Mutter reiste Söhnen nach Hongkong

Sadomaso und Gewalt: Schwere Vorwürfe im Kampf um Kinder

Wer die Vergangenheit von Karl Z. betrachtet, der zweifelt schnell an seiner Glaubwürdigkeit: Für viele Schlagzeilen hat der 59-Jährige Sozialhilfeempfänger schon gesorgt.

Er trat unter verschiedenen Namen auf, gründete einen Grünen-Ortsverband, der sich schnell wieder auflöste und vertrat einen Investor, der den Nürburgring kaufen wollte. Einiges sei wahr, anderes hinzugedichtet, sagt Z. selbst dazu.

Nun kämpft der Wahlsburger um seine zwei Kinder, die er mit einer Asiatin hat. Die ist weniger als halb so alt wie er. Seit Dezember 2013 tobt der Trennungskrieg - sagt Z. Und wenn er die Details beschreibt, kommen ihm die Tränen. Ist Z. also nur ein Opfer? Doch er teilt auch heftig aus: Seine Frau fälsche Urkunden, preise sich und die Kinder als Sexsklaven an. Dazu wedelt er mit vielen Papieren und Dokumenten.

„Gefälschte Papiere“ 

Doch viele seiner Papiere seien gefälscht, behauptet Bettina Müller-Laube, Fachanwältin für Familienrecht aus Göttingen. Sie vertritt die Frau von Z. und zeichnet ein anderes Bild des 59-Jährigen: Der habe massiv Druck auf seine Frau aufgebaut, sei ein „Herrscher“, übertrage diese Rolle aus seinem Sadomaso-Leben auch in den Alltag. Ihre Mandantin stamme zum Glück aus einer vermögenden Familie, sonst wäre sie ihm „absolut ausgeliefert gewesen“.

Gegen Z. spricht: Das Oberlandesgericht Frankfurt, sieht es ähnlich. Das Gericht sprach der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu. Zwar sei auch die Frau in der Sadomaso-Szene aktiv, doch das übertrage sich nicht auf den Alltag.

Z. selbst geht mit dem Urteil offen um: Ja, es gebe dieses Urteil, zustande gekommen sei es aber nur, weil er seine Kinder nicht seiner gewalttätigen Frau ausliefern wollte, sagte der 59-Jährige.

Und was für ihn spricht: Zumindest juristisch könnte die Reise seiner Frau mit den Kindern nach Hongkong als Kindesentführung gelten. Zwar wollen sich die involvierten Behörden aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern. Doch ob ein Umzug oder ein Ferienaufenthalt ins Ausland durch das Aufenthaltsbestimmungsrecht gedeckt ist, sei zumindest fraglich, heißt es. Dazu gibt es auch unterschiedliche Gerichtsentscheidungen. Z. hat nun die Hilfe des Bundesamtes für Justiz in Anspruch genommen. Das hilft Betroffenen, Gerichtsverfahren im Ausland anzustrengen, um zu klären, ob die Kinder widerrechtlich ins Ausland gebracht wurden und zurückgebracht werden müssen.

Anwältin Müller-Laube argumentiert, ihre Mandantin befinde sich „auf der Flucht“ vor ihrem Mann, sie sei zunächst nur für die Ferien nach Hongkong gereist.

Weiter Sorgerechtsstreit

So werden sich weiter Behörden in Deutschland und in China mit der Sache beschäftigen: In Deutschland wird sich unterdessen zeigen, ob die Staatsanwaltschaft eine Straftat der Mutter vorliegen sieht. Und auch das Sorgerechtsverfahren soll hier weitergeführt werden - mit Einbeziehung internationaler Vermittler.

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