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Wichtige Funde in Wilhelmsthal: Untergrund gibt Geheimnisse preis

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Von: Dorina Binienda-Beer

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Funde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts: MHK-Sprecherin Natascha Callebaut und ihr Kollege Tobias Apfel (Baudenkmalpflege) sind begeistert von den freigelegten Resten des historischen Grottenkanals im Schlosspark von Wilhelmsthal. Am Endpunkt (Richtung Schloss) ist die einstige Wasserführung im Boden abgebildet.
Funde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts: MHK-Sprecherin Natascha Callebaut und ihr Kollege Tobias Apfel (Baudenkmalpflege) sind begeistert von den freigelegten Resten des historischen Grottenkanals im Schlosspark von Wilhelmsthal. Am Endpunkt (Richtung Schloss) ist die einstige Wasserführung im Boden abgebildet. © Dorina Binienda-Beer

Nach dem völligen Abriss des maroden Grottenkanals im Schlosspark von Wilhelmsthal, einem verfälschenden Nachbau aus den 1960er Jahren, zeigen sich jetzt im Boden Hinweise auf den tiefer gelegenen Ursprungsbau aus.

Wilhelmsthal – Die mit Hilfe von Bauforschung und Archäologie frisch gewonnenen Erkenntnisse werden nach Auskunft der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) in den kommenden Monaten in die Ausführungsplanung für das neu zu schaffende Wasserbauwerk einfließen. Oberste Prämisse ist die Verwirklichung einer denkmalgerechten Rekonstruktion des Ursprungsbaus aus der Zeit um 1750. Die Wiederaufnahme der Wasserspiele nach dann fast 15-jähriger Pause erhofft die MHK für die Saison 2024.

Großbaustelle ruht

Kein Betrieb mehr auf der eingezäunten Großbaustelle, alle Baufahrzeuge abgezogen. Die Ruhe im sogenannten Grottenquartier sorgte bei Parkbesuchern für Spekulationen, das Projekt gehe seit dem Abriss nicht mehr voran. Dem trat MHK-Sprecherin Natascha Callebaut auf HNA-Nachfrage entschieden entgegen: „Wir liegen voll im Zeitplan und hoffen weiter auf die Fertigstellung Ende nächsten Jahres.“ Von der Öffentlichkeit nicht einsehbar, haben Fachleute nach der kompletten Kanalbeseitigung in der Baugrube wertvolle Reste der historischen Kanalanlage gesichert und dokumentiert.

Eindrucksvolle Zeugnisse aus der Bauzeit im 18. Jahrhundert sind gut erhaltene Tuffsteinblöcke, die der Wasserführung dienten und am Boden des abgerissenen Abschlussbeckens zu sehen sind. Aufschluss über die Position und Form des ursprünglichen Beckens am Endpunkt Richtung Schloss geben Farbunterschiede in den Erdschichten, die aus der Verfüllung des Ursprungskanals im Jahr 1798 resultieren. Diese Konturen sind ein bedeutsamer Beleg: Der historische Kanal muss, wie bereits angenommen worden war, kürzer gewesen sein als sein 60er-Jahre-Nachfolger. Somit wird auch die Kanalrekonstruktion rund zehn Meter weniger Länge aufweisen.

Steinerne Leitung: Die 270 Jahre alten Tuffsteinquader, wie hier ein Teil der steinernen Leitung, sind überraschend gut erhalten. Im Boden waren sie keinerlei Witterungseinflüssen ausgesetzt. Im Bild MHK-Mitarbeiter Tobias Apfel.
Steinerne Leitung: Die 270 Jahre alten Tuffsteinquader, wie hier ein Teil der steinernen Leitung, sind überraschend gut erhalten. Im Boden waren sie keinerlei Witterungseinflüssen ausgesetzt. Im Bild MHK-Mitarbeiter Tobias Apfel. © Dorina Binienda-Beer

Funde erwartet

Funde im Untergrund waren zwar erwartet worden, sagen Callebaut und ihr Kollege Tobias Apfel von der Abteilung Bauwesen und Baudenkmalpflege. Wie umfangreich sie sich dann zeigten, sei allerdings eine freudige Überraschung gewesen.

