Interview

Trendelburgs Bürgermeister: „Windkraft im Wald verhindern“

Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann. Foto:  Henke
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Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann.

Trendelburg. Im Interview teilt Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann Bedenken der Gottsbürener.

Herr Bachmann, Sie waren einer der Initiatoren der Energiegenossenschaft Reinhardswald. Was war das Motiv?

Kai Georg Bachmann: Es ist Ziel der Landesregierung, zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie zur Verfügung zu stellen. Nach dem Entwurf des Regionalplans ist davon auch der Reinhardswald betroffen. Wir Bürgermeister der Anrainerkommunen wussten, dass sich in Sachen Windenergie auch bei uns was tun soll. Die Energiegenossenschaft soll als Konstrukt dienen, damit die ggf. entstehenden Anlagen zumindest unter regionaler Beteiligung vor Ort verankert werden können.

Auf welche Weise will sich die Genossenschaft im Bereich Windenergie engagieren?

Bachmann: Wenn Flächen im Reinhardswald für Windenergie ausgewiesen werden, könnten wir komplett Planung und Projektierung übernehmen und später den Betrieb an eine GmbH und CoKG übertragen. Hierbei sollten dann vor allem auch Bürger- genossenschaften und regionale Energieversorger eingebunden werden. Das steht aber alles unter dem Vorbehalt, dass Windkraftanlagen im Reinharswald im Regioanlplan überhaupt zugelassen werden.

Die politischen Vertreter in den Kommunen, also auch in Trendelburg, stehen hinter diesem Vorhaben. Aber Bürger sind äußerst skeptisch.

Bachmann: Die Mandatsträger sind ja auch Bürger in ihren jeweiligen Orten. Auch die Mandatsträger wollen in erster Linie keine Windkraftanlagen im Reinhardswald. Sie unterstützen die Genossenschaft, damit sich die Region und ihre Städte und Gemeinden beteiligen können, wenn Windkraft hier nicht zu verhindern sein sollte.

Die Genossenschaft hat an dem Bieterverfahren von Hessen Forst teilgenommen. Gibt es schon eine Antwort der Landesgesellschaft?

Bachmann: Ja, wir hatten im Februar unser Angebot für die Flächen Farrenplatz und Steinkopf abgegeben. Wenn sich diese Flächen als realistisch für die Installation von Anlagen erweisen, dann wollen wir sie haben und keinem Investor von außerhalb das Feld überlassen. Aber vorrangiges Ziel der Stadt Trendelburg ist es, grundsätzlich Windkraftanlagen im Reinhardswald zu verhindern. Die Energiegenossenschaft ist die einzige Anbieterin, die es widerspruchslos hinnehmen würde, wenn die Flächen aus dem Regionalplan komplett herausgenommen werden würden.

Viele Menschen befürchten, dass Reiz und Schönheit unserer Landschaft stark beeinträchtigt werden, wenn überall die neuen riesigen Windräder aufgestellt würden. Können sie das verstehen?

Bachmann: Ja, ich hoffe selber, dass die Zahl der Anlagen so gering wie möglich ausfällt, weiß aber auch, dass wir mit unserer ablehnenden Haltung gegen Windkraftanlagen im Reinhardswald nicht die alleinigen Entscheider sind. Wenn die Vergabe von geeigneten Flächen durch das Land Hessen vorangetrieben wird - und nur dann - sollte zumindest vordringlich die Energiegenossenschaft Reinhardswald berücksichtigt werden.

Der Bürgerprotest gegen Anlagen im Wald ist stark angeschwollen. Kann die Kommunalpolitik dagegen überhaupt „anregieren“?

Bachmann: Bürgerprotest ist ein wichtiges Element unserer Demokratie. Ich denke aber auch, es wird wichtig sein, in den nächsten Monaten mit den Vertretern der BI Pro Reinhardswald wieder eine sachliche Gesprächsebene zu finden. Gegen den Protest Anregieren ist nicht notwendig, denn die Forderung „Keine Windkraft im Reinhardswald“ wird von der Stadt Trendelburg grundsätzlich unterstützt. Der Unterschied zwischen BI und Stadt liegt darin, dass die Stadt für den Fall, dass dieser Forderung nicht oder nur teilweise nachgekommen wird, vorbereitet sein will.

Heute soll die Stadtverordnetenversammlung laut Vorlage des Magistrats beschließen, dass sich Trendelburg grundsätzlich gegen Windkraft im Wald positioniert. Wird dieses Votum Eindruck bei den Planern des RP hinterlassen?

Bachmann: Das hoffe ich doch sehr stark, schließlich sind wir die am stärksten betroffene Anrainerkommune. Ich gehe auch davon aus, dass die Stellungnahme der Stadt Trendelburg nicht die einzige ist, die sich in dieser Richtung positioniert. Trendelburg will von sich aus keine Windkraft im Reinhardswald.

Für Sie als neuen Bürgermeister ist der Streit um die Windkraft im Wald der erste größere Konflikt, den sie durchzustehen haben. Welche Spuren hinterlässt dies?

Bachmann: Ich merke das erste Mal, wie schwierig es ist, komplexe Sachverhalte zu kommunizieren. Das geht nur, wenn man im Gespräch bleibt. Mir geht es darum, klar zu machen, dass wir schon jetzt an die Situation denken müssen, die entsteht, wenn unsere Einwände nicht den gewünschten Erfolg haben. Da macht man sich aber nicht nur Freunde mit.

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