Windkraft-Gebiet in Nähe zur Ruhestätte

Windvorranggebiet im Reinhardswald: Friedwald ist nicht eingezeichnet

Windkraft in Nachbarschaft zum Friedwald: Gleich hinter dem Waldweg beginnt die neue Windvorrangfläche KS 04c, zeigt Christine Rapp, die mit ihrem Ehemann Hermann-Josef (rechts) unter dem Familienbaum steht. Wie die Rapps sind auch Bernd Kröhnert (links) und Willi Bostmeyer über den neuen Entwurf des Teilregionalplans Energie empört. Foto:  Henke

Reinhardswald. Auf den Karten des Regierungspräsidiums ist das Areal der letzten Ruhestätten gar nicht zu nicht zu finden.

Möglicherweise war den Planern die heikle Nachbarschaft gar nicht bewusst. Nach der ersten Offenlegung des Teilregionalplans Energie gingen rund 15.000 Einwendungen beim Regierungspräsidium Kassel ein. Seinerzeit war die Fläche KS 04c noch nicht im Entwurf enthalten. Doch weil das neue für Windkraft vorgesehene Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedwald auftaucht, gibt auch diese Windvorrangfläche Anlass für Einwendungen und Kritik. Schließlich liegen auf dem 116 Hektar großen Friedwaldgelände die Urnen mit der Asche von 5000 Verstorbenen. Für weitere 1000 Urnen gibt es Reservierungen.

„Es gefällt uns nicht, dass hier Windkraftanlagen aufgestellt werden könnten“, sagt Michael Bachmann, Mitglied der Geschäftsführung bei der Friedwald GmbH. Menschen, die hier bestattet werden wollten, hätten den Ort ja gerade wegen des natürlichen Umfeldes und der Waldesruhe gewählt. „Windkraftanlagen berühren dieses Interesse unmittelbar“, sagt Bachmann, es sei klar, „dass wir hier tätig werden müssen“. Die Friedwald GmbH werde sich die „wirkungsvollste Möglichkeit dagegen überlegen“. Man habe ja noch bis zum 29. Mai Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben.

Bei Hessen-Forst, der als Eigentümer die Waldflächen an die Friedwald GmbH verpachtet hat, hat man erst durch die zweite Offenlegung erfahren, dass das neue Windvorranggebiet nördlich an den Friedwald angrenzt. Die neue Fläche sei offenbar der Ausgleich dafür, dass man die Fläche KS 04b bei Gottsbüren verringert hat, meint Detlef Stys, stellvertretender Leiter des Landesbetriebs. Fragen nach der Verträglichekit von Windkraftanlagen und Friedwald müssten indes die Fachleute des Betreibers beantworten. Persönlich könne Stys nachvollziehen, „dass Menschen sich an Windrädern neben dem Friedwald stören“.

Kritisch sieht man auch beim Landkreis Kassel die neue Windvorrangfläche. Denn von hier aus gibt es enge Sichtbeziehungen zur Sababurg und zum Tierpark. Im Hinblick auf den Tourismus würden sich 200 Meter hohe Windkraftanlagen, die nur zwei Kilometer von der Sababurg entfernt stünden, als hinderlich erweisen, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Kreises. Ob indes nach dem Friedhofsrecht der Friedwald einen besonderen Schutz der Totenruhe beanspruchen könne, müsse geprüft werden. Kühlborn wundert sich, dass in den neuen Karten zur zweiten Offenlegung der Friedwald gar nicht eingezeichnet ist. „Als Landkreis werden wir da jetzt ein besonderes Augenmerk drauf legen“, so der Kreissprecher.

Einzelprüfung jedes Antrags 

Im Regierungspräsidium in Kassel kann man die Bedenken „nicht ganz nachvollziehen“. Jörg Wiegel, stellvertretender Pressesprecher des RP, hält die notwendigen Abstände des neuen Windvorranggebietes zum Friedwald für ausreichend. Zudem seien mit der Fläche ja noch keine konkreten Standorte für einzelne Windkraftanlagen benannt. Und auch, ob sich hierfür überhaupt Investoren finden ließen, sei offen. Wiegel weist darauf hin, dass jeder Bauantrag für ein Windrad eine Einzelprüfung nach dem Bundesimmissionschutzgesetz (BImschG) nach sich ziehe.

Für Hermann-Josef Rapp, den bekannten Waldführer und Naturfreund, liegt der Fall der Windräder am Friedwald jedoch klar: „Man könnte meinen, die Planer hätten den Verstand verloren.“

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