Nach ZDF-Beitrag

Ehemaliger Wirt in Reinhardshagen: "Nazis hätte ich zum Teufel gejagt"

Das Scharfe Eck in Reinhardshagen.

Reinhardshagen. War das "Scharfe Eck" in Reinhardshagen ein Treffpunkt der rechtsextremen Szene? Drei Tage nach der Meldung, die die Gemeinde in Aufruhr versetzte, äußert sich jetzt der ehemalige Pächter und Betreiber der Gaststätte gegenüber der HNA.

"Ich habe niemals Neonazis in unserem Haus gesehen. Da kam keiner in Springerstiefeln", sagt Walter Krawczyk zu den Behauptungen. Wahr sei, dass sich regelmäßig Mitglieder des Motoradclubs Hells Angels in der Kneipe getroffen hätten. Krawczyk selbst war jahrelang Mitglied der Kasseler Hells Angels.

Laut eigener Aussage war der 50-Jährige von 1999 bis 2002 Pächter und Betreiber des Scharfen Ecks. Die Kundschaft habe zu einem großen Teil aus Ortsansässigen bestanden. "Wir waren die einzige gut laufende Gaststätte in der Stadt. Die Leute kamen zum Feierabendbier. Wir hatten viele Stammkunden, sogar ganze Fußballverein, die vorbei kamen."

Allerdings seien auch immer wieder Auswärtige ins Lokal gekommen. Krawczyk nennt sie "Laufkundschaft".

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Regelmäßig hätten Mitglieder der Hells Angels die Gaststätte besucht, sagt der frühere Höllenengel Krawczyk. Das sprach sich auch im Ort herum, viele Reinhardshäger können sich heute noch an die Motorräder vor der Gaststätte erinnern. Die Kasseler Hells Angels sind seit dem Jahr 2012 nicht mehr aktiv.

Laut dem Bericht des ZDF sollen Neonazis in dem Lokal verkehrt haben, sogar von Mitgliedern der verbotenen Blood and Honour-Gruppe ist die Rede: Fühlt sich Krawczyk durch solche Behauptungen diskreditiert? "Schockiert, ja. Und die Leute in der Stadt sind entsetzt."

Er sagt, wenn jemals ein Neonazi ein Bier im Scharfen Eck getrunken hätte, dann nur, weil Krawczyk ihn nicht als Neonazi erkannte.

"Wenn ein Nazi hier rein gekommen wäre, hätte ich ihn zum Teufel gejagt." Der Rechtsradikalismus entspreche nicht seiner politischen Einstellung, sagt Krawczyk. "Und das wissen die Leute hier auch." (jsm)

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