"Riesiges Glück gehabt"

So überlebte ein vermisster 79-Jähriger in Lippoldsberg zwei Tage in der Kälte

Lippoldsberg. Ein 79-Jähriger hat sich zwei Tage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Wald bei Lippoldsberg aufgehalten. Ein Notfallsanitäter erklärt, wie er das überlebt hat.

Nachts legt er sich ins Unterholz abseits des Weges und ist nicht in der Lage, seinen Weg allein fortzusetzen. Am Mittwoch findet ihn ein Spaziergänger und der Mann, ein Patient der Reha-Klinik Lippoldsberg, wird nach zwei Tagen im Wald gerettet. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, er ist ansprechbar. Pures Glück, sagen Rettungssanitäter.

Die Temperaturen

Dass am Anfang der Woche Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, war für den 79-Jährigen „absolutes Glück“, sagt Norbert Usun, Notfallsanitäter und Ausbilder beim DRK-Kreisverband Hofgeismar. „Wenn es minus zehn Grad kalt gewesen wäre, wie in einigen Regionen in den Nächten am vergangenen Wochenende, hätte der Mann nicht überlebt.“ Das gelte auch für jüngere Menschen mit starken Körpern. „Solch eisige Temperaturen steckt niemand einfach weg.“

Der Ort

Gute Überlebenschancen hatte der 79-Jährige auch, weil er sich im geschützten Wald aufhielt und sich nachts ins Unterholz gelegt hat. „Er hat wahrscheinlich relativ windgeschützt und trocken gelegen“, sagt Usun. Im Wald bei Lippoldsberg gebe es viele Altfichtenbestände, die relativ dicht stehen. So seien die niedrigen Temperaturen weniger zu spüren gewesen. Der Körper kühle aber bei der momentanen Witterung trotzdem stark aus.

Wasser und Nahrung

Zwei Tage und Nächte ohne Wasser übersteht laut Usun ein Mensch. Der Körper trockne aber aus und fahre auf Sparflamme. „Die Funktionen, die er gerade nicht braucht, fährt er runter. Zu vernachlässigen sei das Essen. „Nahrungsmangel ist bei einer Zeitspanne von 48 Stunden kein Problem.“

Die Behandlung

Wenn jemand längere Zeit starker Kälte ausgesetzt war, muss er langsam wieder aufgewärmt werden. „Der Patient muss erstmal aus den kalten, feuchten Klamotten raus, wird in eine Decke eingewickelt und bekommt eine vorgewärmte Infusion“, erklärt der Notfallsanitäter. Helfen können auch warme, leicht gezuckerte Getränke, die in kleinen Schlucken getrunken werden sollten. Auf keinen Fall dürfe man den Betroffenen beispielsweise in die heiße Badewanne setzten, um ihn aufzuwärmen. „Das würde tödlich enden.“

Alle F aktoren

Für den Notfallsanitäter ist es eindeutig: Dass der 79-Jährige zu dieser Jahreszeit so lange Zeit im Freien überlebt hat, ist dem Zusammenspiel mehrere Faktoren zu verdanken. „Er hat riesiges Glück gehabt.“

Rubriklistenbild: © Archivfoto

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