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Laut Hofgeismarer Psychologin nehmen mehr Menschen Hilfe in Anspruch

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Von: Natascha Terjung

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Wenig Kontakte: Dass Kinder und Jugendliche wegen der Pandemie ihre Freunde seltener sehen konnten, war für sie eine herbe Belastung. Symbo
Wenig Kontakte: Dass Kinder und Jugendliche wegen der Pandemie ihre Freunde seltener sehen konnten, war für sie eine herbe Belastung. Symbo © Damai D. Dewert

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Energiekrise – mit diesen Problemen müssen alle Menschen täglich zurechtkommen. Das kann Spuren hinterlassen – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Hofgeismar – Theresia Maria Wuttke, die das Familien- und Beratungszentrum in Kelze betreibt, bemerkt seit Beginn der Corona-Pandemie, dass mehr Eltern und Kinder Hilfe suchen. Häufig gehe es dabei um Ängste und depressive Verstimmungen. Dabei seien aber die Krisen wie Corona nicht zwangsläufig der Grund für die Probleme der Kinder und Jugendlichen. Vielmehr hätten sie die psychischen Erkrankungen erst an die Oberfläche gebracht.

„Kinder gehen mit Krisen unterschiedlich um. Das hängt davon ab, was sie gelernt haben“, sagt die Tiefenpsychologin. Das menschliche Gehirn könne nur darauf zurückgreifen, was schon erlebt und gelernt worden ist – unbekannte Situationen führen daher oft zu Unsicherheit. „Ein Kind ist erst mal ein unbeschriebenes Blatt und lernt von den Eltern und seinem Umfeld.“ Sind Eltern, Erzieher oder Lehrer also zum Beispiel ängstlich wegen Corona, könnte das Kind diese Angst übernehmen. Viele Kinder reagierten dann unsicher und zögen sich zurück, bekämen zum Beispiel Bauchschmerzen.

Großes Problem: Kinder mussten soziale Kontakte reduzieren

„Angst äußert sich oft durch körperliche Symptome“ , sagt Wuttke. Auch Schlafstörungen kämen vor. Ein großes Problem der Pandemie sei gewesen, dass Kinder ihre sozialen Kontakte reduzieren mussten. Doch gerade die seien enorm wichtig.

Theresia Maria Wuttke habe viele Kinder erlebt, die erst während einer Sitzung bei ihr geweint haben, weil sie ihre Freunde nicht mehr treffen durften. „Manche wollten das ihren Eltern nicht sagen, um sie nicht zu belasten.“ Doch Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken, sei problematisch: „Macht man das zu lange, können Bedürfnisse komplett verloren gehen.“

Meistens wüssten Kinder sehr genau, was sie in schwierigen Situationen brauchen. Um das herauszufinden, müsse man ihnen aber genug Freiraum lassen und die richtigen Fragen stellen. Zudem gehören „natürliche Lebenskrisen zum Alltag“, ergänzt Wuttke.

Die Kinder zu stärken ist wichtig

Solche Krisen beginnen früh, zum Beispiel, wenn ein Kind sich am ersten Tag im Kindergarten von seinen Eltern verabschieden muss. Solche Situationen lassen sich nicht verhindern. Deshalb sei es wichtig, seine Kinder zu stärken und ihnen das nötige Wissen zu vermitteln, wie sie Krisen meistern können.

Allerdings ist das für Eltern nicht immer einfach, denn auch sie haben mit Unsicherheiten zu kämpfen, erklärt Wuttke. „Häufig sind Eltern vielen verschiedenen Meinungen ausgesetzt. Das kann dazu führen, dass sie ihren eigenen Weg nicht finden.“ Situationen könnten dann vor allem in Krisenzeiten ausweglos erscheinen, dabei hätten die meisten Menschen schon große Krisen überwunden. Sich daran zu erinnern, könne schon helfen.

Theresia Maria Wuttke empfiehlt außerdem, sich mit Menschen zu umgeben, die eine positive und lösungsorientierte Einstellung haben. Wichtig sei es, die Perspektive zu wechseln und dem Gefühl des Ausgeliefertseins positive Gedanken entgegenzusetzen. Das versucht die Psychologin auch während ihrer Sitzungen zu vermitteln. Dabei werden Gespräche sowohl mit den Kindern als auch mit den Eltern geführt.

Das Thema Krieg sollte vermieden werden

Ein Thema, worüber Eltern mit ihren Kindern nur sprechen sollten, wenn sie von selbst fragen, ist der Ukraine-Konflikt. „Krieg ist das schlimmste Szenario, davor müssen Eltern ihre Kinder auch schützen.“ Sollten Kinder das Gespräch suchen, könnten Eltern zunächst fragen, was die Tochter oder der Sohn unter Krieg eigentlich versteht. Bei Jugendlichen habe Wuttke die Erfahrung gemacht, dass die meisten ganz gut mit dem Thema umgingen. Doch nicht nur im Umfeld der Eltern kämen Kinder mit Themen wie Corona oder Krieg in Berührung, auch die Medien spielten eine wichtige Rolle. Beim richtigen Umgang mit der digitalen Welt gibt es laut Wuttke für Eltern einiges zu beachten. (Natascha Terjung)

Theresia Maria Wuttke Psychologin
Theresia Maria Wuttke Psychologin © Privat

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