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Vogel des Jahres ist das Braunkehlchen - im Kreis Kassel ist es rar

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Von: Bernd Schünemann

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Vogel des Jahres 2023: Das Braunkehlchen.
Vogel des Jahres 2023: Das Braunkehlchen. © Arno Weber/Archiv

Der Vogel des Jahres 2023 ist das Braunkehlchen. Im Kreis Kassel brütet der Wiesenvogel seit Jahren nicht mehr - bis auf eine Ausnahme.

Kreis Kassel – In Hessen gibt es nur etwa 350 Brutpaare des Braunkehlchens. Im Kreis Kassel brütet der kleine Wiesenvogel, der Vogel des Jahres 2023 ist, seit Jahren eigentlich nicht mehr. Die Zugvögel bauen ihre Nester am Boden. Ihr Lebensraum sind feuchte, blüten- und insektenreiche Wiesen, Brachen und Feldränder. Die gibt es aber immer seltener. Deswegen ist die Zahl zurückgegangen. Schon 1987 war das Braunkehlchen zum Jahresvogel gekürt worden. Das hatte seinen Rückgang aber nicht aufhalten können.

Das Braunkehlchen ist im Landkreis Kassel eigentlich nur ein Durchzügler: Vor allem im Naturschutzgebiet Glockenborn macht es während der Zugzeit Station. Regelmäßig kann Stephan Schmidt den Wiesenvogel dort im Frühjahr und Spätsommer beobachten. Nur eine Brut im Naturschutzgebiet Stahlberg/Hölleberg bei Deisel im Jahr 2020 ist bekannt. In einer öffentlichen Wahl war das Braunkehlchen im Herbst 2022 zum Vogel des Jahres gekürt worden. 

Schmidt, der das Naturschutzgebiet für die Stadt Wolfhagen betreut, würde sich freuen, wenn die Vögel dort nicht nur Rast machten, sondern auch brüteten. Denn der Glockenborn gehört zu den wenigen Flächen im Kreis Kassel, die den Ansprüchen des Braunkehlchens genügen könnten.

Rund um Kassel: Nur wenige Bruten in Waldeck-Frankenberg

Die etwa 14 Zentimeter großen Vögel brauchen feuchte, extensiv genutzte Wiesen. Dort könnten sie zum Beispiel an Uferstreifen ihre Nester bauen. Solche Lebensräume gab und gibt es in der Region nur selten. Deswegen geht der Vellmarer Vogelkundler Hellwig Haag davon aus, dass das Braunkehlchen auch früher nur gelegentlich in der Region zu beobachten war.

Im Portal Ornitho, in dem Vogelkundler bundesweit Beobachtungen eingeben, ist die Brut bei Deisel nur bei ganz genauem Hinschauen zu finden. Ansonsten sind dort für die vergangenen zehn Jahren keine Bruten im Kreis aufgeführt. Die von den Braunkehlchen bevorzugten, kaum genutzten Wiesen gebe es im landwirtschaftlich intensiv genutzten Nordhessen kaum noch, ergänzt Haag. Solche Flächen wurden unter anderem in Mahdwiesen für Silage umgewandelt.

Im Werra-Meißner- und im Schwalm-Eder-Kreis habe es vor Jahren noch kleine Bestände gegeben. Einige wenige Paare verzeichne das Portal Ornitho für Waldeck-Frankenberg. Von dort hofft Stephan Schmidt auf eine Besiedlung des Glockenborns. Eine renaturierte Bachaue zwischen Korbach und Waldeck sei als möglicher Lebensraum nicht weit entfernt vom Glockenborn. Bruten gibt es im südlichen Teil des Nachbarkreises, unter anderem in einem Naturschutzgebiet in den Ederauen bei Allendorf/Eder. Bis jetzt wartet Schmidt vergebens auf einen Zuzug aus dem Nachbarkreis.

Schutzgebiet Glockenborn als geeigneter Lebensraum für Braunkehlchen

Im Schutzgebiet Glockenborn mit seinen Uferstreifen, Gebüschen und Weiden finden Braunkehlchen aus Schmidts Sicht einen geeigneten Lebensraum. Welche Bedeutung das Gebiet hat, zeigt die Zahl der Vogelarten, die dort brüten und rasten. Etwa 40 Brutvogelarten haben Beobachter in den vergangenen Jahren gezählt. Insgesamt wurden mehr als 160 Arten registriert. Zu den Brutvögeln zählten bis vor einigen Jahren die seltenen Blaukehlchen – entfernte Verwandte der Braunkehlchen.

Einzeln oder in kleinen Trupps sind die Braunkehlchen mit Glück unter anderem dort während ihrer Zugzeit zu beobachten. Sie machen Rast an „unordentlich“ wirkenden Flächen, die ihnen Nahrung bieten. Gern sitzen die Vögel auf Zaunpfählen, an alten hohen Pflanzenstängeln – wenn die stehen bleiben durften – und im Herbst auch auf Rapsstoppeln. In der Roten Liste der deutschen Brutvögel 2020 wurde die Art als stark gefährdet aufgeführt.

Helfen könne man den Braunkehlchen, wenn man beim Einkauf auf regionale, ökologisch produzierte Lebensmittel zurückgreife, teilt der Landesverband Hessen im Naturschutzbund mit. Bernd Schünemann

Das Naturschutzgebiet Glockenborn: Stephan Schmidt, Mitarbeiter Stadt Wolfhagen, will dort Lebensraum für Braunkehlchen schaffen.
Das Naturschutzgebiet Glockenborn: Stephan Schmidt, Mitarbeiter Stadt Wolfhagen, will dort Lebensraum für Braunkehlchen schaffen. © Bernd Schünemann

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