Autor Dr. Frank Helzel stellt Forschungsergebnisse in seinem neuen Buch vor

Aggressives Echo ausgelöst

Geschichte aufgearbeitet: Buchautor Dr. Frank Helzel aus Mandern mit seinem Buch „Stalins Grenzziehung im besiegten Deutschland 1945“. Foto:  Schade

Mandern. Seit rund 20 Jahren befasst sich der pensionierte Gymnasiallehrer Dr. Frank Helzel aus Mandern mit den Personen des Sachsenkönigs Heinrich I. und SS-Reichsführers Heinrich Himmler. Seine Forschungen spiegeln sich in zahlreichen Veröffentlichungen wider und haben ihm den Doktortitel eingebracht. Jetzt hat er ein neues Buch herausgegeben.

„Stalins Grenzziehung im besiegten Deutschland 1945. Zur Genese zweier slawisch legitimierter Siegeszeichen“, lautet der Titel des Werkes. „Ein Buch für historisch interessierte Menschen. Ich versuche zu erklären, woher die Motivation kam, im Osten Lebensraum zu schaffen“, sagt der heute 73-Jährige.

Namenspatron der Schule

Frank Helzel war seit 1979 Lehrer mit den Fächern Deutsch, Französisch und Spanisch an der König-Heinrich-Schule in Fritzlar. Bei der Lektüre von Heinrich Höhnes Buch „Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS“ wurde er zum ersten Mal auf den Namenspatron seiner Schule aufmerksam.

Helzel: „Höhne schreibt von einem König Heinrich, für dessen Reinkarnation sich Himmler hielt.“ Als sich herausstellte, dass der von Höhne erwähnte Sachsenkönig und der Namenspatron der Schule ein und dieselbe Figur sein sollten, wurde seine Neugier geweckt. „Ich wusste damals eigentlich kaum etwas über König Heinrich“, sagte er.

Zu diesem Zeitpunkt gab es Überlegungen in Fritzlar, ein Denkmal für den Sachsenkönig auf dem Domplatz zu errichten. Helzel schaltete sich in zwei Leserbriefen in der HNA in die Diskussion ums Denkmalprojekt ein. Das aggressive Echo in der Stadt und der Schule machten ihn stutzig, wie er sagte. Er begann, sich „kundig zu machen“.

Er trug Material und Fakten zusammen und korrespondierte mit Wissenschaftlern und Journalisten. Helzel: „Viel Aggression und Unwille weisen in der Regel auch auf etwas Verborgenes hin.“ 1999 lud ihn der Marburger Germanistikprofessor Dr. Joachim Heinzle an die Philipps-Universität ein, um dort im Fachgebiet neuere Deutsche Literatur zu promovieren,

Neugierde geweckt

„Ich wollte eigentlich nicht, aber ich war neugierig“, sagt Helzel heute. Anfang 2000 wurde er in Marburg mit 58 Jahren zum Dr. phil. promoviert. Thema seiner Dissertation: „Die nationalideologische Rezeption König Heinrichs I. im 19. und 20. Jahrhundert“.

Der Manderner, der das letzte Jahr bis zu seiner Pensionierung am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen unterrichtete, forschte weiter. Er arbeitete nach eigenen Angaben Aspekte auf, die sich aus der nationalgeschichtlichen Glorifizierung des Mittelalters für den Nationalsozialismus ergaben.

Er entschlüsselte die Bezeichnungen „Unternehmen Otto“, die Hitler 1938 für den Anschluss Österreichs wählte, das „Programm Heinrich“, mit dem Himmler alle seine Unternehmungen im Osten umschrieb, sowie Hitlers Bezeichnung „Feldzug Barbarossa“ für den Feldzug gegen Polen. Er untersuchte, was es mit der Ideologie des deutschen Grenzkolonianismus auf sich hatte, das „Londoner Zonenprotokoll“ und Stalins Siegeserklärung von 1945.

Von Jörg Schade

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