Entwurf des Teilregionalplans Energie Nordhessen

Windräder sollen auch am Friedwald stehen

Reinhardswald. Der Friedwald im Reinhardswald ist letzte Ruhestätte für 5000 Verstorbene. Nun sorgen sich Angehörige, dass es mit der Totenruhe bald vorbei sein könnte.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Friedwaldes könnten sich demnächst riesige Windräder drehen. Das sieht der aktuelle Entwurf des Teilregionalplans Energie Nordhessen vor.

Es ist die Planfläche „KS 04c“, an der Angehörige von Verstorbenen und Menschen, die bereits einen Friedwald-Baum für ihre eigene Urne gekauft haben, heftig Anstoß nehmen. Denn im Gegensatz zum ersten Entwurf taucht diese Fläche zur Überraschung vieler nun erstmals in dem überarbeiteten Energieplan auf. Sie ist mit 122,42 Hektar ausgewiesen und trägt im Regierungspräsidium den Arbeitsnamen „Knotberg“. Vom Areal des Friedwaldes ist sie nur durch Waldwege und die Höhenstraße getrennt.

„Das ist eine Unverschämtheit, dass sich neben dem größten hessischen Friedhof demnächst Windkrafträder einer großen industriellen Anlage drehen sollen“, empört sich Hermann-Josef Rapp aus Reinhardshagen. Der ehemalige Förster hat schon im Jahr 2002 für seine Familie einen Friedwaldbaum gekauft. Die Urnen von fünf verstorbenen Familienmitgliedern liegen hier bereits. Auch Bernd Kröhnert hätte für seine Familie hier „nie einen Baum gekauft, wenn wir von dieser Planung gewusst hätten“. In seinen Augen würden 200 Meter hohe Windkraftanlagen mit ihrem Schall und Schattenwurf die Totenruhe stören und damit einen Straftatbestand erfüllen.

Bei der Friedwald GmbH aus Griesheim, Betreiberin des Friedwaldes, war man von den neuen Plänen ebenfalls überrascht. „Wir werden die Sachlage prüfen und uns für die Interessen unserer Kunden einsetzen“, sagt Michael Bachmann, Mitglied der Geschäftleitung.

Hintergrund: Plan liegt noch bis 15. Mai offen

Im Regierungsbezirk Kassel sollen zwei Prozent der Flächen als Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen werden. Das sind rund 16 600 Hektar. Viele Flächen befinden sich in der Nordspitze, einige große auch im Reinhardswald. Festgelegt werden die Areale im Teilregionalplan Energie. Dieser soll mit dem gesamten Regionalplan im Herbst von der Regionalversammlung Nordhessen endgültig beschlossen werden.

Der Energieplan befindet sich noch bis zum 15. Mai in der zweiten Offenlegung. Bis zum 29. Mai sammelt das Regierungspräsidium Kassel noch Anregungen, Hinweise und Kritik. Stichhaltige Stellungnahmen werden dann in den Plan eingearbeitet.

Rubriklistenbild: © dpa

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