Gebäude in Wesertal verkauft

Wird ehemalige Flüchtlingsunterkunft in Gieselwerder Treff für Rechte?

Das ehemalige „Appartement Hotel Waldmühle“ in Gieselwerder
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Das ehemalige „Appartement Hotel Waldmühle“ in Gieselwerder war über Jahre eine Flüchtlingsunterkunft. Nun wohnt dort offenbar der Rechtsextremist Meinolf Schönborn, der zuletzt im Knüll (Schwalm-Eder) aktiv war.

Versucht ein in der Szene gut vernetzter Rechtsextremist in Gieselwerder einen Treffpunkt und Wohnort für Gleichgesinnte aufzubauen?

Gieselwerder - Meinolf Schönborn ist dort offenbar in das ehemalige „Appartement Hotel Waldmühle“ gezogen, in dem zuletzt Flüchtlinge untergebracht waren.

Der mehrfach einschlägig verurteilte Schönborn ist in Nordhessen kein Unbekannter. Nach HNA-Recherchen hatte der 65-Jährige unter anderem im ehemaligen Anwesen des verstorbenen Rechtsterroristen Manfred Roeder im Knüll in Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis) Seminare für die rechte Szene organisiert.

Zuletzt soll er in Knüllwald-Wallenstein gewohnt haben. Auf Social-Media-Kanälen wirbt er für NPD-Veranstaltungen, agitiert gegen Flüchtlinge – und zuletzt gegen vermeintliche „Corona-Zwangsimpfungen“. Nun ist er wohl in Wesertal-Gieselwerder untergekommen.

Nach HNA-Informationen soll ein naher Angehöriger dort ein ehemaliges Hotel gekauft haben. Schönborn selbst ist vor Ort wiederholt gesehen worden, wie Anwohner berichten. Sein Name steht auf dem Klingelschild.

Laut einem Bericht der Zeitung Taz soll er planen, das Anwesen zu einer Residenz umzuwandeln: zu einem Gemeinschaftsprojekt für Patrioten mit einem deutschen Kulturzentrum und einem Wohnangebot. Die Anlage soll, so die Informationen der Taz, Bewohnern als „Schutz- und Trutzburg“ dienen – sie sei gut zu verteidigen.

Unterlagen zu solchen Plänen liegen in der Gemeindeverwaltung von Wesertal nicht vor. Und ob tatsächlich Meinolf Schönborn im alten Hotel eingezogen ist und jetzt in Wesertal wohnt, das kann Cornelius Turrey, frisch gewählter Bürgermeister und bis zur Amtseinführung noch vorläufig mit den Aufgaben des Verwaltungschefs betraut, aus Datenschutzgründen nicht bestätigen.

Eines betont er allerdings: Ein Vorkaufsrecht für die Kommune habe es in diesem Fall nicht gegeben, es habe sich um eine Versteigerung auf einer privaten Plattform gehandelt. Der vorherige Besitzer habe keinen Bezug zur Gemeinde, er hatte das Gebäude an den Landkreis Kassel vermietet als Flüchtlingsunterkunft.

Grundsätzlich sei für braune Umtriebe in der Gemeinde kein Platz, bekräftig Turrey. Man habe zuletzt auch schon Informationsveranstaltungen für die Einwohner zum Umgang mit Rechtsextremismus geplant, wegen Corona aber verschieben müssen.

Ortsvorsteherin Gunkel-Becker bedauert, dass im Sommer nicht andere Interessenten den Zuschlag für das ehemalige Hotel bekommen haben. „Da waren nette, bürgerliche Leute darunter, die beispielsweise touristische Pläne oder solche für eine Senioren-WG hatten.“ Sie weist darauf hin, dass Gieselwerder und die gesamte Gemeinde Wesertal überhaupt kein Fleck für neonazistische Umtriebe seien.

„Wir sind eine offene, bunte, tolerante Gesellschaft, in der viele Menschen unterschiedlicher Herkunft ihren Platz haben.“ In der Gemeinde habe es in den drei Flüchtlingsunterkünften in all den Jahren keinen einzigen ausländerfeindlichen Zwischenfall gegeben. Aber Gunkel-Becker weiß auch, dass, solange keine Straftaten von dem Anwesen Mühlenplatz 9 ausgehen und niemand zur Gewalt aufruft, „unsere Demokratie das aushalten muss“.  (Matthias Müller und Gerd Henke)

Mehrfach verurteilt

Der mehrfach verurteilte Meinolf Schönborn (65) war Mitgründer der Partei Nationalistische Front und ist Aktivist in der rechten Szene. Er war zeitweise Stabsunteroffizier der Panzertruppe der Bundeswehr. Wegen Volksverhetzung und Verbreitung rechtsextremistischer Propaganda wurde er zweimal rechtskräftig verurteilt und saß auch im Gefängnis. Über seine Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ verbreitet er rechte Thesen und Verschwörungstheorien.

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