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Wenn die Schulaula zum Parlament wird: Jugendliche gestalten ihre eigene Energiewende

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Von: Josefin Schröder

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Zoe Hohmeier (links) und Marie Geisen, zwei Schülerin halten Abstimmungskarten hoch
Zoe Hohmeier (links) und Marie Geisen freuen sich, ihre eigenen Vorschläge für den Klimaschutz einzubringen © Schröder, Josefin

Für mehr Nachhaltigkeit: Schüler der Gustav-Heinemann-Schule entwickeln vielfältige Ideen für die Stadt und ihre Schule innerhalb des Klimaschutzprojekts „Plenergy“.

Hofgeismar – Applaus ertönt aus der Aula der Gustav-Heinemann-Schule. Dann halten fast alle Schüler eine grüne Karte in die Höhe. Die Idee, die Grünflächen in der Stadt in Blühwiesen zu verwandeln, als Nahrungsquelle für Insekten und Bienen, kommt gut an. 45 stimmen mit Ja, Antrag angenommen.

„Plenergy – vom Planspiel zur Energiewende“ heißt das dreitägige Projekt, bei dem die Jugendlichen zusammen mit der regionalen Energieagentur Energie 2000, sowie Medienpädagogen eigene Ideen für die Energiewende entwickelt haben. Analog zu einer Stadtverordnetenversammlung wird am zweiten Tag über die erarbeiteten Beschlüsse abgestimmt und diskutiert. Bürgermeister Torben Busse führt durch den Energiewende-Rat und ist beeindruckt, wie konstruktiv sich die Schüler einbringen.

„Wir können nicht ahnen, was für euch wichtig ist“, sagt er und betont, wie entscheidend die junge Perspektive bei der Energiewende ist. Was wichtig ist, wird schnell klar. Zum Thema Mobilität haben die Neunt- und Zehntklässler besonders viele Ideen: Günstigere Fahrtkosten für den öffentlichen Nahverkehr, ein ausgebautes Busnetz, mehr Zebrastreifen und weitere Fahrradständer in der Stadt. „Es fehlen außerdem Fahrradwege im Fürstenweg und in der Industriestraße“, ergänzt ein Schüler. Ob er nicht Lust hätte, in der Fahrrad Planungsgruppe der Stadt mitzuwirken, fragt ihn Busse.

Blühwiesen verbessern das Stadtklima und bieten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.
Blühwiesen verbessern das Stadtklima und bieten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. © Martin Schutt/dpa

Gesundes und regionales Mensaessen, LED-Leuchten statt Leuchtstoffröhren und ein Fitnessstudio mit stromerzeugenden Sportgeräten in der Schule sind weitere Vorschläge. „Und wer bezahlt das?“, fragt eine Schülerin.

Die finanzielle Umsetzbarkeit soll erst einmal keine Rolle spielen, erklärt Silvia Klaffer von der Energieagentur 2000. Es ginge viel mehr um die Ideenfindung. In einer Unterrichtsstunde bereitete Klaffer die Schüler auf das Projekt vor. Viele hätten wenig oder gar kein Hintergrundwissen zum Thema Energiewende. Lehrerin Uta Lefebvre hat plenergy an die Schule geholt. Sie freut sich, dass alle fleißig mitmachen, auch die, die sonst keine Lust auf Schule hätten.

„Ich habe erwartet, dass es so eine langweilige Öko-Sache wird, aber es macht tatsächlich Spaß“, sagt die Zehntklässlerin Mina Weissi. Ihre Mitschülerin Mira Berndt ist begeistert von der Abstimmung: „Der Bürgermeister nimmt sich unsere Ideen zu Herzen“. Beide glauben daran, dass zumindest ein paar ihrer Vorschläge umgesetzt werden. Um das zu unterstützen und zu prüfen, welche Projekte realisierbar sind, beraten Vertreter des Landkreises Kassel und der Verbraucherzentrale die Schüler am dritten Tag. Damit sich junge Menschen besser in die Politik einbringen können, plane die Stadt außerdem ein Jugendforum, sagt der Stadtverordnete Alexander Grün. Bis es so weit ist wird eine Delegation von Schülern an der nächsten Stadtverordnetenversammlung teilnehmen und dort für ihre Wünsche einstehen – auch das ist Teil des Projekts.

Wer ist dafür, wer ist dagegen? Gustav-Heinemann-Schüler stimmen beim Energiewende-Rat ab.
Wer ist dafür, wer ist dagegen? Gustav-Heinemann-Schüler stimmen beim Energiewende-Rat ab. © josefin schröder

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