Kritik an Hilfsprogramm des Landes

Waldschützer: Roter Milan durch Windkraft weiter in Gefahr

Ein Rotmilan zieht am Himmel seine Kreise.
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Ein Rotmilan zieht am Himmel seine Kreise: Die Greifvogelart ist streng geschützt. Ihr Name fällt häufig, wenn vor möglichen Gefahren durch Windkraftanlagen für Vögel gewarnt wird.

Mit einem neuen Hilfsprogramm für windkraftsensible Vögel und Fledermäuse betreibe die Landesregierung Artenschutz mit zweierlei Maß.

Kreisteil Hofgeismar - Das sagt der hessische Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Hier das Wichtigste dazu in Kürze:

Das Hilfsprogramm

Mit dem neuen Programm will das Land Hessen Schutzzonen für Tiere wie den Schwarzstorch, den Rotmilan und bestimmte Fledermausarten einrichten und dabei neben dem Staatswald auch private und kommunale Waldbesitzer einbinden (HNA berichtete). Das gilt als Zugeständnis gegenüber den Naturschutzverbänden Nabu, BUND und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, die nach längeren internen Diskussionen zugestimmt hatten, den Bau von Windkraftanlagen in Waldgebieten zu erleichtern.

Ziel des Programms sei es, „mehr Artenschutz und mehr Windenergie zu erreichen“, erklärten Umweltministerin Priska Hinz und Energieminister Tarek Al-Wazir (beide Grüne).

Die Kritik

Genau diesen Punkt hält die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die auch in unserer Region schon gegen Windkraftprojekte geklagt hat, offensichtlich für unvereinbar. Man begrüße zwar grundsätzlich wirksame Artenschutzmaßnahmen im Wald, sieht dort aber keinen geeigneten Standort für Windräder: „Jede Windkraftanlage im Wald reißt große Rodungsflächen und breite Schneisen, die das Ökosystem Wald bis tief in die umliegenden Waldbestände hinein negativ beeinflussen,“ sagt Landesvorsitzender Bernhard Klug, ehemals Bürgermeister von Trendelburg. Die SDW stehe hinter der Energiewende, aber Windkraftanlagen sollten vor allem auf waldfreien Standorten errichtet werden.

Das Hilfsprogramm sei eine Reaktion auf erfolgreiche Klagen gegen den Bau von Windkraftanlagen, bei denen fast immer die Missachtung des Artenschutzes ausschlaggebend gewesen sei. Zuletzt habe das höchste hessische Verwaltungsgericht, der VGH in Kassel, in einer Klage der SDW die am 1. Januar in Kraft gesetzte Verwaltungsvorschrift Naturschutz/Windenergie 2020 für rechtlich nicht relevant erklärt.

Das nun vorgestellte Hilfsprogramm gelte nur außerhalb von Windenergievorrangflächen, kritisiert Klug. „Damit sagt die Landesregierung, dass auf zwei Prozent der Landesfläche kein Natur- und Artenschutz mehr betrieben wird. Hier wird Artenschutz mit zweierlei Maß betreiben.“ Ob denn ein brütendes Rotmilanpärchen oder eine Mopsfledermaus mit Jungtieren, nur weil es in einem Windvorranggebiet lebt, von geringerer Bedeutung sei, will Klug wissen.

Die Forderung

Die SDW rät dazu, die Kulisse der Windvorranggebiete anhand des Vorkommens windkraftsensibler Arten zu überarbeiten. „Wo eine derartige Fledermaus- oder Vogelart vor-kommt, sollte die Planung von Windkraftanlagen grundsätzlich ausgeschlossen werden“, sagt Klug. „Wir müssen nachsehen, wo welche Arten vorkommen, und können dann erst den Bau von derartigen Anlagen außerhalb des Waldes planen.“ (Matthias Müller)

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