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Engländer im Kreis sind betroffen vom Tod der Königin

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Von: Thomas Thiele, Bernd Schünemann, Denise Dörries

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Der gebürtige Engländer Martin Smith aus Grebenstein trauert um die Queen. Von ihrem Tod habe er über die britischen Nachrichten im Fernsehen erfahren.
Der gebürtige Engländer Martin Smith aus Grebenstein trauert um die Queen. Von ihrem Tod habe er über die britischen Nachrichten im Fernsehen erfahren. © Denise Dörries

Ein ganzes Land ist erschüttert: Queen Elizabeth ist tot. Die Trauer geht über die Landesgrenzen hinaus bis nach Nordhessen.

Kreisteil Hofgeismar – Mit einem stolzen Alter von 96 Jahren ist die Queen auf ihrem Landsitz in Schottland Balmoral gestorben. Stunden vor ihrem Ableben wurde bekannt, dass der Gesundheitszustand der Queen kritisch sei und sie unter ärztlicher Beobachtung stünde. Spätestens bei der Bekanntgabe, dass Familienmitglieder nach Balmoral reisten, wurde der Ernst der Lage deutlich.

Weit über die Landesgrenzen hinaus bewegt die Nachricht über den Tod der britischen Königin zahlreiche Menschen. Unter ihnen auch Engländer aus Nordhessen.

Der Grebensteiner Martin Smith hat vom Tod der Queen aus dem Fernseher erfahren. Ein großer Fan der Queen war Smith nie, die Nachricht habe ihn aber trotzdem getroffen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so treffen würde, aber das hat es“. Gerade zu dieser Zeit erinnert er sich an die einzige Begegnung mit der Queen. „Damals war ich 15 Jahre alt und die Queen hat im Auto gesessen und gewunken“. Mittlerweile lebt der 70-Jährige seit 48 Jahren in Deutschland und besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Auch seine Kinder leben in Deutschland. „Wir haben uns gestern über SMS ausgetauscht, meine Kinder sind genauso betroffen“, sagt Smith.

Der Grebensteiner betont, dass die Queen eine gute Königin war und noch im hohen Alter viel gearbeitet hat. „Sie war die Einzige, die immer da war und immer gleich geblieben ist“, erzählt Smith. Mit seinen Verwandten aus England konnte er noch nicht sprechen, ist sich aber sicher, dass das ganze Land in Trauer ist, da der Tod doch überraschend kam. „Ich denke, wir haben alle nicht bemerkt, was die Queen am Ende tatsächlich für eine Bedeutung hatte“, sagt er. Jetzt ist Smith erst einmal gespannt, wie Charles in die großen Fußstapfen seiner Mutter tritt.

Die Queen wurde als volksnah wahrgenommen

„Ich bin traurig, sie war eine großartige Frau“, sagt David Gunson, der in Gottsbüren den Pub „Pilgrims Corner“ führt. Üblicherweise höre er deutsches Radio, jetzt aber den britischen Rundfunk, um aktuelle Informationen zu bekommen. Gunson weist darauf hin, dass Königin Elizabeth viel gemacht habe, dass nicht den Weg in die Medien gefunden habe. So habe sie in seiner englischen Heimat im Lake District nahe der schottischen Grenze einen Kindergarten und ein Krankenhaus besucht. Sie habe mit den Kindern gespielt und sei sehr volksnah gewesen. Mit solchen Besuchen habe sie den Menschen in England Zuversicht gegeben, sagte Gunson. Gefreut hat er sich über die Geste von zwei Gottsbürenern: Sie seien am Donnerstagabend zu ihm gekommen und hätten ihm ihre Anteilnahme am Tod der Königin ausgedrückt. Gunson ist sich sicher: „Wir werden sie vermissen.“

Die Todesnachricht habe bei ihm viele Emotionen ausgelöst, berichtet Andrew Couling, der in Trendelburg wohnt. Er war zwölf Jahre Soldat in der britischen Armee – und damit war die Königin seine „Chefin“. Deswegen hatte die Nachricht für ihn eine besondere Bedeutung. Einmal hat er die Queen selbst erlebt, im Jahr 2010 bei einer großen Militärparade in London. Als er im Einsatz in Afghanistan war, feierte Elizabeth Thronjubiläum. Damals habe jeder Soldat einen Brief und ein Paket mit Tee und Keksen bekommen, erzählt der Trendelburger. Nun sei er gespannt, wie sich die britische Monarchie mit König Charles an der Spitze „in den nächsten Jahren entwickeln wird“.

Geduld und Stärke zeichneten die Queen aus

Auch Couling hebt hervor, dass sie in schwierigen Zeiten Geduld und Stärke gezeigt habe. „Das bleibt hoffentlich im Herz jeden Engländers.“ Couling hatte am Donnerstag in Dortmund vom Tod Elizabeths erfahren. Dort habe „jeder über diese Nachricht gesprochen“.

Sue Freitag aus Niedermeiser war am Donnerstag zunächst erstaunt, als sie unterwegs von einem Bekannten über ihr Handy eine Beileidsbekundung erhielt. Auf Nachfrage erfuhr sie, was geschehen war. Die Lehrerin, die seit 1985 in Deutschland lebt, aber enge Kontrakte zur Verwandtschaft in England hat und täglich sowohl deutsche wie auch britische Nachrichten schaut, bezeichnet die Queen als eine ganz bemerkenswerte Person, die viel Eindruck hinterlassen habe. „Für viele, vor allem ältere Leute in England ist das sicher ein einschneidendes Erlebnis, weil die Queen den Menschen in schwierigen Lagen oft Mut zusprach und nah bei ihnen war.“ Die Königin, die als junge Frau Mechanikerin war und nicht nur zuschaute, sondern mit anpackte, sei pflichtbewusst und diszipliniert gewesen. Freitag: „Es war schwer, sie nicht zu mögen und für viele Ältere wird das ein schwerer Abschied.“

In London herrscht ein Schockzustand

„Hier sind im Moment alle unter Schock und in tiefer Trauer“, sagt die gebürtige Ehlenerin Anna Jordahl, die seit 1998 in London lebt, wo sie als Stagemanagerin arbeitet. Besonders beeindruckt habe sie am Donnerstag das Bild der vor dem Buckingham Palace stehenden Taxis. „Die Fahrer haben sich dort aus Respekt vor Queen Elizabeth versammelt, das war wirklich bewegend“, sagt die 47-Jährige.

Aufgrund des hohen Alters der Queen sei man zwar irgendwie bereits vorbereitet gewesen, doch „die Menschen in England werden wohl erst in ein paar Tagen wirklich realisieren, was geschehen ist“. Nun regele das Protokoll die zwölf Trauertage bis zur Bestattung, unter anderem würden Schulen geschlossen und beispielsweise Sportveranstaltungen abgesagt. (Bernd Schünemann, Thomas Thiele und Denise Dörries)

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