Kampf gegen Funklöcher

Diemelsee: O2-Kunden beschweren sich über fehlenden Empfang

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Kein Empfang in Adorf: Kunden von O2 haben seit Mai in großen Teilen des Dorfes Probleme, mit dem Handy zu telefonieren – höhere Standards fürs Surfen im Internet sind gar nicht verfügbar. Telefonica verweist auf Bauarbeiten und kündigt Investitionen an.

Adorfer O2-Kunden beschweren sich: Schon seit Anfang Mai gebe es es in  großen Teilen des Dorfes keinen Empfang mehr - zu telefonieren sei nicht mehr möglich. 

Diemelsee-Adorf –  Netzbetreiber Telefonica verweist auf Umbauarbeiten an einem Sendestandort, der Adorf versorgen soll.

Die Telekom lässt die Diemelseer derzeit „Funklöcher jagen“ – wie berichtet, beteiligt sich die Gemeinde an einer Aktion des Bonner Konzerns zum Ausbau des LTE-Mobilfunknetzes. Auch Mitbewerber Telefonica hat offenbar mit Funklöchern zu kämpfen: Kunden aus Adorf beschweren sich, dass sie im O2-Netz schon seit etwa vier Monaten keinen Empfang mehr in großen Teilen des Dorfes haben. 

Bis Anfang Mai habe das Netz noch funktioniert, sagt ein Adorfer, da sei wenigstens das Telefonieren mit dem Handy möglich gewesen. Aber seitdem gelinge es in vielen Straßen nicht einmal mehr, sich ins O2-Netz überhaupt einzuwählen. 

Kein Surfen im Intertnet

Höhere Mobilfunk-Standards zur Datenübertragung wie G3 oder UMTS und G4 oder LTE seien von vornherein nicht verfügbar gewesen, berichtet der Adorfer – schnelles Surfen im Internet mit dem Smartphone? Pustekuchen.

 Beschwerden beim Kundensercvice hätten nichts gebracht, über Wochen habe es nur Vertröstungen gegeben: „Wir arbeiten dran.“ 

Wer auf der Homepage des Konzerns unter https://www.o2online.de/service/netz-verfuegbarkeit/netzstoerung/ nach dem Netzstatus sucht, erhält für fast alle Dörfer Diemelsees derzeit die Auskunft: „Eine Basisstation in der Nähe funktioniert im Moment nicht einwandfrei.“ Lediglich für Flechtdorf hieß es: „Unser Netz funktioniert störungsfrei.“ 

„Für die Einschränkungen möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen“, sagt Telefonica-Deutschland-Pressesprecher Florian Streicher auf Nachfrage der WLZ. 

Netze O2 und E-Plus werden zusammengelegt

Die Probleme haben offenbar damit zu tun, dass Telefonica Deutschland 2014 die E-Plus-Gruppe übernommen hat. Um Kosten in Höhe von fünf Milliarden Euro zu sparen, werden die beiden Mobilfunknetze O2 und E-Plus zusammengelegt. Dies hat Telefónica nach eigenen Angaben 2018 weitgehend abgeschlossen, dabei seien Standorte teilweise auch modernisiert worden.

 Arbeiten in Diemelsee

In Diemelsee wird noch gearbeitet: Ein alter Sendemast in der Bredelarer Straße in Adorf ist außer Betrieb. „Ein Mobilfunkstandort östlich von Adorf musste im Frühjahr abgebaut werden“, teilt Florian Streicher mit. Adorf werde über einen Sendemasten im Westen Rhenegges mit Mobilfunk versorgt, sobald die dort laufenden Arbeiten beendet seien, erklärt er. 

Im Zuge der Netzumbauarbeiten „kann es für unsere Kunden vor Ort leider vorübergehend zu lokalen Einschränkungen bei der mobilen Telefonie und Datennutzung kommen, was wir sehr bedauern“, sagt er. 

Für die Netztechniker habe es „oberste Priorität“, die Arbeiten professionell und zügig abzuschließen. Sie seien umfangreich und entsprechend komplex – so müsse ein neuer Richtfunk-Link zur nächsten zentralen Vermittlungsstelle im Netz aufgebaut werden. Diese neue funktechnische Anbindung dauere weiter an. „Leider können wir aktuell keinen konkreten Endtermin nennen“, teilt Streicher mit. 

Betroffene könnten „sich gerne an unseren Kundenservice wenden, damit gemeinsam eine Lösung für die Situation gefunden werden kann.“

 In der Regel übernähmen während solcher komplexen Umbauten benachbarte Standorte die Versorgung – etwa die nördlich von Diemelsee, sagt Streicher. Doch die reichen offenbar nicht bis in die Adorfer Tallagen. 

