Holger Foerster ist seit 30 Jahren im Dienst

Standesbeamter traf sein erstes Paar bei 333. Trauung wieder - als Eltern des Bräutigams

Das 333. Paar: Standesbeamter Holger Foerster (rechts) mit seinem ersten Brautpaar, Reinhard und Ulrike Bachmann, und der nächsten Generation, Julian und Mirjam Bachmann. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Lippoldsberg. Diese Schnapszahl seiner Laufbahn wird Holger Foerster (Uslar) so schnell nicht vergessen. Bei seiner 333. Trauung als Standesbeamter in Lippoldsberg traf er sein allererstes Brautpaar wieder.

Am 15. Mai 1986 haben sich Ulrike und Reinhard Bachmann aus Lippoldsberg das Ja-Wort gegeben.

30 Jahre später kam das Paar mit Sohn Julian als Bräutigam wieder ins Rathaus. Dessen Heirat mit Mirjam Bachmann, geb. Herbold, hat Holger Foerster am 12. Mai 2016 beurkundet. Auch die Eltern der Braut, Udo und Antje Herbold aus Vernawahlshausen, haben in Lippoldsberg geheiratet, allerdings bereits vor 31 Jahren und bei einem Kollegen von Holger Foerster.

Der ist auf seine 333. Trauung gestoßen, weil er wissen wollte, wie viele Paare er in 30 Jahren getraut hat. An seine erste Hochzeit kann sich der 55-jährige Uslarer noch sehr gut erinnern. Sie fand nicht im heutigen Trauzimmer unter dem Rathausdach, sondern in Foersters gerade einmal zehn Quadratmeter großen Büro statt. „Ich war so etwas von nervös bei meiner ersten Trauung“, erinnert sich der Standesbeamte. „Das Brautpaar war dagegen die Ruhe selbst.“

Inzwischen hat Foerster Erfahrung mit unterschiedlichsten Paaren, versucht aber Routine zu vermeiden und seine Reden immer wieder abzuwandeln. Auch Kurioses hat er in 30 Jahren erlebt. „Aber noch nie hat jemand im Standesamt Nein gesagt“, berichtet er. Dafür hat Foerster schon sehr nervöse Bräute gesehen. Eine konnte vor Weinen nicht sprechen. Um die Situation für den Familienfilm zu retten, brach Foerster die Zeremonie ab und begann kurzerhand von vorn.

Auch mit der filmreifen Frage, ob jemand Einwände gegen die Eheschließung habe, verbindet Foerster eine Erinnerung. Mit einem lauten „Ja“ trat einmal der beste Freund des Bräutigams in den Raum, um zur Beruhigung aller nachzuschieben: „Ich habe was dagegen .... dass die Hochzeit ohne mich stattfindet.“ Den Scherz habe der Freund mit der Braut abgesprochen, erzählt der Standesbeamte, dem Trauungen auch nach 30 Jahren noch Spaß machen. „Ich habe gern mit Menschen zu tun und bringe gern Freude.“

Und eine Hochzeit bedeutet Abwechslung zur trockenen Büroarbeit. Denn die Arbeit eines Standesbeamten besteht vor allem aus Schreibarbeit. Holger Foerster beurkundet nicht nur Eheschließungen. Auch Geburten und vor allem Sterbefälle müssen eingetragen werden.

In seinem Büro stehen Geburts-, Heirats- und Sterbebücher, deren älteste Exemplare aus dem Jahr 1881 stammen. Erst für Kinder, die ab 2009 geboren sind, werden die Daten nur noch elektronisch festgehalten. Auch weil sie ihn raus aus dem Büro führen, machen Hochzeiten Holger Foerster also Spaß.

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