Kernkraftwerk soll endgültig verschwinden

Würgassen: Abriss frühestens in fünf Jahren

+
Verschrottung: Viele der ungefährlichen Bauteile aus dem Kernkraftwerk Würgassen wurden recycelt - beispielsweise für den Straßenbau.

Drei Jahre nach dem Abschluss des internen Rückbaus der Atomtechnik im Kernkraftwerk Würgassen ist der endgültige Abriss der Bauwerkshülle immer noch nicht konkret geplant.

Nach Angaben des Betreibers Preussen Elektra könnte der Gebäudeabriss frühestens 2022 beginnen, sofern das Endlager Schacht Konrad dann in Betrieb gegangen ist.

Der nukleare Rückbau des Kernkraftwerks wurde (wie mehrfach berichtet) bereits im August 2014 abgeschlossen, erläuterte Kraftwerksleiter Markus Wentzke vergangene Woche, als Bürgermeister und Medienvertreter aus der Umgebung der ebenfalls von PreussenElektra betriebenen Kernkraftwerke Isar und Grafenrheinfeld sich ein Bild vom Stand der Stilllegung in Würgassen machten. Die Gebäude des ehemaligen Kontrollbereichs sind freigemessen und erfüllen die Voraussetzungen für den Abriss. Insgesamt wurden bisher 35 000 Tonnen Systeme und Bauteile demontiert und entsorgt. Das vielstöckige Hauptgebäude steht jedoch immer noch. 

Noch im Zwischenlager

Derzeit erfolgen die vorbereitenden Arbeiten für die Entlassung der Anlage aus der atomrechtlichen Überwachung. Aus dem Rückbau der Anlage sind etwa 7400 Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Abfall hervorgegangen. Diese lagern in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände und warten dort nach entsprechender Vorbereitung auf den Abtransport ins Bundesendlager Konrad bei Salzgitter. „Sobald dies abgeschlossen ist, kann der konventionelle Abriss der Gebäude beginnen“, sagte Wentzke, der aktuell noch mit 17 Mitarbeitern am Standort Würgassen tätig ist. Die Anlage arbeitet derzeit im Zwischenlagerbetrieb.

Die Einlagerung der radioaktiven Abfälle soll im Schacht Konrad in einem ehemaligen Eisenerz-Bergwerk bei Salzgitter (Niedersachsen) erfolgen. Die ersten Pläne für Schacht Konrad stammen aus den 1980er Jahren. Die jüngste Genehmigung basiert auf dem Technik-Stand von 2007, muss aber, da es sich größtenteils um einen Neubau handelt, an die heute gültigen Vorschriften angepasst werden. Dafür müssen mehrere Milliarden Euro investiert werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die erneute Prüfung und den Nachweis, dass vom Endlager Konrad auch nach den dann aktuellen Anforderungen keine Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen werden. Erst nach dieser Überprüfung werde die Anlage vermutlich im Jahre 2022 den Endlagerbetrieb aufnehmen. Frühestens dann könne die Einlagerung der Abfälle aus Würgassen beginnen.

Bei der Besichtigung am Donnerstag machten sich die Besucher ein Bild davon, wie die Kernkraftwerke in ihrer Region in einigen Jahren aussehen könnten. In dem leergeräumten Betonkörper in Würgassen sagte Kraftwerksleiter Wentzke: „Mit dem erfolgreichen Rückbau unserer Anlage haben wir den Beweis angetreten, dass wir Kernkraftwerke zurückbauen können, und wir haben dies sicher und umweltschonend getan. Unser Wissen und die Erfahrung sind für die anstehenden Rückbauprojekte von immensem Wert.“

19 Jahre in Betrieb 

Das Kernkraftwerk Würgassen war das erste rein kommerziell genutzte Kernkraftwerk in Deutschland. Es wurde von 1968 bis 1971 erbaut und war von 1975 bis 1994 in Betrieb. Es erzeugte 72,9 Mrd. kWh Strom. Bei einer Revision wurden Haarrisse im Stahlmantel des Reaktorkerns gefunden. Die Betreiberin beantragte 1995 aus wirtschaftlichen Gründen eine Stilllegungs- und Abbaugenehmigung. Von 1997 bis 2014 wurde das Kraftwerk für über eine Milliarde Euro zurückgebaut und von radioaktiven Stoffen befreit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.