Informationsveranstaltung zur Windkraft im Reinhardswald

28 Windräder für Gottsbüren?

Großes Interesse: Mehr als 150 Bürger waren in die Gottsbürener Reinhardswaldhalle gekommen, um sich über die Planungen zur Windkraft zu informieren. Wie andere warnte auch Rüdiger Menke, Sprecher der Bürgerinitiative Pro Reinhardswald, vor der Verschandelung der Landschaft. Foto:  Henke

Gottsbüren. Der Trendelburger Stadtteil Gottsbüren ist idyllisch gelegen. Das Naturschutzgebiet Holzapetal ist nicht weit und Sababurg, Friedwald und Urwald sind nur ein paar Kilometer entfernt.

Der Reinhardswald bildet eine einladende, naturnahe Kulisse. Doch damit könnte in den nächsten Jahren Schluss sein. Viele Einheimische befürchten, dass sich rings um Gottsbüren bald riesige Windräder drehen.

Wie sehr dieses Thema die Gottsbürener bewegt, wurde am Dienstagabend deutlich. Mehr als 150 Bürger waren der Einladung des Aktionsbündnisses Beberbeck gefolgt und ließen sich von Projektierern, Naturschutzverbänden und Politikern über Planungen und Absichten informieren.

Der Ort Gottsbüren selber liegt im Tal des Fuldebaches, aber in seiner Gemarkung liegen auch der Langenberg sowie der Hahneberg - beide über 400 Meter hoch. Genau diese topographischen Merkmale sind es, die den Ort für Investoren von Windenergieanlagen so interessant erscheinen lassen.

Lars Rotzsche, Prokurist der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN), eine gemeinsame Gesellschaft von sechs regionalen Stadtwerken, kann sich deshalb 28 bis zu 200 Meter hohe Windräder auf den Höhenrücken rings um Gottsbüren vorstellen. Dass dabei die Eingriffe in den Wald erheblich sind, ließ Rotzsche nicht unerwähnt. So ist für jede Anlage eine Fläche von 7000 Quadratmetern notwendig und die verkehrliche Erschließung muss über mindestens vier Meter breite Wege führen. „Solche Anlagen kann man nicht verstecken“, sagt Rotzsche. Doch um nicht unnötig Lebensraum Wald zu zerstören, planten die SUN vorzugsweise auf von dem Orkan Kyrill geschädigten Flächen. Die Stadtwerke Union wolle Bürger an allen Anlagen beteiligen, versicherte Rotzsche.

Zuschlag für Höchstbietenden

Doch, ob die SUN auch den Zuschlag für den Bau von Windkraftanlagen bei Gottsbüren erhält, ist längst nicht ausgemacht. Denn die Flächen gehören zum Forstgutsbezirk Reinhardswald, der vom Landesbetrieb HessenForst verwaltet wird. Und das Land, so bestimmt es ein Erlass von Umweltministerin Lucia Puttrich, soll an den jeweils Höchstbietenden vergeben.

Dafür, dass die Energiewende auch in der Region mit Windkraft gefördert wird, warb der ehemalige Kasseler Landrat, Dr. Udo Schlitzberger, als Moderator der Veranstaltung. Dabei müssten aber die öffentliche Hand, Kommunen und Bürger die Chance erhalten, mitzuwirken. Sonst, so Schlitzberger, machen das Geschäft auswärtige Investoren. Der Ex-Landrat sieht an diesem Punkt eine Entscheidung von „historischer Tragweite“.

Damit die Wertschöpfung, die mit der Windkraft generiert werden kann, auch vor Ort bleibt, haben acht Bürgermeister der Reinhardswald-Anrainer-Kommunen eine Energie-Genossenschaft gegründet. „Wir müssen als Region geschlossen auftreten“, sagt Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann, „damit wir selber hier unseren Fußabdruck hinterlassen.“

Von Gerd Henke

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