Straftat, zur Bewährungsstrafe verurteilt worden war. (psü)

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