Göttinger Ehepaar ließ sich auf Fähre bei Oedelsheim trauen

Heiraten mal anders: Ja-Wort auf der Weser

Schlechtes Wetter, gute Stimmung: Cornelia und Gisbert Ravens heirateten auf der Oedelsheimer Fähre. Karl- Heinz Sonne (links) fuhr für das Paar den Gestiefelten Kater.
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Schlechtes Wetter, gute Stimmung: Cornelia und Gisbert Ravens heiraten auf der Oedelsheimer Fähre. Fährmann Karl- Heinz Sonne (links) steuerte für das Paar die Fähre namens „Gestiefelter Kater“ über die Weser.

Einige heiraten auf Berggipfeln, andere im Fußballstadion oder auf der Achterbahn. Ein Paar aus Göttingen gab sich jetzt auf der Weserfähre bei Oedelsheim das Ja-Wort.

Wesertal / Göttingen - Cornelia und Dr. Gisbert Ravens hatten sich den ungewöhnlichen Ort auf dem Wasser zwischen Oedelsheim und Gottstreu ausgesucht. Zuvor hatten erst vier Paare aus dem Ort oder dem Kreisteil Hofgeismar diese Möglichkeit genutzt. Fährmann Karl-Heinz Sonne, der den „Gestiefelten Kater“ während der Zeremonie ans gegenüberliegende Ufer und wieder zurück steuerte, sagte, dass das Hochzeitspaar Glück hatte bei seinem Vorhaben, denn normalerweise ist die Fähre im Winterhalbjahr ab Oktober nicht mehr in Betrieb. Die gesperrte Landesstraße zwischen Oedelsheim und Gieselwerder sorgte aber für Aufschub: „Wegen der Baustelle haben wir unsere Zeiten ausgeweitet“. Da die Sperrung der Fähre vorher nicht angekündigt war, stauten sich an den Zufahrten vorübergehend die Autos mit Passagieren.

Zufällig erfahren

Dass die Ravens sich für eine Trauung auf der Weserfähre entschieden hatten, ist einem Zufall zu verdanken: „Da wir in Arenborn bauen wollen, lernten wir beim Grundstückskauf den zuständigen Bürgermeister kennen“, erzählt der in Göttingen tätige 60-jährige Gynäkologe. Dieser habe ihnen den Tipp gegeben, dass man auf der Fähre heiraten könne. Da sich beide schon seit seiner Studentenzeit mit dem Weserbergland verbunden fühlen und beide bald auch Wesertal-Bürger sein werden, zögerten sie nicht lange und setzten diese Anregung um.

Gerne auf Wasser unterwegs

„Als gebürtiger Bremer habe ich sowieso einen Bezug zur Weser“, erklärt Gisbert Ravens. Man könne auch sagen, dass das beliebte „Weserbogenlied“ mit den Zeilen, „von Hann. Münden bis zum Nordseestrand, dort ist meine Heimat, ist mein Vaterland“ “ gut auf ihn zutreffen würde, brachte der Bräutigam seine Verbundenheit zum Weserland zum Ausdruck. Als einstiger Schiffsarzt der Bundesmarine und immer noch Flottenarzt der Reserve ist er zudem gerne auf dem Wasser unterwegs, weshalb die maritime Hochzeit auch in dieser Beziehung passte.

Pavillon gegen Regen

Von der trüben herbstlichen Witterung ließ man sich auf dem Fluss nicht entmutigen. Hatte Fährmann Karl-Heinz Sonne zuerst Bedenken, ob alle Gäste mitfahren dürften, so willigte er schließlich ein, nachdem sich die Anwesenden gut auf dem Deck verteilt hatten. Glücklicherweise hatten Ravens zuvor einen Pavillon auf der Fähre aufbauen lassen, der vor dem Regen schützte, der ausgerechnet zur Zeit der Zeremonie für eine Stunde vom Himmel fiel.

Offizieller Akt vorher an Land

Da der Standesbeamte Holger Foerster schon vorab an Land im Standesamt im örtlichen Heimatmuseum die Formalitäten und die offizielle Trauung mit Unterschriften vorgenommen hatte, war die Zeremonie auf dem Wasser mit Ringetausch und erneutem Ja-Wort nach einer guten Viertelstunde vollzogen.

Der Bräutigam hatte dafür nochmals seine Marineuniform angezogen, auch einige Gäste waren in Uniform dabei. Begleitet von feierlichen Trompetenklang aus dem Fährhäuschen ging es nach dem Ja-Wort wieder an Land. Von dort aus begaben sich alle in ein örtliches Gasthaus, wo gemeinsam gefeiert wurde. „Und dann ging es für meine Frau und mich ins Flitterwochenende in ein Schlosshotel an der Weser“, bemerkte der Frischvermählte geheimnisvoll.

Kein schwimmendes Standesamt

Die Heirat auf einem Schiff oder einer Fähre ist unproblematisch, wenn man die Vorschriften beachtet. Wie der Wesertaler Standesbeamte Holger Foerster erklärt, kann er offizielle Trauungen dort nicht vornehmen, solange es fährt. Denn dann ist es Teil der Bundeswasserstraße Weser und nicht mehr sein Amtsbezirk. Sobald das Schiff aber am Ufer liegt und vertäut ist (wie auch beim Fahrgastschiff „Hessen“) gehört es zum Gemeindegebiet. Bei der Fähre wurde alles Formelle sicherheitshalber vorher schon mal an Land geregelt.  (Tanja Temme/Thomas Thiele)

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