Magerrasen sollen Vorbild werden

Wissenschaftler untersuchen Biotope an Warme und Diemel

Ein Schwalbenschwanz - eine bunte Schmetterlingsart - sitzt auf einer Blüte.
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Ein Schwalbenschwanz: Der seltene Schmetterling ist einer der Bewohner der Magerrasen im Warme- und Diemeltal

Die Magerrasenflächen zwischen Dörnberg und Diemeltal sollen ein Aushängeschild für den Tourismus werden. Das Diemeltal ist eins der „European Butterfly Areas“.

Kreis Kassel - Auf den bunten Flächen blühen nicht nur seltene Pflanzen auf nährstoffarmen Böden, darunter Orchideen. Die Magerrasen zählen zu den artenreichsten Schmetterlingsgebieten im Norden Deutschlands. Mehr als 100 Falterarten haben Forscher der Universität Osnabrück in dem „Butterfly Area“ beobachtet, unter anderem den seltenen Schwalbenschwanz.

Damit die typischen Tier- und Pflanzenarten dort langfristig leben und sich vermehren können, müssen die Flächen gepflegt werden. Dafür hat der Kreis Büsche und Sträucher entfernen lassen. Bund, Länder und Kreis investieren 1,7 Millionen Euro für die Erhaltung der Biotope.

Die Heide als Vorbild

Diese Lebensräume zwischen Dörnberg und Diemeltal sollen miteinander vernetzt werden, kündigte Reinhard Vollmer, Naturschutzförster im Forstamt Wolfhagen, an. Über diese sogenannten Trittsteine – die Magerrasen im Warmetal – können sich Tiere und Pflanzen besser ausbreiten. Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück begleitet mit seinem Team das Vorhaben wissenschaftlich. Er sieht die Lüneburger Heide als Vorbild: Dort wurde vor mehr als 100 Jahren der Naturpark gegründet, um die Heide zu erhalten. Damit entstand ein Schutzgebiet, das heute eine wichtige Rolle im niedersächsischen Tourismus spielt.

Besucher können die Magerrasen über den Schmetterlingssteig erwandern. Der Ende Juni eröffnete Wandersteig verbindet 20 Gebiete im Diemeltal.

Wissenschaftler untersuchen Renaturierung

Die Erkenntnisse der Osnabrücker Forscher sollen dazu beitragen, den Schutz anderer Magerrasen-Gebiete in Deutschland zu verbessern. Die Ökologen wollen unter anderem wissen, wie die empfindlichen Flächen am besten vor dem Zuwachsen durch Büsche und Sträucher geschützt und wie sie gepflegt werden können.

Die Forscher untersuchen auch, wie frühere Magerrasenflächen renaturiert werden können. Dafür haben sie am Weinberg bei Hofgeismar und am Hölleberg bei Langenthal Mähgut von anderen Flächen ausgebracht. Damit wollen sie Samen seltener Pflanzen auf die Böden bringen, um deren Entwicklung zu beschleunigen. Auch diese Erkenntnisse sollen in anderen Schutzgebieten genutzt werden. (Bernd Schünemann)

296 Pflanzenarten auf den Magerrasen

296 verschiedene Pflanzenarten haben die Wissenschaftler der Uni Osnabrück auf den untersuchten Flächen im Diemeltal festgestellt. Mehr als 40 davon gelten als gefährdet. Die größte Artenzahl haben die Landschaftsökologen auf den Magerrasen gefunden, auf denen Sträucher und Büsche schon früher entfernt worden waren. Diese Entwicklung bewerten die Wissenschaftler positiv. Dort hätten sich bereits charakteristische Magerrasenarten angesiedelt.

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