Besichtigung der jüdischen Friedhöfe in Grebenstein, Hofgeismar und Meimbressen: Alle in gutem Zustand

Wichtiges Stück Kultur-Historie

Sanierter Stein: Bei der Begehung des jüdischen Friedhofs Grebenstein waren Landrat Schmidt (v. r.), Daniel Neumann, Direktor vom Landesverband jüdischer Gemeinden Hessen, Bürgermeister Sutor, RP Dr. Lübcke und Sachverständiger Prof. Klaus Werner dabei.

Grebenstein. Der Erhalt der jüdischen Friedhöfe liegt Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke sehr am Herzen. Einmal im Jahr stehen deshalb Besichtigungen an, bei denen er sich mit Vertretern des Landkreises, der Kommunen und des jüdischen Landesverbandes vor Ort ein Bild über den Zustand macht. Besuche der alten Friedhofsanlagen in Grebenstein, Hofgeismar und Meimbressen standen dieses Mal an, wobei sich die Gruppe äußerst zufrieden über den guten Zustand der Anlagen zeigte.

„Von den 100 jüdischen Friedhöfen in unserem Regierungsbezirk suchen wir uns immer zwei bis drei aus“, sagte Dr. Lübcke. Die Grebensteiner Grabanlage würde sie dabei besonders interessieren, da hier im vergangenen Jahr eine große Pflegemaßnahme stattgefunden habe.

Mehr als die Hälfte der dortigen Grabsteine war vor der Sanierung in keinem guten Zustand - entweder waren die Steine umgefallen oder Teile abgebrochen. 20 000 Euro investierte das Land Hessen für die Instandsetzung des 1000 Quadratmeter großen Areals. „Die jüdischen Friedhöfe sind für uns ein wichtiges Stück europäischer Kultur, deshalb wollen wir sie auch in gutem Zustand erhalten“, sage der Regierungspräsident.

Für die Ewigkeit angelegt

Dass Grabmale im jüdischen Glauben eine herausgehobene Stellung haben, machte auch Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes jüdischer Gemeinden Hessen, deutlich: „Jüdische Friedhöfe werden für die Ewigkeit angelegt. Die Gräber werden nie neu belegt, so dass sie wichtig für die Kulturhistorie sind.“ Außerdem sei es im Judentum eine religiöse Pflicht, die Gräber in einem angemessenen, würdevollen Zustand zu erhalten, so Neumann weiter.

Auch Wolfgang Tölle, Leiter des örtlichen Museum, war bei dem Termin zugegen und erläuterte Eckdaten der Historie des Areals: „1841 wurde ein Antrag für den Bau des jüdischen Friedhofes gestellt und erst zehn Jahre später fand die erste Beerdigung hier statt.“ Zuvor wären die Grebensteiner Juden in Meimbressen beigesetzt worden, wo seiner Zeit der einzige Friedhof der Region gewesen sei. Dass es heute noch den jüdischen Friedhof gebe, sei nicht selbstverständlich, denn „während des Zweiten Weltkrieges gab es von Seiten der Stadt Grebenstein Bestrebungen, hier eine Maulbeerplantage und Bienenstöcke einzurichten“, sagte der Museumsleiter. Nach dem Krieg zogen vier Juden wieder nach Grebenstein, von denen der letzte 1980 hier beerdigt wurde.

Von Tanja Temme

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