Die Hoffnung auf interessante Entdeckungen hat sich auch am entgegengesetzten Ende in Höhe des Grottenbeckens erfüllt. Dieses Bassin war um 1900 technisch erneuert worden.

Nach Entfernung der alten Bodenplatten stieß man jetzt auf gusseiserne Rohrtechnik aus preußischer Zeit, außerdem auf alte Sandsteinblöcke mit Lochbohrung, die vermutlich einmal als Postamente für den figürlichen Schmuck des Schwanenpaares dienten.

Gestalt annehmen wird der neue Kanal nach altem Vorbild ab dem kommenden Frühjahr. Die von Grund auf sanierte Grotte erhält schon bald ihr gewohntes Erscheinungsbild zurück.

Auf dem Plateau müssen nur noch die ebenfalls generalüberholten Baluster montiert werden. Führungen durch die Grotte, die noch eine reizvolle Innengestaltung bekommen soll, sind während der Gesamtbaumaßnahme erst mal nicht möglich.

Café muss noch warten

Ein ambitioniertes Projekt innerhalb von Schloss Wilhelmsthal lässt auf sich warten. Zur angekündigten Einrichtung des Cafés „Silberkammer“ (wir berichteten) sagte Sprecherin Callebaut, die MHK wolle dieses Vorhaben „unbedingt umsetzen“ und bemühe sich um eine Eröffnung im kommenden Jahr. Diese war ursprünglich bereits für dieses Frühjahr anvisiert worden.

Für den Gastronomiebetrieb müssten allerdings eine Reihe von technischen Grundlagen, insbesondere bei Elektroinstallation, Lüftung, Wasser und Abwasser, geschaffen werden. Auch für die MHK zeigten sich ernste Probleme, Handwerksbetriebe an die Hand zu bekommen. Aktuell laufen Callebaut zufolge Vertragsverhandlungen mit einem interessierten nordhessischen Gastronomenpaar als potentielle Pächter.

Wartturm bleibt zu

Erstmals nach Abschluss seiner Außen- und Innensanierung 2018 muss der Wartturm auf einer Anhöhe innerhalb des Schlossparks in dieser Saison für das Publikum geschlossen bleiben.

Bisher konnte der neogotische Turm mit seiner grandiosen Aussichtsmöglichkeit im Rahmen von Parkführungen besichtigt werden. Laut MHK sind massive Personalprobleme der Grund, den Turm nicht zu öffnen.

Bretter vor den Fenstern

Mit Holz vernagelte Fenster auf der Parkseite des Schlosses irritieren Besucher wegen des unattraktiven Anblicks. Dies wird kein längerfristiges Problem sein, versichert Tobias Apfel von der MHK-Baudenkmalpflege. Grund sei die Bauunterhaltung: Die Holzbauteile der Fenster, weitestgehend Originale aus der Bauzeit des Schlosses, müssen nach und nach am gesamten Gebäude überholt werden.

Ein neuer Anstrich und, wo nötig, auch Ausbesserungsarbeiten am Holz erfolgen nach Auskunft Apfels während des Sommers in einer Fachwerkstatt. Spätestens im Herbst müssten die herausgenommenen Fenster wieder eingesetzt sein.

Gusseiserne Technikzeugen: Im Bassin vor der Grotte fanden sich, wie erhofft, Relikte der Wassertechnik aus der Zeit um 1900.
Gusseiserne Technikzeugen: Im Bassin vor der Grotte fanden sich, wie erhofft, Relikte der Wassertechnik aus der Zeit um 1900. © Dorina Binienda-Bee

Info zu Parkgebühren

Die Einschätzung von Beobachtern, dass seit Einführung der Parkgebührenpflicht der Parkplatz am Schlosspark weniger genutzt würde, kann die MHK nach den Worten von Sprecherin Natascha Callebaut aktuell nicht bestätigen. Zu der umstrittenen Neuerung heißt es bei der MHK dazu, es habe an ihre Adresse weder Beschwerden von Privatleuten noch seitens der Gemeinde Calden gegeben.

Festgestellt worden sei allerdings, dass das kostenlose Ticket für das halbstündige Parken auf keiner der von der MHK bewirtschafteten Parkflächen so intensiv genutzt werde wie hier in Wilhelmsthal. (Dorina Binienda-Beer)

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