Wir haben einen Blick in Hofgeismarer Kneipen geworfen

Zehn Jahre Rauchverbot: In kleinen Kneipen wird dennoch wieder gequalmt

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Kein Kämmerchen: Im Hofgeismarer Gasthaus Köpenick können Besucher in einem separaten Raum Zigaretten, Zigarren und Pfeife rauchen. Hier machen Wirt Frank Jesgars, Nour-Eddine Belarbi und Mark Koch (von links) gemeinsam eine Raucherpause.

Hofgeismar. Eine kleine Kneipe mitten in Hofgeismar: Schon am Morgen wird hier bei einem Schöppchen Geselligkeit an der Theke gelebt. Zigaretten gehören natürlich dazu. 

Zehn Jahre nach der Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes wird in einigen Gasthäusern noch immer kräftig gequalmt - und das sogar legal. „Seit dem Hessentag verkaufen wir keine Speisen mehr - deshalb darf bei uns jeder Rauchen, der es möchte“, heißt es beispielsweise im Bratwurst-Glöckle, einer alteingesessenen Kneipe in der Hofgeismarer Fußgängerzone, wo es nun keine Bratwurst mehr gibt. Solange sie noch Essen angeboten hätten, wäre dies nicht möglich gewesen - da habe man die Gäste in den Nebenraum geschickt, sagt die Mitarbeiterin.

Als 2007 das Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäude Einzug hielt, versetzte das vielen Wirten einen gehörigen Schock: „Damals sind viele Gäste fern geblieben - wer stellt sich schon mitten in der Stadt vor die Tür zum Rauchen oder setzt sich abseits in einen Nebenraum.“ Mit der Lockerung des Gesetzes, die kleinen Einraum-Gaststätten eine Raucherlaubnis einräumte, erholte sich auch Bratwurst-Glöckle langsam wieder. „Bier und Zigarette gehört für viele einfach zusammen - und so ist es bei uns schon länger wieder möglich“, sagt die Hofgeismarerin.

Auch im Gasthaus Siemon in Hombressen geht man locker mit dem Rauchverbot um: „Wenn beispielsweise am Sonntagabend keine Gäste im Haus sind, die etwas essen, dann darf die Knobelrunde an der Theke rauchen“, erklärt Inhaberin Bärbel Siemon. Sobald allerdings Speisen serviert würden, Gäste zum Essen kämen, müssten die Raucher vor die Tür gehen. Da Siemons sowieso viele ihrer Gäste kennen, können sich alle gut damit arrangieren.

Einen separaten Raum zum Qualmen hat Wolfgang Schulz im Speiselokal „Deutsche Eiche“ in Grebenstein eingerichtet. „Als das Verbot eingeführt wurde, hatte ich noch den „Jean Bonnet“ in Kelze. Da haben wir das laxer gehandhabt, nämlich häufig an der Theke geraucht und im Speisezimmer essen lassen.“ Heutzutage sei das in einem Haus wie der Eiche undenkbar und bisher würden die Raucher auch ohne zu Murren den separaten Raum annehmen.

Wenn Wilhelm Textor vom gleichnamigen Gasthaus in Trendelburg an die erste Zeit des Rauchverbotes denkt, muss er Schmunzeln: „Was haben sich die Leute damals aufgeregt und Panik gemacht.“ Natürlich könne niemand heute mehr nur vom Bierverkauf leben – all jene seien durch das Gesetz tatsächlich auf der Strecke geblieben. Im Trendelburger Lokal wird ohne Ausnahme nur draußen geraucht, „Gesetz ist nunmal Gesetz“, sagt der Seniorchef.

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