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Jungwinzerin Lilo-Charlott Fülling fährt die erste Ernte ein

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Von: Hanna Maiterth

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Prüfender Blick: Jungwinzerin Lilo-Charlott Fülling ist zufrieden mit den Trauben. Die Kellerei wird ihr eine „Topqualität“ bestätigen.
Arbeit im Weinberg: Studentin Julia Völlings und Auszubildende Milla Venth arbeiten während der Saison auf dem Reiterhof. Bei der Weinlese packen sie aber auch gerne mit an. © Maiterth, Hanna

Weiße Trauben stapeln sich in großen grauen Wannen am Hang vom Osterberg in Zwergen. Es ist der Weinberg der Familie Fülling und die erste richtige Ernte. Angelegt wurde er bereits vor etwa sechs Jahren, erinnert sich Jungwinzerin Lilo-Charlott Fülling aus Zwergen.

Zwergen – In den vergangenen Jahren mussten die Rebstöcke erst mal wachsen. Damit die Pflanze ihre Kraft in das eigene Wachstum und nicht in das ihrer Früchte stecke, wurden diese in den Anfangsjahren abgeschnitten, erklärt die 31-Jährige.

Der Tag der Ernte fängt im Dunkeln an. Es ist Sonntag 6 Uhr. Unten im Ort, vor dem Hofcafé, haben sich die ersten Helfer – Mitarbeiter und Familie – versammelt. Während sie zum Munterwerden einen Kaffee trinken, steht Fülling hinter dem Haus und betankt den kleinen Schlepper. Als es dann losgeht, hat die Dämmerung bereits eingesetzt. Ein Teil der Gruppe nimmt im Defender Platz.

Mitarbeiterin Jeannie Backwinkel steuert den Geländewagen aus dem Ort heraus. Ratternd und ächzend erklimmt der Wagen den Osterberg. „Wir fangen früh an, weil wir die Trauben noch zur Kellerei nach Bad Dürkheim fahren“, erklärt Lilo-Charlott Fülling. „Die Trauben müssen zeitnah verarbeitet werden. Sonst fangen sie an zu gären.“ Noch am späten Nachmittag dieses Tages wird die 31-Jährige zusammen mit ihren Eltern ´gen Süden fahren.

Die Idee für den Weinanbau hatte ihr Vater, sagt Fülling. Sie selbst übernahm erst vor vier Jahren den Betrieb von ihren Eltern, Ortrud und Karl-Erich Fülling. Er umfasst eine Landwirtschaft, den Campingplatz mit Ponyhof und ein Hofcafé. Für den Anbau von Wein fehlte da aber noch die Erfahrung.

Dennoch sei es angesichts des Klimawandels wichtig, verschiedene Kulturen anzubauen. „Landwirte müssen mutiger werden“, findet sie.

In Nordhessen sind Füllings aber nicht die einzigen Winzer. In Immenhausen zum Beispiel gibt es seit nunmehr 20 Jahren am südlichen Ortsrand einen Weinberg. Den haben Wolfgang Rüdiger und Reinfried Reiser angelegt.

Am Hang des Weinberges in Zwergen mit immerhin 3000 Reben überblicken die Erntehelfer das Warmetal. Der graue Schleier der Dämmerung hat sich fast vollständig aufgelöst und auf der anderen Seite der Senke steigen Dunstwolken zwischen den Bäumen empor.

Prüfender Blick: Jungwinzerin Lilo-Charlott Fülling ist zufrieden mit den Trauben. Die Kellerei wird ihr eine „Topqualität“ bestätigen.
Prüfender Blick: Jungwinzerin Lilo-Charlott Fülling ist zufrieden mit den Trauben. Die Kellerei wird ihr eine „Topqualität“ bestätigen. © Maiterth, Hanna

Auf dieser Seite bewaffnen sich die Helfer nun mit Eimern. Ein Konstrukt aus Hagelschutznetzen und Metallstangen an jeder Reihe schützen die Früchte vor hungrigen Vögeln und Insekten. „Wenn die Trauben in die Süße kommen, sind sie bei denen superbegehrt“, erklärt die 31-Jährige.

Wenn die Trauben in die Süße kommen, sind sie bei denen superbegehrt

Lilo-Charlott Fülling 

Wie beliebt die Früchte bei den Tieren sind, erfuhr die Jungwinzerin vor zwei Jahren. Stare fielen über die Trauben her. Im vergangenen Jahr kamen die Netze zum ersten Mal zum Einsatz. Die Vögel schlüpften jedoch unterhalb der Netze hindurch. Diese hingen von langen Metallstangen beschwert nach unten.

In diesem Jahr wurden deshalb die Einflugschneisen dichtgemacht und die Reben hängen nun voll mit Früchten. „Wir sind zufrieden“, sagt Fülling. Heute sollen die weißen Trauben der Sorte Solaris gepflückt werden. Deren Oechselewert liege zwischen 85 und 90. „Damit sind sie erntereif.“ Die erste offizielle Weinlese kann stattfinden. 2100 Liter Wein ergeben die Früchte.

Die Erntehelfer, im Laufe des Morgens trudeln weitere ein, verschwinden zwischen den Reihen. Die Netze werden gelöst und hochgekurbelt. Mit Gartenscheren schneiden sie die Traubenbündel ab und sammeln sie in Eimern.

Was gibt es zu beachten? Die Jungwinzerin erklärt: „Vertrocknete und von der Sonne verbrannte Trauben werden abgemacht. In der Kellerei müssen sie relativ sauber ankommen, also auch ohne Laub.“ Den ersten eigenen Wein in Bioqualität wird es dann im nächsten Frühjahr geben. (Hanna Maiterth)

Info: weinberg-nordhessen.de

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