Von Wind und Wasser bewegte Objekte

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Erzwungene Gelassenheit: Wenn der schwingende Arm des Gelassenheitsgenerators am Ring einmal stören sollte – zum Beispiel beim Rasenmähen – wird er von Klaus Matthes einfach nach oben gebunden.

Ich muss etwas produzieren!“, zuckt Klaus Matthes mit den Schultern. „Und wenn es dann gerade regnet, dann gehe ich eben mit Regenmantel in den Garten“.

Jetzt muss sich Klaus Matthes leider von einem Großteil seiner Kunst-Werke trennen, da Haus und Garten im Hofgeismarer Ortsteil Hümme einen neuen Besitzer gefunden haben.

„Vieles ist schon gar nicht mehr hier, weil ich es im Lauf der Jahre verkauft, gespendet oder verschenkt habe“, sagt der gelernte Maschinenbauer, der als Marineoffizier lange zur See gefahren ist. Dennoch finden sich in dem großen Garten überall circa 30 große und kleine Kunstwerke, die den Blick auf sich ziehen (siehe auch HNA Online-Bilderstrecke).

Bildergalerie

Marktplatz: Von Wind und Wasser bewegte Objekte

Viele von ihnen spielen mit dem Wind, setzen sich sanft in Bewegung und bieten so immer wieder einen neuen Anblick. Das trifft zum Beispiel auf den Windsurfer zu, das Steinsegel oder auch die Gelassenheitsgeneratoren.

Mit den beiden Gelassenheitsgeneratoren nahm Klaus Matthes sogar im letzten Jahr am renommierten internationalen Windkunstfestival „bewegter wind“ teil. Da fanden die beiden Kunstwerke auf dem Offenberg bei Carlsdorf einen neuen Platz und wurden von zahlreichen Besuchern bewundert. „Ich bin mit meinem Leben zufrieden, aber es mangelt mir – selbst in meinem achtzigsten Lebensjahr noch – an Gelassenheit.“ Klaus Matthes erkannte, dass es diese aber nicht mal im Internet zu kaufen gibt und machte sich daran, sie selbst zu erzeugen. „Die windbewegten Objekte demonstrieren ihre Gelassenheit gegenüber den geneigten und bereiten Empfängern und leiten diese an sie weiter.“

Alle möglichen Materialien werden verwendet

Der doppelarmige Generator schwingt an einem aus dem Boden wachsenden Flacheisen, das den gleichen Neigungswinkel wie die Erdachse hat (23,5 Grad). Immer wieder pendeln sie sich gegenüber dem konstanten Horizont ein – oder diskutieren mit ihm über Stetigkeit. An seinen Armen finden sich Dinge, die Klaus Matthes zum Beispiel aus dem Sperrmüll gerettet hat. Ein Badminton- und ein Tennisschläger. „Ich organisiere mir meine Materialien von überall her“, erklärt der Künstler und deutet auf den Gelassenheitsgenerator am Ring, der im großen Radius ganz sanft seine Runden dreht. Dort finden sich nicht nur eine Fahrradnabe, der Ring eines Speisefasses und ein Radreifen, sondern auch ein Sektkorken. „Extra für dieses Kunstwerk musste eine Flasche Rotkäppchen-Sekt getrunken werden“, schmunzelt Matthes.

Werke suchen neues Zuhause

Ein wenig Bedauern schwingt schon mit, wenn er daran denkt, sich von seinen Kunstwerken zu trennen. Doch mit dem Verkauf des Grundstücks suchen diese nun ein neues Zuhause. „Ich müsste sie aber nicht wegschmeißen, selbst wenn sich kein Käufer findet“, sagt Matthes. „Die neuen Eigentümer würden sie übernehmen.“

Die Vorstellung, bald nicht mehr in der Werkstatt zu stehen und aus seinen Fundstücken Kunstwerke zu zaubern, schreckt ihn nicht. „Erstens geht eine kleine Werkstatt mit ins neue Heim und zweitens werde ich in Zukunft schnitzen und zeichnen. Mir geht es um den Spaß am Produzieren meiner individuellen Kunstwerke – und den werde ich auch in Zukunft haben.“

Von Gitta Hoffmann

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