LTE-Standard soll 2020 kommen

Streicher kündigt indessen einen weiteren Netzausbau gerade auf dem Land an. Im Kreis habe Telefonica in den vergangenen Monaten unter anderem in Korbach neue LTE-Stationen errichtet.

 Diemelsee werde nach aktuellem Stand im nächsten Jahr mit dem schnellen LTE-Standard versorgt. Entsprechende Vorbereitungen „laufen bereits“. 

Gemeinde fragt nach

Auch der Gemeinde Diemelsee sind die Empfangsprobleme im O2-Netz bekannt. Sie habe bei Telefonica ebenfalls nachgehakt, berichtet Bürgermeister Volker Becker. Sie habe aber lediglich die Auskunft erhalten, sie seien "am reparieren“.

Urlauber betroffen

Das lückenhafte Netz trifft nicht nur Einheimische, auch Feriengäste können unliebsame Erfahrungen machen. Viele Wanderer oder Radfahrer nutzen heute keine Karten aus Papier mehr, sie stellen sich ihre Strecken online zusammen, laden sie sich aufs Handy und lassen sich im Gelände von der digitalen Technik leiten. Nur: Ohne Empfang haben sie kein Zugriff auf ihre Dienste. 

Der fehlende Empfang sei ein großes Problem in der Fläche, sagen Touristiker – das gelte nicht nur für Diemelsee, auch andere Regionen im Kreis seien betroffen, auch der Edersee. 

Beschwerden von Urlaubern seien der Gemeinde nicht bekannt, sagt Becker. Viele Gäste haben offenbar schon ihre Erfahrungen mit lückenhaften Netzen gemacht.

Probleme auf dem Land

Für Empfang in der Fläche: der Mobilfunk-Sendemast am Sportplatz in Rhenegge.

Die meisten Handy-Nutzer haben in Großstädten keine Probleme, auf dem Land sie oft aufgeschmissen: „Kein Netz“, heißt es auch bei den großen Anbietern. Die investieren mit Vorliebe in Ballungsgebieten, denn dort erreichen sie mehr potentielle Kunden pro Sendemast als auf dem Land. Das ist effizienter. 

Trotz des Baus von rund 6700 LTE-Stationen 2018 und dem geplanten Bau von rund 10.000 weiteren: In kleineren Städten liege O2 deutlich hinter Telekom und Vodafone, urteilte  das Fachblatt „Chip“ im März: „O2 sammelt in den Städten fleißig Punkte, auf dem Land schwächelt das Netz aber nach wie vor.“ 

Nachbarländer sind weiter

Die IT-Fachleute von „Golem“ stellen den deutschen Anbietern  im internationalen Vergleich schlechte Zeugnisse aus: Teléfonica erreiche laut Messungen vom Dezember eine LTE-Abdeckung von gerade einmal 46,8 Prozent, Vodafone komme auf 56,7 Prozent, die Telekom immerhin auf 75,1 Prozent. 

Kunden in den Niederlanden, in Belgien und der Schweiz könnten hingegen auf eine Abdeckung von bis zu 95,2 Prozent zurückgreifen. 

LTE-Abdeckung in Waldeck-Frankenberg: 65,19 Prozent

Der Berliner „Tagesspiegel“ erhielt im August Erfolgsmeldungen aus den Konzernzentralen: LTE sei zu „fast 98 Prozent“ verfügbar, sagte die Telekom, Vodafone gab eine LTE-Abdeckung von 94,5 Prozent an. Telefónica sprach von „deutlich mehr als 90 Prozent“. 

Doch zwischen der rechnerischen Abdeckung und der tatsächlich vorhandenen Leistung gebe es Abweichungen, meldet die Zeitung. So zeigten Messungen, dass LTE in Waldeck-Frankenberg nur zu 65,19 Prozent verfügbar sei. 

Mindestens 50 Megabit pro Sekunde vorgeschrieben

Bis Ende 2019 müssen die Anbieter Auflagen erfüllen: Bis dahin müssen 98 Prozent der deutschen Haushalte über eine LTE-Versorgung mit einer Datenübertragung von mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügen können. 

Ein Adorfer hat mal nachgerechnet: Derzeit kämen O2-Kunden im Dorf auf maximal 260 Kilobit oder umgerechnet 0,26 Megabit. Sein Kommentar: „Ein wirklich sehr schlechter Witz.“

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