Weniger Wasser aus dem Edersee

Wesertal: Galgenfrist für den Weser-Wasserstand

Die Wesesrfähre legt bei Lippoldsberg an.
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Die Weserfähre bei Lippoldsberg hat beim derzeitigen Wasserstand noch etwa 20 Zentimer Spielraum.

Im Edersee sinkt der Wasserspiegel, die Ruinen tauchen auf. Gleichzeitig wurde die Warnmarke erreicht, bei der der Zulauf von Wasser für die Weser reduziert wird.

Wesertal/Bad Karlshafen - „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, die 2019 festgelegten Maßnahmen erneut zu diskutieren oder gar infrage zu stellen“, hieß es Anfang Juli aus dem Regierungspräsidium. Im extrem trockenen Sommer 2019 wurden ein „Wintersparbetrieb“ festgelegt und die abgesenkte „Triggerlinie“. Diese regelt, ab welchem Wasserstand im Edersee der Weser-Zielpegel in Hann. Münden von 1,20 auf 1,15 Meter reduziert wird. Beider Auswirkungen sollen fünf Jahre lang beobachtet und ausgewertet werden.

Nur noch ein Fünftel im See

Nachdem der Edersee jetzt nur noch ein Fünftel seiner Maximalmenge enthält, fordert der Regionalverband Eder-Diemel angesichts des Klimawandels weitaus größere Schritte zum Haushalten mit dem Talsperreninhalt, als 2019 vereinbart, als eine Art Sommerpause, damit über 60 Prozent (125 von 200 Millionen Kubikmeter) im See verbleiben.

Das sehen die Unternehmen an der Oberweser anders, denn auch sie benötigen Wasser. Wie beispielsweise die Fahrgastschiffe und Kiesabbaubetriebe, die den Kies per Schwimmbagger abbauen und per Schiff abtransportieren. Noch unter den Spar-Pegel von 1,15 Meter zu gehen oder die Weser im Sommer zeitweise gar nicht mehr zu stützen, würde das Aus für Kies- und Betonwerke an der Weser bedeuten, sagt beispielsweise Dr. Peter Könemann, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Oberweser/Eder- und Diemelsee und zugleich Chef einer Kiesfirma. Schon bei 1,15 Meter führen sie Teillast und an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.

Flotte Weser hat Betrieb schon eingestellt

Die Flotte Weser in Hameln hat ihren Linienbetrieb nach Bad Karlshafen am Samstag eingestellt, das Fahrgastschiff Hessen fährt heute und morgen noch, das Wochenende hängt vom schwer kalkulierbaren Pegel ab. Probleme bereitet ein niedriger Wasserstand auch den Landwirten, die vielfach Fähren nutzen, um auf ihre Felder zu kommen. Noch fahren die Oberweser-Fähren in Veckerhagen, Oedelsheim, Lippoldsberg und Wahmbeck/Gewissenruh, aber in wenigen Tagen könnte es eng werden.

Grund für die schwierige Vorausschau angesichts der reduzierten Edersee-Abgabe sind die Regenfälle der vergangenen Woche und vom Sonntag beispielsweise in Thüringen. Diese Wellen kommen mit drei Tagen Verzug in der Oberweser an. Dadurch sei der Pegel wieder auf 95 Zentimeter angestiegen, sagt Fährmann Wolfgang Borchardt in Wahmbeck, doch er falle wieder. Bei 70 Zentimeter sei Schluss. Etwas mehr Spielraum hat die Fähre in Lippoldsberg, weil die Rampen länger sind, sagt Fährmann Hubertus Schrader-Schrick. Drei Pkw könne er noch transportieren, doch große Schlepper könnten schon nicht mehr auffahren.

Nur Weser-Schwimmer profitieren

Keine Probleme, sondern eher Vorteile mit Niedrigwasser haben dagegen die Weserschwimmer. Vor allem am Campingplatz Gieselwerder zieht es viele Jugendliche, auch Einheimische, in den Fluss. (Thomas Thiele)

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