1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar

Vorfreude auf großes Doppelfest in Wesertal

Erstellt:

Von: Tanja Temme

Kommentare

Zwei Männer stehen an einem Tisch im Museum, zwei andere sitzen an dem Tisch, auf dem alte Gegenstände wie Tonkrüge, Petroleumlampe und Hacke liegen. Einer hält eine Wärmflasche aus Metall in der Hand.
In einem Raum des Museums sind auf einem Tisch Alltagsgegenstände ausgestellt. Karsten Bock (Ortsvorsteher Gottstreu), Olaf Pallutt (Ortsvorsteher Gewissenruh), Museumsleiter Thomas Ende und Wesertals Bürgermeister Cornelius Turrey waren sich bei der Ausstellungseröffnung einig, dass die Geschichte der beiden Wesertal-Orte besonders ist, da sie die nördlichsten und jüngsten Waldenserkolonien Deutschlands sind. © Tanja Temme

300 Jahre Flüchtlingsgeschichte sind in den Waldenserdörfern Gottstreu und Gewissenruh zu erleben. Zur Vorbereitung gibts eine Ausstellung.

Gottstreu – In nur wenigen Monaten stehen sie an, die besonderen Geburtstagsfeiern der beiden Waldenser-Örtchen Gottstreu und Gewissenruh. Der Jubiläen wegen gestaltete Hobbyhistoriker Thomas Ende im Waldensermuseum Gottstreu eine Ausstellung, die am Sonntagnachmittag eröffnet wurde. Parallel dazu veranstaltete das Festkomitee im benachbarten Dorfgemeinschaftshaus einen Kaffeenachmittag. Richtig rund wird es Mitte Juni in Gottstreu und Mitte September in Gewissenruh gehen, wenn das 300-jährige Bestehen der Orte begangen wird.

Zwei Feste

Richtig rund gehen wird es vom 17. bis 19. Juni in Gottstreu und vom 16. bis 18. September in Gewissenruh, wenn das 300-jährige Bestehen der beiden Orte der heutigen Gemeinde Wesertal mit zwei Festen begangen wird.

Gemarkungskarten der beiden Wesertaldörfer aus dem 18. Jahrhundert, mehr als 300 Fotos sowie jahrhundertealte Alltagsgegenstände konnten die Besucher beim Start in Augenschein nehmen. Mehr als 150 Stunden an Vorbereitungszeit hatte Ende darein investiert, seit Februar an seine Freizeit im Museum verbracht.

Kegelbahn entdeckt

„Viele wussten bisher sicher nicht, dass es in Gewissenruh gegenüber der Kirche einst eine Kegelbahn gab, wie man der Karte entnehmen kann“, bemerkte Besucher Sigfried Lotze beim Blick auf die alte Karte.

Und auch Ausstellungsmacher Ende hatte etwas Neues herausgefunden: „Hier, wo wir uns jetzt befinden, also im Museumsgebäude und dem benachbarten Dorfgemeinschaftshaus, war einst ein Friedhof“, bemerkt der 56-Jährige, der sich seit seiner Jugendzeit mit dem Waldenserthema beschäftigt.

Fotos zeigen Vergangenheit

Gut an kamen bei den zahlreichen Gästen die vielen Fotomotive, von denen das älteste von 1890 stammt. Bilder von Schulklassen, Gebäuden oder Szenen aus der Landwirtschaft - was immer das Leben einst prägte – laden im zweiten Stock des Museumsgebäudes zu einer Zeitreise ein. Da außerdem Fotos von den vergangenen Jubiläumsfeiern von vor 25 Jahren gezeigt werden, konnte sich der ein oder andere sogar selbst im Museum wiederfinden. Auch diejenigen, die mehr über die Geschichte der beiden Wesertaldörfchen wissen wollten, kommen in der Schau auf ihre Kosten, ist für sie doch die Historie der Dörfer in Schaukästen festgehalten. Interessiert wurden auch die Gemarkungskarten beäugt, zeigen diese doch die spezielle, längliche Form der Orte mit ihrer einst gleichförmigen Grundstücken auf. Auch wenn die Orte noch immer schlauchförmig sind, so sind viele der Häuser inzwischen stark verändert – „einige allerdings sind noch so erhalten, dass man sie sofort auf den Bildern oder eben im Dorf erkennt“, erklärte Ende und ergänzt, dass Gottstreu und Gewissenruh immerhin die nördlichsten Waldenserkolonien Deutschlands seien.

Ein handgezeichneter Ortsplan zeigt zahlreiche Häuser und daneben die Namen der Besitzer sowie die Art der Grundstücksnutzung.
Historische Karte: Wer die alte Gemarkungskarte von Gewissenruh genau ansieht, kann sehen, dass es beim Kirchhof (Bildmitte) einst eine Kegelbahn gab, wie heute beispielsweise noch in Hofgeismar-Schöneberg, einer früheren Hugenotten-Kolonie. © Tanja Temme

Gewidmet wurde die Ausstellung dem Gottstreuer Waldenserfreund Reinhard Brunst, der sich lange für die Ortsgeschichte stark gemacht hat.

Nach dem Besuch im Museum gab es im Bürgerhaus Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. Für Unterhaltung sorgten dort Manfred Pöter, der einige Verse vortrug. Kantor Martin Seimer ergänzte das Programm mit Liedern zur Gitarrenmusik.

Wer die Ausstellung besuchten möchte, hat jeweils an den ersten beiden Sonntagen eines Monats dazu Gelegenheit. Von 15 bis 17 Uhr wird die Ausstellung von Mai bis September geöffnet sein. (Tanja Temme)

Auch interessant

Kommentare